Jupiter und Ursula haben sich wieder. Und Eingewöhnungszeit brauchten sie nach ihrer Pause nicht. Jupiter lief gleich auf sein Frauchen zu und "schnurrte wie ein kleiner Panzer", berichten die Tierpfleger. Foto: Tierheim
Ursula und Jupiter

Neues aus dem Tierheim Cuxhaven: Seniorin startet mit Kater in ein neues Leben

16.10.2021

CUXHAVEN. Was tut sich im Tierheim Cuxhaven? Wer ist neu? Wer ist ausgezogen? Wie geht es den Tieren? Immer sonnabends gibt es die Rubrik "Neues aus dem Tierheim Cuxhaven". Heute gibt es das Wiedersehen von Jupiter und Ursula.

Marit Behrens von einer Pflegestelle für das Cuxhavener Tierheim hat sich auf den Weg zu Jupiter nach Hamburg gemacht - und den Kater nach Cuxhaven gebracht. Danach "waren wir alle sehr gespannt auf das erste Treffen der beiden nach so vielen Wochen der Trennung", berichtet Birgit Block, Vorsitzende des Tierheim-Vereins.

Wochenlang waren die Seniorin Ursula und ihr geliebter Kater Jupiter getrennt. Die Geschichte berührte zahlreiche Menschen, die sich für die beiden einsetzten. Zur Erleichterung vieler gab das Tierheim dann bekannt, dass die beiden wieder zueinanderfinden würden.

Aufregung vor dem Wiedersehen

Und dann kam der Tag der Tage: Die Seniorin und ihr Kater wurden wieder vereint. "Ursula war so aufgeregt, dass sie vom Obdachlosenheim zum Tierheim sehr früh loslief", erzählt die Tierheim-Vorsitzende. "Eigentlich waren wir um 14 Uhr verabredet, aber sie stand schon ganz aufgeregt um 13 Uhr bei uns auf dem Hof. Unsere Herzen gingen auf."

Das Wiedersehen hätte kaum besser laufen können: Jupiter lief nach Aussage Blocks "gleich auf sein Frauchen zu und schnurrte wie ein kleiner Panzer. Danach wurde erstmal richtig geschmust."

Das ist die Geschichte von Seniorin Ursula

Ursula hatte in jungen Jahren in Duisburg gelebt und früher Sozialpädagogik studiert. Durch ihre zwei Kinder blieb sie anschließend viele Jahre zu Hause. "Danach fand sie leider keine Arbeit in ihrem Tätigkeitsbereich und hielt sich mit mehreren kleineren Jobs über Wasser", berichtet das Tierheim.

"Als sie dann mit 63 in Rente ging, war diese so dürftig ausgefallen, dass es kaum zum Leben reichte." Die Rentnerin habe sich erkundigt und erfahren, dass man in Ungarn "gut von der kleine Rente leben" könne. Die Seniorin habe sich nach Aussagen des Tierheims geschämt, zum Sozialamt zu gehen und sei stattdessen ausgewandert. Bis vor kurzem lebte sie in Pápa, einer Stadt in Ungarn - zuerst in verschiedenen Wohnungen, die sehr grenzwertig vom Komfort gewesen seien.

Irgendwann habe sie dann ein kleines Haus gefunden. "Ursula hob immer einmal im Monat ihre Rente vom Konto ab und teilte sich ihr Geld dann wöchentlich ein", berichtet die Tierheim-Vorsitzende Block. "Leider wurde sie oft im Haus beklaut, sodass sie oft in finanzielle Schwierigkeiten kam." Den Tierpflegern habe die Seniorin erzählt, dass "sie ihr Geld in ihrer Tasche immer am Körper hatte und trotzdem wurde sie bestohlen".

Corona verschlimmert die Situation

"Dann kam Corona und alles wurde schlimmer", erzählt Block. "Die Diebstähle häuften sich." Die Seniorin habe kein Geld mehr gehabt, um ihre Stromkosten noch zu zahlen. "Ich musste zurück nach Deutschland, aber nur mit meinem Jupi", erzählte die Frau den Tierpflegern. "Ich habe alles mit dem Tierarzt besprochen, was ich benötige, um ihn mit nach Deutschland zu nehmen. Dann kaufte ich mir von meinem letzten Geld ein Ticket - das nur bis Hamburg reichte." In Deutschland habe sie den Schaffner darum gebeten, die Bahnhofmission zu informieren, dass sie ein Flüchtling aus Ungarn sei. "Die waren sehr nett zu mir, aber in die Unterkunft durfte ich nur ohne meinen Kater."

Ihren Jupiter habe sie "nicht ohne Kampf abgegeben", versichert Ursula. "Viele haben mit mir geschimpft, dass ich den Kater illegal eingeführt haben soll und er vielleicht krank sei, aber ich hatte doch alles mit dem Tierarzt in Ungarn geregelt, was sollte ich denn sonst noch machen?" Und Jupi, so die Seniorin "ist gesund. Das haben die Tests jetzt ergeben."

Neuanfang mit 79

"Ich bin 79 Jahre alt und hätte nie gedacht, dass ich nochmal komplett von vorne anfangen muss", erzählt Ursula. "Mein gesamtes Leben befindet sich in einem Einkauf-Rolli. Ich wünsche mir eine ebenerdige Wohnung, in der ich mein restliches Leben in Ruhe verbringen darf."

Auch an die treuen Leser richtet die Seniorin einige Worte: "Ich bedanke mich bei allen Spendern für die Geldspenden und, dass 'Jupi‘ durch euch wieder bei mir ist. Ich bin gerührt von so viel Fürsorge durch euch."

Das Tierheim, freut sich die Vorsitzende Block, habe Ursula mitteilen können, dass mehr Spenden eingegangen sind als für die Auslöse benötigt wurde. "Wir vom Tierheim Cuxhaven werden Ursula die überschüssigen 500 Euro geben können - quasi als kleines Startkapital für die gemeinsame Wohnung der beiden", erzählt Block.

Cuxhaven als jahrzehntelanges Ziel

Dass Seniorin Ursula jetzt in Cuxhaven gelandet ist, ist kein Zufall: "Ich wollte immer nach Cuxhaven, denn ich war schon in den Sechzigern hier. Allerdings befand ich mich damals hier in einer großen Flutkatastrophe", erinnert sich die 79-Jährige. "Hoffentlich muss ich das nicht nochmal erleben."

Die Tierheim-Mitarbeiter freuen sich, dass "die beiden zusammen sind. Ursula darf jederzeit ihren Kater hier besuchen und wir werden die beiden natürlich auch weiterhin mit Freude begleiten."

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