Mit Vernunft lässt sich Elbvertiefung nicht erklären

29.08.2018

Die Formalitäten zu den Plänen der Elbvertiefung befinden sich auf den letzten Metern. Dazu ein Kommentar von Ulrich Rohde.

Es hat 17 lange Jahre gedauert, bis der Bund und Hamburg endlich ihren Willen durchsetzen konnten, die Elbvertiefung zu verwirklichen. 17 Jahre des gehobenen Planungsirrsinns, immer wieder grob mangelhafter Unterlagen, zahlloser gerichtlicher Auseinandersetzungen und gelegentlich gestreuter gezielter Falschinformationen aus den Reihen der Vorhabenplaner, der Politik und natürlich der Hamburger Hafenwirtschaft.

Dagegen stand und steht der massive und breite, von der Bevölkerung an der Unterelbe getragene Widerstand gegen das Vorhaben der verniedlichend so bezeichneten Fahrrinnenanpassung. Es sei nur an die langen Menschenketten mit ihren Fackeln auf dem Deich erinnert, die verdeutlichen sollten, dass es hier nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern auch um die schieren Existenzen der hinter dem Deich lebenden Bevölkerung geht.

Es sei durchaus auch daran erinnert, mit welcher Borniertheit und gewissenloser Kaltschnäuzigkeit die Vertreter des Projektbüros Fahrrinnenanpassung in dieser Region aufgetreten sind, um in vermeintlichen Informationsveranstaltungen dem „dummen Volk“ die Flussvertiefung als ökologische Segnung und wasserbaulichen Meilenstein zu präsentieren.

Es darf allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass es ja ein Bundestagsbeschluss war, der die Elbvertiefung 2004 erst auf den Weg gebracht hat. Kein Ruhmesblatt für diejenigen Abgeordneten aus der Region, die damals dafür gestimmt haben.

17 Jahre sind also seit den ersten Planungen für die Elbvertiefung ins Land gegangen. Eine schwere Weltwirtschaftskrise hat das Projekt seither überdauert und gravierende Veränderungen auf den Weltmärkten und der globalen Warenströme sind darüber hinweg gegangen. Die Welt ist bei weitem nicht mehr dieselbe wie vor fast 20 Jahren.

Nur in der Hamburger Hafenwirtschaft verfährt man nach wie vor unverdrossen nach den gleichen alten Mustern wie damals: Hier geht es um Wachstum um jeden Preis und um die Steigerung von Umschlagszahlen, komme, was da wolle. Doch auch diese Flussvertiefung wird nichts daran ändern, dass der Hafen aufgrund der langen Revierfahrt und seiner Lage an der Peripherie der Welthandelsschifffahrtsrouten gegenüber Rotterdam oder Antwerpen benachteiligt bleibt. Es sind nun einmal nur neun Millionen Standardcontainer, die am Ende dieses Jahres an den Kais umgeschlagen worden sein werden. Eben nicht 20 Millionen TEU, wie die vom Traum des ewig währenden Booms benebelten Experten einst vorhersagten. Und ob es jemals 20 Millionen TEU werden, darf getrost bezweifelt werden.

Vielleicht wird es deshalb langsam Zeit, sich etwas deutlich intelligenteres zu überlegen, als die natürlichen Ressourcen des Stroms fortwährend zu zerstören und die Lebensgrundlagen seiner Anrainer auf Dauer in Gefahr zu bringen. Wie wir wissen, bekommt, wer sich nicht anpassen kann, irgendwann erhebliche Probleme.

Die Gegner der Elbvertiefung, die unablässig klagenden Umweltverbände und die Organisationen und Institutionen, die in dieser Region das Verfahren wachsam, kritisch und mit einer Jahr für Jahr zunehmenden Sachkompetenz begleitet haben, können – trotz der jetzt geschaffenen Fakten – wenigstens für sich geltend machen, dieses absurde Projekt Elbvertiefung zumindest für die Dauer von 17 Jahren aufgehalten zu haben.

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