Am Gericht in Otterndorf wurde der Prozess verhandelt. Foto: Dedert
Vor Gericht

Nach Prügelei in Otterndorf: Plan ging nicht auf

von Egbert Schröder | 13.01.2020

OTTERNDORF. Der Verlauf des Abends war anscheinend Ansichtssache: In einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Otterndorf wollte ein 42-Jähriger den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen.

Er soll einen heute 18-Jährigen im betrunkenen Zustand verprügelt haben. Doch am Ende des Verfahrens wurde er kleinlaut - und zog den Einspruch gegen einen Strafbefehl gegen ihn zurück.

Die Schnittmenge, worüber Angeklagter und Zeugen sich einig waren, ist überschaubar. So gab der Angeklagte an, dass er gemeinsam mit Freunden am 13. Juli 2019 in einer Kneipe gefeiert habe. Dann sei er kurz nach draußen gegangen und habe ein Gespräch zwischen dem damals 17-jährigen Opfer und zwei Mädchen mitbekommen, die dieser beleidigt habe. Daraufhin habe er sich eingemischt und gesagt, dass der junge Mann mit den Beleidigungen aufhören solle: "Dann hat er mir ins Gesicht geschlagen." Später habe es noch ein Handgemenge mit mehreren Personen gegeben "und dann hat mich einer mit einem spitzen Gegenstand angegriffen und an der Hand verletzt". Er sprach gar von einer "Massenprügelei", bei der er das eigentliche Opfer gewesen sei: "Die haben auf mich eingeschlagen." Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon einige Gläser Alkohol getrunken - der später ermittelte Promillewert lag bei knapp 1,5.

Damit, dass der 42-jährige Otterndorfer mit seinen Äußerungen in die Opferrolle schlüpfte, hatten die anderen Zeugen doch gewisse Probleme. Eines der Mädchen, das den Verlauf der Auseinandersetzung mitbekommen hatte, bestätigte zwar, dass der damals 17-Jährige sie "beleidigt hat, aber das war doch reiner Spaß". Warum sich der Angeklagte einmischte, habe sie nicht verstanden. Gegenseitig hätten sich die beiden Streithähne dann geschubst und der 42-Jährige sei schließlich hingefallen. Dabei habe der Mann ein Glas in der Hand gehalten, das zersplitterte - was auch die angebliche "Stichwunde" an der Hand erklären könne. Der damals 17-Jährige bestritt, ein Messer bei sich getragen zu haben: "Der ist hingefallen. Vielleicht hat er sich dabei verletzt."

Mit seiner ganz persönlichen Version des Tatgeschehens stand der 42-Jährige also plötzlich ziemlich allein da und knickte ein: Er akzeptierte den Strafbefehl, der sich auf 25 Tagessätze à zehn Euro beläuft und zog seinen Einspruch zurück. Kein Wunder: Ansonsten hätte ihm eventuell noch eine höhere Strafe gedroht.

Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

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