Nicht auf Kosten der Gesundheit

14.05.2018

Zum Thema Fracking ein Kommentar von Ulrich Rohde.

Aus dem Wasserhahn ausströmendes brennbares Gas, chemieverseuchtes Grundwasser, kranke Menschen: Das ist das Horrorszenario, das man mit dem Wort „Fracking“ verbindet. Diese Form der Ausbeutung von Erdgas-Vorkommen mittels hydraulischer und chemischer Verfahren genießt einen einmalig miesen Ruf. Und den hat sie sich wohl auch verdient.

95 Prozent der deutschen Erdgasbestände liegen in Gesteinsschichten auf niedersächsischem Gebiet. Kein Wunder, dass das bei der Industrie für erhöhten Speichelfluss sorgt. Nun trat im vorigen Jahr ein neues Wasserhaushaltsgesetz des Bundes in Kraft. Damit könnten die Karten neu gemischt werden. Möglicherweise endet dadurch ein seit sechs Jahren bestehendes Moratorium, das Fracking in Deutschland verhindert hat.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hätte nichts gegen Probebohrungen einzuwenden. Hier ginge es um sogenanntes „unkonventionelles Fracking“, die Förderung von Erdgas aus schwer zugänglichen, tief liegenden Gesteinsschichten. Diese Methode ist bei Gegnern noch umstrittener als das „konventionelle Fracking“ aus leichter zugänglichen Quellen. Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich für vier Pilotprojekte zum Fracking ausgesprochen, benötigt dafür aber die Zustimmung der Landesregierung.

Rot-Grün hatte sich seinerzeit dagegen ausgesprochen, die neue Große Koalition ist gespalten. Während Althusmann das kategorische Nein nicht mehr aufrechterhalten möchte, hält sein Amtsvorgänger und heutiger Umweltminister Olaf Lies (SPD) an der Ablehnung fest. Seine oberste Wasserbehörde werde einer Erprobung im Schiefergestein keine Genehmigung erteilen. Was allerdings das konventionelle Fracking im Sandstein angehe, sei man durchaus aufgeschlossen. Die Industrie hat Anträge für etwa 20 nicht genutzte Förderstätten vorgelegt, die derzeit auf Eis liegen.

Die Grüne Opposition im Landtag fordert einen sofortigen Stopp aller Erdöl- und Erdgasbohrungen in Wasserschutzgebieten – unter anderem im Nachbarkreis Rotenburg/Wümme. Die Fracking-Gegner kündigen erbitterten Widerstand im Falle von Bohr-Genehmigungen an.

Keine Frage, klimafreundliches Erdgas im Inland zu fördern, ist erheblich besser als es per Pipeline aus Russland und anderen Ländern zu importieren. Aber Erdgas mit Gefahren fürs Grundwasser und damit für die Gesundheit von Menschen zu erkaufen, kann nicht ernsthaft die Lösung sein.

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