Drei Hunde und zwei Vögel

Neues aus dem Tierheim Cuxhaven: Das Leid von fünf verwahrlosten Tieren

02.04.2022

CUXHAVEN. Was tut sich im Tierheim Cuxhaven? Wer ist neu? Wer ist ausgezogen? Wie geht es den Tieren? Immer sonnabends gibt es die Rubrik "Neues aus dem Tierheim Cuxhaven". Heute mit der tragischen Geschichte von fünf verwahrlosten Tieren.

Vor 14 Tagen rief eine gerichtlich bestellte Tier-Betreuerin im Tierheim an, und bat um zeitnahe Hilfe. Weil die Besitzer nicht mehr in der Lage waren, sich um mehrere Tiere zu kümmern, mussten sie die Tiere an die Betreuerin abgeben. Vom zuständigen Pflegedienst wurde diese auf die vernachlässigten Tiere aufmerksam gemacht. Es handelte sich um drei Berner Sennenhunde und zwei Rosenköpfchen.

Die Sprache verschlagen

"Unsere Tierheimleitung verabredete sich sofort mit der Betreuerin, um die Tiere zu begutachten. Was sie allerdings vorfand, verschlug ihr wirklich die Sprache", berichtet Birgit Block, Vorsitzende des Tierheim-Vereins. "Der Junghund Jonny mit seinen neun Monaten ist zwar etwas übergewichtig, dennoch ist er der einzige, der noch relativ gut zu Fuß ist."

Anders sei die Lage bei den Mädchen Queeny und Timmy. Sie hätten große Schwierigkeiten gehabt, "überhaupt mit ihrer Körpermasse hochzukommen. Timmy lief zwei Schritte und ließ sich dann kraftlos wieder fallen", so Block. Das Fell der beiden Hündinnen sei zudem extrem verfilzt gewesen. In einem weiteren Zimmer saßen zwei völlig vernachlässigte Rosenköpfchen in ihrem Käfig.

Völlig überforderte Hunde

"Es gestaltete sich nicht so einfach, die Hunde ins Auto zu bringen, denn sie kannten gar nichts und waren mit der Situation völlig überfordert. Eine Hündin sackte zusammen und musste in den Einsatzwagen getragen werden", berichtet die Tierheim-Vereinsvorsitzende.

Im Tierheim angekommen, duften die drei Berner Sennenhunde in ein ruhiges Zimmer einziehen. "Hier sollten sie erstmal ankommen und in Ruhe gelassen werden", so Block. Am nächsten Tag wurde zunächst Timmy dem Tierarzt vorgestellt und einen Tag später Tag Queeny. "Die beiden haben Adipositas und die Waage zeigte sage und schreibe über 30 Kilogramm Übergewicht an." 

Für die Hunde bedeutet das Übergewicht eine wahre Bürde. "Ihre Gelenke sind in starke Mitleidenschaft gezogen worden, bedingt durch das viele Gewicht, das sie auf den Pfötchen zu tragen haben", bedauert Birgit Block. "Zudem sind sie schwer herzkrank und die Krankheit hätte längst medikamentös behandelt werden müssen."

Schlechter Gesundheitszustand

Timmys Herz sei dreimal so groß, wie es eigentlich sein dürfte. "Um Timmy machen wir uns besonders große Sorgen. Wir wissen noch nicht, ob wir sie überhaupt durchbekommen", erzählt die Tierheim-Vereinsvorsitzende.

"Die drei Hunde kennen gar nichts und waren offensichtlich nur im Haus. Sie ließen ihren Urin an den Beinen herunterlaufen, egal ob sie saßen, lagen oder sich irgendwo hinschleppten", so Block. "Sie rochen sehr stark nach Kot, das sich im Unterfell verhärtet hatte."

In drei Etappen mussten Queeny und Timmy jeweils geschoren werden - "und es war im wahrsten Sinne des Wortes für alle 'Schwerstarbeit‘ - sowohl für die Hunde, als auch für unsere Tierpfleger." Aber tapfer hätten die Mädchen durchgehalten. "Nachdem Timmy als erstes geschoren war, drehte sie sich sogar vor Freude auf dem Rücken."

Hunde in Robben-Optik

Jetzt sähen die Hunde aus wie Robben. "Aber wir hoffen, dass man bald erkennt, dass es hübsche Hunde sind", sagt Birgit Block. "Mittlerweile sind die drei im Tierheim angekommen und nehmen ihre Umgebung mit Freundlichkeit wahr." Rüde Jonny passe immer auf seine Mädchen auf und nehme den Job sehr ernst. "Es wird noch eine Zeit dauern, bis sie so gut abgenommen haben, dass sie sich wieder unbeschwert bewegen können."

Die Rosenköpfchen hätten bereits ein neues Zuhause gefunden und befinden sich ebenfalls in medizinischer Behandlung. Was jahrelang versäumt wurde, räche sich nun. "Wir haben bereits bei den Vögeln Kosten zu tragen, die sich auf über 500 Euro belaufen und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht zu sehen", berichtet die Expertin. Sandra Liebenthal aus Hamburg sei die neue Besitzerin und kümmere sich liebevoll um die beiden Rosenköpfchen. "Wir sind da ganz zuversichtlich, dass es ihnen bald besser geht."

Drei Kilo abgenommen

Queeny und Timmy hätten bereits drei Kilo abgenommen und auch das geschorene Fell wachse mittlerweile gut nach. "Sie lieben es, draußen in der Sonne zu liegen", so Birgit Block. "Wir sind der Betreuerin sehr dankbar, dass sie so schnell reagiert hat."

Mittlerweile sind die Tiere dem Tierheim überschrieben worden und die Herzen der Pfleger hätten sie sowieso schon gewonnen. "Es muss den Tieren schon eine ganze Zeit lang sehr schlecht ergangen sein. Wir sind sehr traurig darüber, dass man sich ihrem Schicksal nicht schon viel eher angenommen hat", bedauert die Tierheim-Vereinsvorsitzende. "Denn für Timmys derzeitigen Weg hätte man vorher noch etwas einlenken können und nun wissen wir nicht, wo ihre Reise hingeht."

Doch die Tierpfleger hofften, dass der Lebenswille der Tiere ungebrochen ist und das Herz mitmacht. "Wir hegen keinen Greul an die Besitzer, sondern sind erleichtert, dass sie eine tolle Betreuerin an ihrer Seite haben, um ihrem Leben eine neue Zukunft zu geben", versichert Block. "Jeder geht jetzt seinen eigenen Weg und sieht nach vorn."

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