Nach schwerer Krankheit verstorben: Fritz Bechinger, der frühere Babyzoo-Leiter in der Wingst, war langjähriger Nabu-Vorsitzender und Kreis-Naturschutzbeauftragter. Foto: Archiv
Mann der leisen Töne

Nachruf für Wingster: Aktiver Kämpfer für Natur- und Artenschutz 

von Wiebke Kramp | 14.08.2020

WINGST. Fritz Bechinger aus der Wingst ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Fachwissen hatte Gewicht. Und das setzte er für den Naturschutz ein.

Er war ein Mann der leisen Töne, aber sein Wort hatte Gewicht. Fritz Bechinger, ein aktiver Kämpfer für den Natur- und Artenschutz, ist am Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren verstorben.

Wer Fritz Bechinger kennengelernt hat, erlebte ihn als ruhig, besonnen, sachlich, aber in der Sache beharrlich. Der langjährige Hadler Nabu-Vorsitzende und frühere Babyzoo-Chef hinterlässt eine große Lücke.

Fritz Bechinger erblickte am 17. Januar 1938 in Cuxhaven das Licht der Welt. Hier wuchs er auf und absolvierte im Kurpark seine Lehre als Tierpfleger. Doch es hielt ihn nicht lange in Cuxhaven. Ab 1956 arbeitete er in verschiedenen Abteilungen in den Zoos Hannover und Gelsenkirchen. Dann zog es ihn in die weite Welt. Für eine holländische Zoo-Tierhandelsfirma war er in West-, Zentral- und Südafrika im Einsatz. Der Kauf, der Fang, die Eingewöhnung sowie der Transport von seltenen wilden Säugetieren und Vögeln lagen verantwortlich in seinen Händen. Gedacht waren die Wildfänge für zoologische Gärten in der ganzen Welt.

Wissen über exotische Tiere

1975 begann sein Arbeitsverhältnis bei der Zootierhandlung Ruhe in Alsfeld und im Safaripark Mallorca als Tierinspektor. Sein Rat war sogar gefragt, als es darum ging, Zoos einzurichten und mit exotischen Tieren zu bestücken. Er arbeitete mit an der Einrichtung zweier Safariparks in Venezuela und sogar in Libyen.

Die Beschäftigung bei der Tierhandelsfirma Ruhe führte Fritz Bechinger schließlich zurück ins Cuxland. Mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen ließen er und seine Frau sich in der Wingst nieder. Er übernahm dort im Januar 1979 die Leitung des Babyzoos. Der Name war Konzept. Damals diente der von dem Unternehmen privat betriebene Zoo als erste Anlauf- und Aufzuchtstation für Tiere, die dann an weitere Zoos verkauft wurden. Geworben wurde mit der Schau von Tierkindern aus aller Welt. Doch dieses Geschäft passte nicht mehr in die Zeit. Die Firma ging pleite. Fritz Bechinger aber blieb, als die Gemeinde 1994 den Zoo von der insolventen Firma übernahm. Bis Ende September 2000 wirkte er in dieser Funktion.

Ein Ruhestand ohne Tierwelt war für Fritz Bechinger unvorstellbar. Schon zuvor hatte sich das Ehepaar den Vogelfreunden Niederelbe angeschlossen, die sich zur NABU-Ortsgruppe mauserten. Neben der reinen Vogelbeobachtung rückten im Laufe der Jahre Natur- und Umweltschutzaspekte in den Blickpunkt.

Nabu-Vorsitzender in Hadeln

Bis er im vorigen Jahr das Amt aus Krankheitsgründen in jüngere Hände gab, war Fitz Bechinger Nabu-Vorsitzender Hadelns. Mehr noch: Sein Fachwissen und seine besonnene, auf Dialog ausgerichtete Art waren auch beim Landkreis Cuxhaven gefragt. Fast 20 Jahre war er ab 2001 ehrenamtlich Naturschutzbeauftragter - und Ansprechpartner für den Bereich der Samtgemeinden Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt.

Speziell dem Artenschutz galt Fritz Bechingers Wirken. Er betrieb über Jahrzehnte hinweg ein Netzwerk des Monitorings streng geschützter Arten. Speziell der Seeadler lag ihm dabei am Herzen. Er zeigte sich immer bereit, sich Zeit zu nehmen und sich einzusetzen. War ein Tier in Not, organisierte der zuverlässige Kümmerer in seiner unaufgeregten Art zügig rettende Hilfe. Verletzte Störche, Eulen oder Adler konnten sich auf den weit vernetzten Ornithologen verlassen.

Sein Einsatz wurde gewürdigt, seine Meinung und Kenntnis hatten Gewicht. Bechinger war auch unserer Zeitung gegenüber stets ein kompetenter Ansprechpartner, der die Belange der Natur klar kommunizierte. 2006 erhielt er für seinen Beitrag zum Artenschutz die Anerkennung "Goldener Hecht" der AG Osteland verliehen, die vor allem seine Anstrengungen zum Schutz der Seeadler herausstrich. Und auch der Landkreis Cuxhaven anerkannte sein Wirken für den Natur- und Artenschutz mit Dank.

Ein feiner Mensch ist jetzt eingeschlafen. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und Weggefährtin Edith.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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