Rote Bank:

Mobilität auf dem Land verbessern

21.06.2016

KREIS CUXHAVEN. Oberndorf bringt ein Projekt ins Rollen, das ausdrücklich auf Zuwachs ausgerichtet ist. Mit der Aktion "Roter Punkt - ich nehm? Dich mit" wird dem Megathema Mobilität auf dem Lande ganz bodenständig und bürgerschaftlich begegnet. Benötigt werden für diesen selbst organisierten Personennahverkehr nur rote Bänke und Aufkleber bei aufgeschlossenen Autofahrern. Von Wiebke Kramp

Es ist denkbar simpel: Aufgestellt wird die rote Bank an strategischen Knotenpunkten wie Dorfdurchfahrten, Bahnhöfen oder Marktplätzen. Wer dort Platz nimmt, signalisiert auf den ersten Blick den Wunsch nach einer Mitfahrgelegenheit. Die Testphase beginnt mit einer Bank vor der „Kombüse“ an der Hauptstraße Oberndorf sowie am Bahnhof Wingst. „Wunderbar, das ist ja wirklich eine tolle Idee“, finden Lore (71) und Hans Böker (80). Die Oberndorfer Senioren haben es von ihrem Haus nur wenige Schritte zur neuen Bürgerbank. Die kommt ihnen wie gerufen, denn das Ehepaar besitzt kein Auto und will das Angebot auf jeden Fall ausprobieren.

„Unsere Mobilitätsgruppe aus dem Oberndorfer Dorfforum ist schon lange am Überlegen, wie hier die Verkehrsanbindung verbessert werden kann, damit es gerade Menschen ohne Auto und unsere Älteren leichter haben“, erklärt Bert Frisch. Die Initialzündung zur Aktion Bürgerbank gab ein Bericht unserer Zeitung. Die Oberndorfer fackelten nicht lange und setzten das um, was andernorts – allerdings noch nicht in der Region – auf den Weg gebracht worden ist. Ausdrücklich ist dies keinesfalls eine auf Oberndorf beschränkte Aktion oder gar eine Einbahnstraße, sondern soll – so der Wunsch – Ausstrahlung in möglichst viele Orte rundum haben. Erst ein Netz aus vielen Bürgerbänken sowie mitwirkenden Fahrern sorge für ein funktionierendes System mit geringen Wartezeiten.

Der rote Punkt ist das Signal, um die Menschen mobil zu machen. Wer mitgenommen werden möchte, setzt sich auf die Bank und zeigt einfach wie beim Trampen mit dem Daumen die Richtung. „Es ist alles rein privat, es besteht keine Beförderungspflicht und versicherungsmäßig ist es so geregelt wie bei jedem anderen Insassen eines Fahrzeuges“, so Koordinator Markus Haastert. Die ersten beiden Bänke finanziert die Bürgergenossenschaft „Die Oberndorfer“. Aus gutem Grund, wie Hans-Heinrich Katt, Sprecher des Aufsichtsrates, deutlich macht: „Dieses Projekt zur Organisation von Mitfahrgelegenheiten für nicht motorisierte Oberndorfer liegt komplett auf der Linie der durch unsere Genossenschaft laut Satzung zu fördernden Projekte. Sie bereichern die Wohnqualität.“

Andreas Eickmann, Leiter des Amtes Regionalplanung beim Landkreis Cuxhaven, sieht derartige alternative Mobilitätsverbesserung als Zusatzangebot durchaus positiv. „Wir werden an vielfältigen Beförderungsmöglichkeiten arbeiten müssen“, ist er sich angesichts der ländlichen Struktur im weitläufigen Kreisgebiet sicher. Er appelliert an Initiatoren, sich mit der Kreis-Regionalplanung in Verbindung zu setzen.

Alt-68er dürften sich erinnern: Das Rad wird nicht neu erfunden, sondern einer alten Idee neues Leben eingehaucht. Aktion Roter Punkt nannten sich bereits Protestreihen zwischen 1968 und 1971 in vielen deutschen Städten, bei denen es damals zuvorderst gegen Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr ging. Das Logo der Aktion war der Rote Punkt als Aufkleber auf Windschutzscheiben von Privatautos, die den alternativen Transport auf privater Basis in Gang setzten.

Ob das in Oberndorf in Bewegung gebrachte Bürgerbankmodell tatsächlich nicht nur denkbar einfach ist, sondern auch tatsächlich ins Rollen kommt und funktioniert, zeigt sich ab sofort im Praxistest.

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