Rosa-Pelikan und Storch gemeinsam in einem Nest: Jörg Staiger schoss die Fotos in Lüdingworth. Foto: Jörg Staiger
Rosa-Pelikan und Storch gemeinsam in einem Nest: Jörg Staiger schoss die Fotos in Lüdingworth. Foto: Jörg Staiger
Tierwelt

Seltener Pelikan: Deshalb ist der exotische Vogel in Cuxhaven

30.08.2019

LÜDINGWORTH. Der in einem Storchennest in Lüdingworth gelandete Pelikan ist offenbar auf einer größeren Erkundungstour in Norddeutschland unterwegs. Experten geben einen Überblick.

"Ich glaube, den kennen wir", sagte Lars Lachmann, Ornithologe beim Nabu. Es handele sich wahrscheinlich um einen Vogel, der erstmals im Juni in Schleswig-Holstein, später auch schon im niedersächsischen Leese gesichtet worden sei.

Wie unsere Zeitung berichtete, gelang es unserem Leser Jörg Staiger am Mittwoch, den außergewöhnlichen Gast mit dem ausgeprägten Kehlsack im Lüdingworther Ortsteil Köstersweg zu fotografieren.

Rosa-Pelikan aus Donau-Delta

Experte Lachmann erklärte, es handele sich um einen Rosa-Pelikan. Mitunter, so Lachmann, komme es vor, dass Rosa-Pelikane aus Zoos oder Tierparks flüchteten. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit stamme der Pelikan in Lüdingworth aber aus dem Donau-Delta am Schwarzen Meer. Lachmann erkennt in ihm einen Jungvogel, der im vergangenen Jahr geschlüpft sein dürfte. Dafür spreche das Federkleid. 

Zu viel Rückenwind?

Wahrscheinlich sei er bei der Rückkehr aus seinem Winterquartier in Südostafrika zu weit geflogen - über das Donau-Delta hinaus bis nach Norddeutschland. Hier habe ihn die Nordsee gestoppt - denn für seinen Flug benötige er genügend Thermik, die er über dem Meer nicht finde. Da die Gegend hier fischreich und das Klima derzeit erträglich sei, bleibe der Pelikan zunächst vor Ort. Er suche den Anschluss an die Störche, da er ein sehr geselliger Kolonie-Vogel sei. "Er ist nicht gern allein." Also suche er sich mit den Störchen diejenigen Vögel als Weggesellen aus, von denen er annehme, dass sie ihm am ähnlichsten seien.

Sichtung in Wanhöden

Auch in Wanhöden wurde am Mittwoch ein Pelikan gesichtet. Ob es derselbe Vogel ist, der sich in Lüdingworth aufhielt, ist nicht klar, aber wahrscheinlich. Wie Lachmann hält es auch Dr. Jochen Dierschke, Institut für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" (IfV) für möglich, dass der Pelikan zu einer kleinen Gruppe wilder Pelikane gehören könnte, die in diesem Jahr über Frankreich nach Europa gelangt ist. Vier Exemplare aus dieser Gruppe seien nach Deutschland weitergeflogen. Drei wurden im Raum Hannover gesichtet, einer sei über Schleswig-Holstein nach Skandinavien weitergeflogen und schließlich nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Zuletzt wurde er in Dithmarschen am 19. August gesehen. Es könne sich also durchaus um den oder die Pelikane handeln, der oder die jetzt in Wanhöden und Lüdingworth gesehen worden sind. 

Fotos auf Onlineportal

Ihre Vermutungen führen die Experten Lachmann und Dierschke auf aufmerksame Vogelbeobachter zurück, die ihre Sichtungen, zum Teil mit Fotos, auf dem Onlineportal Club300.de kundtun. Wanhödens Ortsheimatpfleger Jürgen Horeis berichtet, dass sich der in dem Ort aufgetauchte Fischfresser gut zwölf Stunden dort ausgeruht habe, ehe er wieder verschwunden sei. 

Hering für Pelikan?

Horeis spielte sogar kurz mit dem Gedanken, dem Vogel ein paar Heringe in Cuxhaven zu besorgen. Er verwarf die Idee aber wieder und rief stattdessen bei Udo Hilfers auf der Storchenpflegestation in Berne an. Schließlich hatte sich der Pelikan in unmittelbarer Nähe eines Storchennestes niedergelassen. Das Storchenpaar habe einen Nachzügler ausgebrütet, der noch nicht flügge sei. "Ich hatte Sorge, dass sich die Altstörche durch den Pelikan gestört fühlen könnten und sich verziehen", erklärte der Ortsheimatpfleger. Der langjährige Vogelfachmann beruhigte den Wanhödener. Es sei keine Gefahr im Verzug.

Nicht füttern

Vom Fangen oder gar Füttern gesunder Tiere rät der Storchenexperte genauso ab wie der Helgoländer Dierschke. Wer aber unsicher sei, sollte am besten einen Vogelexperten - etwa vom Institut für Vogelforschung auf Helgoland oder ebenso die Storchenstation in Berne - dafür zurate ziehen. Um das Wohlbefinden der für unsere Breiten eher exotischen Wildvögel müsse man sich derzeit keine Sorgen machen, sagt der Helgoländer Biologe Dierschke. Mit den hiesigen Klimabedingungen kämen die Pelikane gut zurecht. Probleme bekämen die Tiere erst in frostigen Wintern. (fw/ike)

Rosa-Pelikan: 

Der Rosa-Pelikan brütet in großen Kolonien an Seen und Flüssen oder Küsteninseln und Lagunen. Die Brutvorkommen reichen von Südosteuropa über Kleinasien bis nach Zentralasien und zum Westrand Indiens sowie über ganz Subsahara-Afrika. Die nördlichen Populationen überwintern vorwiegend in Afrika, die asiatischen zum Teil auch in Pakistan.

Der Rosa-Pelikan gehört zu den größten Arten der Gattung und ist merklich größer als ein Höckerschwan. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 226 und 360 Zentimeter Männchen erreichen eine Körperlänge von 175 Zentimetern und ein Gewicht bis 15 kg.

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