Petri-Jünger nicht in Illegalität drängen

30.04.2018

Niedersachsen-Ports verbietet das Angeln im Cuxhavener Hafen. Dazu ein Kommentar von Thomas Sassen.

Lange lief alles ganz ruhig ab. Kein Mensch störte sich an den wenigen Anglern im Cuxhavener Hafen. Warum auch? Sie stellten weder ein Problem für die Umwelt dar noch gefährdeten sie den Verkehr an Land und auf dem Wasser. Die Petrijünger waren gern gesehene Gäste und rundeten das Bild eines lebendigen Hafens ab. Hering, Butt, Aal, Wittling und sogar Dorsch konnten sie aus Hafen und Elbe fischen. Für viele leidenschaftliche Angler ein Anreiz, ein paar Urlaubstage in Cuxhaven zu verbringen. Die Touristiker wissen um diese Klientel, die sie in ihrer Werbung auch direkt ansprechen mit dem Versprechen, Cuxhaven sei ein Paradies für Angler. Ist es auch. Das bestätigen Insider. Sie behaupten sogar, es gebe an der Nordsee keinen besseren Platz für die Jagd auf Salzwasserfische, insbesondere den Hering.

Inzwischen ist die Gemeinde der Petri-Jünger aufgeschreckt. Einzelne sollen Bußgeldbescheide bekommen haben wegen illegalen Angelns im Hafen. Das hatte es bislang noch nicht gegeben. Obwohl das Angelverbot seit Jahren in allen niedersächsischen Häfen besteht, hatte sich bislang niemand darum gekümmert. Eine Kontrolle der Wasserschutzpolizei soll die Sache ins Rollen gebracht haben. Nachdem die Beamten Angler auf ihr Fehlverhalten hingewiesen hatten, sollen sich die Angesprochenen auf ihr vermeintliches Recht berufen haben und frech geworden sein. Das ließen sich die Beamten nicht gefallen und so kam es zum ersten Bußgeldverfahren, das vom Hafenkapitän in Gang gesetzt wurde, der in diesem Fall hoheitliche Rechte wahrnimmt.

Was kann man aus diesem Fall lernen? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Man könnte darauf vertrauen, dass die Aufregung bald vergessen ist und man wieder zur alten Tradition zurückkehren kann. Oder Stadt und N-Ports machen sich Gedanken über eine einvernehmliche Lösung im Sinne der Cuxhavener und der Gäste.

Es wäre doch schade, wenn die Stadt am Meer ihr Alleinstellungsmerkmal als Heringshochburg an der Nordsee nicht vermarkten könnte. Da ist viel Potenzial, wie am Beispiel der Stadt Kappeln abzulesen ist. Die Schleistadt lockt Tausende Angler im Jahr an und feiert sogar einen Heringstag. Selbst in weiten Teilen des Hamburger Hafens ist das Angeln erlaubt. Da müsste doch ein Weg zu finden sein, dieses Freizeitvergnügen auch in Cuxhaven – wenigstens an bestimmten Plätzen im Hafen – zu ermöglichen.

Lesen Sie auch...
Kommentar zum Haushalt

Aktive Entwicklung der Otterndorfer Innenstadt

von Wiebke Kramp | 13.12.2018

Der Kirchplatz ist quasi die gute Stube Otterndorfs. Das dort beheimatete Traditions-café Brüning zu pachten, ist genau die richtige Entscheidung der Stadt. In mehrfacher Hinsicht: So wird Leerstand an exponierter Stelle ebenso vermieden wie die Ansiedlung von Telefonläden, Ein-Euroshops oder Imbissen.

Kommentar zur Sparkasse

Filialschließungen: Niedergang des ländlichen Raumes?

von Egbert Schröder | 12.12.2018

Das ist natürlich ein Schlag ins Kontor für einige Dörfer: Die Weser-Elbe-Sparkasse schränkt ihre Dienstleistungen in vielen Gemeinden ein.

Kommentar zum Trainerwechsel

Die Baskets machen den Bock zum Gärtner

von Frank Lütt | 06.12.2018

Die Cuxhaven Baskets geraten in eine finanzielle Schieflage und Entscheidungen müssen getroffen werden. Neben dem Insolvenzantrag ist die richtungsweisendste Handlung die Trainerentscheidung.

Kommentar zur Ärzteversorgung

Hausärzte im Cuxland: Nicht allein die Papierlage betrachten

von Wiebke Kramp | 29.11.2018

Zwischen Plan und Wirklichkeit klaffen manchmal Welten. Dass im Gebiet Cuxhaven-Steinau und Otterndorf die hausärztliche Versorgungsquote im Bedarfsplan bei annähernd 100 Prozent liegt, dürfte bei den dort praktizierenden Medizinern für Verblüffung sorgen.