Der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Löscheinsatz für ein brennendes Motorboot in der Wesermündung. Der Skipper des Bootes war zuvor von einem Hubschrauber des Wiking Helikopter Service aus dem Wasser gerettet worden. Foto: Die Seenotretter - DGzRS
Schutzengel an Bord

Motorboot brennt: Fehlalarm rettet Schiffbrüchigem in der Nordsee das Leben

von Redaktion | 14.06.2021

NORDSEE/ KREIS CUXHAVEN. Gleich mehrere Schutzengel hat ein Skipper am Freitagnachmittag auf der Nordsee gehabt. Sein Motorboot war in der Wesermündung in Brand geraten. Ihm blieb nichts anderes übrig, als nach seinem Notruf ins Meer zu springen. Ein Hubschrauber rettete den Mann aus dem Wasser.

Der Notruf über UKW-Kanal 16 ging kurz vor 16.30 Uhr bei der Seenotleitung Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ein: Der Skipper meldete Feuer an Bord seiner neun Meter langen Motoryacht im Fedderwardersieler Fahrwasser in der Nähe des Leuchtturms Hohe Weg. Danach brach die Funkverbindung ab. 

Schnelle Alarmierung

Die Seenotleitung alarmierte sofort die freiwilligen Seenotretter der Station Fedderwardersiel mit dem Seenotrettungsboot Wilma Sikorski sowie den Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer der Station Bremerhaven. Beide liefen sofort aus. 

Fehlalarm rettet Leben

Als lebensrettend sollte sich jedoch ausgerechnet ein Fehlalarm erweisen: Vor Wilhelmshaven war fälschlicherweise ein abtreibender Schwimmer gemeldet worden. Noch in der Luft befand sich der Hubschrauber "Wiking Rescue 1" vom Wiking Helikopter Service, den die Seenotleitung um Unterstützung gebeten hatte. Keine zehn Minuten benötigte die Crew mit dem Hubschrauber ins Einsatzgebiet. "Beim Anflug sahen wir bereits dunklen Rauch", berichtete Pilot und Flugbetriebsleiter Lars Hilgert. "Als wir näherkamen, haben wir einen Menschen im Wasser treibend erkannt." 

Kein alltäglicher Einsatz

Im Überlebensanzug wurde ein Rettungsassistent an einem Windenseil ins Meer hinuntergelassen. Mit Hilfe einer Rettungsschlinge gelang es ihm, den 68-jährigen Schiffbrüchigen zu sichern und sich mit ihm gemeinsam aus dem Wasser wieder aufwinschen zu lassen. Für die Hubschrauberbesatzung gehört die unmittelbare Rettung eines Menschen aus dem Wasser nicht zum Standardprogramm. An Bord befand sich jedoch zu diesem Zeitpunkt eine hochqualifizierte Crew, die mit den notwendigen Verfahren vertraut war. 

Mann im Krankenhaus

Die Stahl-Motoryacht brannte zu diesem Zeitpunkt bereits in voller Ausdehnung. An Bord des Hubschraubers versorgte ein Notarzt den Schiffbrüchigen medizinisch. Der Mann aus dem Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein wurde sofort ins Krankenhaus geflogen. Die brennende Yacht trieb zu diesem Zeitpunkt im normalerweise viel befahrenen Weserfahrwasser. 

Boot gesichert

Zuerst am Havaristen war der Windparkversorger "Mo4" des Unternehmens Deutsche Windtechnik. Die Besatzung bekämpfte das Feuer bis zum Eintreffen des Seenotrettungsbootes. Den freiwilligen Seenotrettern aus Fedderwardersiel gelang es unter günstigen Umständen, das brennende Schiff mit einer Leine zu sichern und aus dem Fahrwasser zu schleppen, damit es keine weitere Gefährdung für die Schifffahrt darstellte. 

Ermittlungen aufgenommen

Gleichzeitig setzten die Seenotretter eine Feuerlöschpumpe ein, bis zehn Minuten später der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer eintraf. Der Seenotrettungskreuzer löschte mit seiner leistungsfähigen Feuerlöschanlage den mehrfach wieder aufflammenden Brand. Die Wilma Sikorski schleppte das Wrack bis zu einer Kabeltonne im Fahrwasser "Dwarsgat", wo die Seenotretter das vollständig ausgebrannte Schiff festmachten. Noch während die Hermann Rudolf Meyer vor Ort war, versank es jedoch. Die Wasserschutzpolizei Wilhelmshaven hat die Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte Wind mit vier bis fünf Beaufort aus Nordwest. Die Wassertemperatur betrug 13 bis 14 Grad Celsius.

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