Eine ältere Frau geht mit einem Rollator über einen Flur eines Pflegeheims. Foto: Jens Büttner/zb/dpa

Neues Zentrum stellt Pflegebedürftigen Helfer zur Seite

01.10.2019

Wer pflegebedürftig wird oder sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern muss, ist häufig allein mit allen Schwierigkeiten und Sorgen. Das soll sich in Niedersachsen ändern - per Modellversuch sollen Betroffene Hilfe erhalten.

Nordhorn (dpa/lni) - Ein bundesweit einmaliges regionales Pflegekompetenzzentrum für die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland soll die Betreuung pflegebedürftiger Menschen in der Region deutlich verbessern. Speziell ausgebildete Fallmanager sollen die Betroffenen als professionelle Lotsen und «Kümmerer» unterstützen. Der Bund finanziert das von der Krankenkasse DAK-Gesundheit initiierte Projekt für vier Jahre mit zehn Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundesgesundheitsministeriums. Partner sind der Verein Gesundheitsregion Euregio und die Universität Osnabrück, die das Vorhaben wissenschaftlich bewerten soll.

Was ist die Idee hinter dem regionalen Pflegekompetenzzentrum?

Bislang sind Menschen, die pflegebedürftig werden, und ihre Familien weitgehend auf sich selbst gestellt. Sie müssen selber auf die Suche nach Pflegediensten oder Heimplätzen gehen, sich mit dem komplizierten Sozialrecht auseinandersetzen oder Haushaltshilfen organisieren. Übergreifende Beratung und Koordination gibt es bislang kaum, auch weil es beispielsweise noch keine Datenbanken für freie Heimplätze in einer Region gibt. Hier setzt der Modellversuch an: Alle relevanten Daten sollen gebündelt werden. Die Fallmanager sollen auf jeden Einzelfall abgestimmt die am besten geeigneten Pflegeplätze suchen und auch den Kontakt mit Heimen, Pflege- und Krankenkassen, Ärzten oder Haushaltshilfen managen. Damit spielt das Projekt auch eine Rolle bei einer stärkeren Digitalisierung der Gesundheits- und Pflegelandschaft.

Was machen die Fallmanager?

Die Fallmanager stehen mit ambulanten und stationären Pflegedienstleistern in der Region in Kontakt. Das soll über ein «digitales Ökosystem» laufen, eine digitalen Plattform. Weiterhin sollen sich die Heime, Pflegedienste, Ärzte und andere Akteure regional so gut wie möglich miteinander vernetzen, damit die Informationen schnell verfügbar sind. «Das ist so ähnlich wie bei einer Buchungsplattform, wenn man in den Urlaub fliegen will», erklärt Geschäftsführer Thomas Nerlinger. Ziel sei eine Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen.

Geht es um ambulante oder stationäre Pflege?

Es stehen zunächst Menschen im Fokus, die noch zu Hause leben und auch gerne weiter in ihrer alten Umgebung leben möchten, wie Nerlinger sagt. Bei Menschen, die in Pflegeheimen leben, sei schon alles Notwendige organisiert. Allerdings: Sollte jemand doch in ein Heim müssen, weil es in der eigenen Wohnung nicht mehr geht, helfen die Fallmanager auch bei der Organisation. «Sie tun das nicht als Vormund, sondern als Partner, auf Augenhöhe», betont Nerlinger.

Wie viele Fallmanager gibt es und wie viele Menschen können mitmachen?

Zehn Fachkräfte sollen zu Fallmanagern weitergebildet werden. Dabei handelt es sich um sechs Pflegekräfte, vier werden auch eine akademische Ausbildung haben. Insgesamt soll das Angebot 1200 Menschen in beiden Landkreisen offen stehen. «Das sind Menschen, die schon einen Pflegegrad haben oder absehbar einen bekommen werden», sagt Nerlinger. Interessenten müssen nun Teilnahmeerklärungen abgeben. Im Sommer kommenden Jahres soll das Projekt mit dem operativen Geschäft starten.

Die Idee stammt von der Krankenkasse DAK-Gesundheit - dürfen nur DAK-Mitglieder mitmachen?

Die DAK-Gesundheit habe das Projekt zwar ins Leben gerufen und das Geld beim Innovationsfonds beantragt, sagt Unternehmenssprecher Rainer Lange. Das Projekt solle aber auch offen für Mitglieder anderer Pflegekassen sein: «Es geht bei der Pflege um ein gesamtgesellschaftliches Problem.»

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