Einige Geschäfte in Cuxhavens Nordersteinstraße haben seit Montag wieder geöffnet. Foto: May
Lockerungsübungen

Nach einem Monat Shutdown etwas Freiheit schnuppern

von Ulrich Rohde | 21.04.2020

Nach gut einem Monat wurden die strengen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zum Schutz vor Ansteckung durch das Corona-Virus ein Stück weit gelockert. Nicht alle können mit der schrittweisen Öffnung umgehen.

Es gibt in der Pädagogik einen Grundsatz: Grenzen und Regeln geben Halt und Sicherheit. Das gilt nicht nur in der Kindererziehung, sondern auch für Erwachsene. Mit Grenzen und Regeln organisieren wir unser Gemeinwesen, damit nicht das Faustrecht Einzug hält.

Seit Donnerstag kann man erleben, wie Grenzen ausgetestet werden. Mit der Verkündung der Lockerung der Beschränkungen zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus kamen auch die Fragen, ob das ausreicht. Geschäfte bis 800 Quadratmeter Ladenfläche öffnen: Warum nicht bis 1000 Quadratmeter oder mehr? Großveranstaltungen bleiben verboten. Was ist denn eine Großveranstaltung? Beginnt sie bei 500, 1000 oder bei 5000 Besuchern? Warum machen Krippe, Kita, Hort und Schule nicht endlich wieder für alle auf?

Es gibt etliche Einwände, die aus sozialer oder wirtschaftlicher Sicht vernünftig erscheinen, aus gesundheitlicher Sicht aber nicht sind. Regeln und Grenzen mögen willkürlich erscheinen, manchmal nicht nachvollziehbar sein. Sie sind Ergebnis von Konvention, Abwägung oder Kompromiss. Aber sie haben in diesen Zeiten ihre Wirksamkeit bewiesen. Nach einem Monat Corona-Shutdown sehen wir, dass die Kurve langsam nach unten zeigt. Aber wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass das alles nur Momentaufnahmen sind. Es kann genauso gut wieder in die andere Richtung gehen.

Es wird noch eine lange Zeit dauern, bis wir unser altes Leben zurückhaben, und wenn es soweit ist, wird es ein anderes sein. Schaut man sich an, wo wir Anfang März hergekommen sind, ist die deutlich sinkende Anzahl von Neuinfektionen eine enorme Entwicklung, die der Geduld und Disziplin aller Menschen zu danken ist. Setzen wir das nicht aufs Spiel.

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Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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