Hier gibt es Hilfe. Juuuport ist eine Online-Beratungsstelle von Jugendlichen für Jugendliche. Sie helfen bei Problemen rund ums Web - auch beim Thema Cybermobbing. Außerdem unterstützen sie als medienpädagogischer Partner aktuell das Projekt #NichtEgal. Foto: Tiedemann
Internet

Otterndorfer Schüler für mehr Respekt im Netz

11.11.2018

OTTERNDORF. 97 Prozent aller Jugendlichen besitzen laut JIM-Studie ein Smartphone. In sozialen Netzwerken wie Youtube und Instagram sind sie zu Hause.

Kanäle, die unendlich viele Möglichkeiten, aber auch sogenannten Hatern (Hassern) - eine Bühne bieten. Cybermobbing wird dadurch zunehmend zum Problem. Um dem entgegenzuwirken, fand jetzt am Gymnasium Otterndorf das medienpädagogische Projekt #NichtEgal statt. Ein Schulworkshop für Toleranz und Respekt im Netz.

Jeder dritte Jugendliche ist bereits Zeuge von Beleidigungen im Internet geworden, jeder fünfte war sogar schon selbst Opfer von Cybermobbing und somit von Hasskommentaren. Beleidigen, bedrohen, bloßstellen, belästigen, all das scheint in sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook oder YouTube mittlerweile gang und gäbe zu sein. Respekt und Toleranz anderen Menschen gegenüber scheinen dafür Werte zu sein, die im Internet immer mehr in Vergessenheit geraten.

In der Courage-AG des Otterndorfer Gymnasiums ist deswegen die Idee entstanden, sich für das medienpädagogische Projekt #NichtEgal zu bewerben, das bundesweit an 60 Schulen durchgeführt wird. #NichtEgal ist eine gemeinsame Initiative von YouTube, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), Klicksafe, Medienblau und Digitale Helden, die für ein gutes Miteinander auf YouTube und darüber hinaus kämpft. Zusammen mit unabhängigen medienpädagogischen Partnern werden Schülerinnen und Schüler in Workshops deutschlandweit zu Expertinnen und Experten für Toleranz und Demokratie im Netz ausgebildet.

Als medienpädagogische Partner war in Otterndorf das dreiköpfige Team von Juuuport (www.juuuport.de) zu Gast, eine Online-Beratungsstelle von Jugendlichen für Jugendliche. Auch, wenn es um das Thema Cybermobbing geht. Die Beratung läuft anonym und kostenlos.

Erst denken, dann posten

"Wir wollen den Schülern zeigen, wie wichtig eine respektvolle Kommunikation im Netz ist, was tolerantes Miteinander bedeutet und bewirken, dass sich die Jugendlichen ganz bewusst damit auseinandersetzen, welche Wirkung Hasskommentare auf denjenigen haben können, der sie bekommt", erklärt Olaf van Hall von Juuuport. "Wir wollen die Jugendlichen dazu bringen, dass sie nachdenken, bevor sie etwas posten, was unter Umständen verletzend für einen anderen sein könnte. Auf der anderen Seiten, möchten wir sie aber auch dazu animieren, selbst aktiv zu werden, wenn sie Hasskommentare im Netz lesen, und etwas dagegen unternehmen", fügt Leonie Ripke von Juuuport hinzu. Das geht zum Beispiel, indem man User und Kommentare auf der Plattform meldet, eine Person blockiert, oder aber in einem respektvollen Ton auf einen Kommentar eingeht.

Verletzende Kommentare

In der vergangenen Woche hatte das Juuuport-Team dazu über 30 Otterndorfer Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge neun bis elf zu sogenannten Mentoren ausgebildet und sich intensiv mit dem Thema Cybermobbing auseinandergesetzt. "Viele machen sich keine Gedanken darüber, was sie da posten und dass sie damit vielleicht jemanden verletzen könnten", kritisiert der 16-jährige Marvin Mangels.

Das Problem: Das Netz ist anonym. Ein Kommentar wie "Du bist hässlich", ist schnell geschrieben. "Ich habe so etwas auch schon öfter mal im Internet gelesen, aber immer weggeschaut", gesteht die 15-jährige Mette Zahrte. "Aber wenn ich jetzt etwas lese, würde ich es auf jeden Fall melden."

Videos mit Botschaft

Das Ziel des Projektes war es, nicht nur über das Thema Cybermobbing aufzuklären, sondern die Schüler selbst Kurzvideos mit ihren Smartphones drehen zu lassen. Diese sollten die klare Botschaft haben: Geht respektvoll und tolerant miteinander um.

Die Mentoren legten vor und vermittelten nun, eine Woche später, den Schülern der siebten und achten Klassen, was sie gelernt hatten. "Auf Augenhöhe, das war uns gerade bei diesem Thema ganz wichtig", so Schulleiterin Marlies Reinke. "Die Jugendlichen sind selbst viel näher am Thema dran. Dadurch können sie vieles noch besser vermitteln und anderen Schülern die Scheu nehmen, über das Thema zu reden."

Schüler schulen Schüler

Gemeinsam mit den Mentoren produzierten die Jugendlichen insgesamt fünf kurze Videos, von denen einige in Kürze unter dem Hashtag (#) NichtEgal auf Youtube zu sehen sein werden.

In der Gruppe der Klasse 8a war unter anderem die 12-jährige Helena Kietzmann. Sie findet: "Es ist schlimm, dass es so viel Hass im Netz gibt. Die Leute haben keine Hemmschwelle und beleidigen einfach nur. Wieso kann man Kritik nicht höflich äußern und jeden Menschen so respektieren, wie er ist? Ich bin für mehr Liebe im Internet."

Dem stimmte auch ihr Bruder Bennet zu. "Vielen Leuten ist einfach nur langweilig oder sie sind neidisch und posten deswegen gemeine Sachen. Wichtig ist aber, dass man sich nicht alles, was da geschrieben wird, zu Herzen nimmt. Am besten, man lacht darüber und schreibt einen sachlichen Kommentar. Damit nimmt man den Hatern den Wind aus den Segeln."

Genau das zeigten die Schülerinnen und Schüler in ihren Videos und setzten damit ein klares Zeichen für Respekt und Toleranz.

Cybermobbing

Die JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest erforscht seit 1998 den Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information. Auch das Thema Cyber-Mobbing wird dabei immer wichtiger.

In der Gruppe der 12- bis 19-Jährigen geben 37 Prozent an, dass in seinem Bekanntenkreis schon einmal jemand im Internet oder per Handy "fertiggemacht" wurde.

Die neue Studie "Grow Up Digital" hat außerdem herausgefunden, dass heute fast jedes zehnte Kind zwischen 13 und 17 Jahren von Cybermobbing betroffen ist.

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