Ein Publizist, der Debatten stiftet: Henryk M. Broder. Foto: red
Politik

Publizist Henryk M. Broder kommt nach Otterndorf

von Christian Mangels | 01.08.2019

OTTERNDORF. Henryk M. Broder kommt zur Diskussionsveranstaltung nach Otterndorf. Der streitbare Publizist verzichtete 2018 auf den Voß-Preis.

Der Kolumnist und Publizist Henryk M. Broder wird im Herbst nach Otterndorf kommen. Das bestätigte das Otterndorfer Kulturbüro. Der genaue Termin sei aber noch nicht klar.

Die Diskussionsveranstaltung in der Medem-Stadt mit dem Publizisten war eigentlich schon für Juni geplant. Nach Auskunft des Kulturbüros hat sich der Termin aus "organisatorischen Gründen" in den Herbst verschoben: "Der Sommer ist schon so voll bei uns", sagt Julia Heuer, Kulturbeauftragte der Stadt.

Wie unsere Zeitung berichtete, sollte Broder den Johann-Heinrich-Voß-Preis 2018 der Stadt Otterndorf erhalten. Die geplante Auszeichnung rief jedoch Kritik hervor. Die SPD und die Grünen empörten sich über Broders "provokante Aufzeichnungen und Verunglimpfungen nationaler wie internationaler Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Medien" und lehnten die Entscheidung der Jury ab. Auch aus der Bevölkerung gab es Kritik an der Preisträger-Wahl. Broder verzichtete daraufhin auf den Voß-Preis. Seinen Kritikern warf er eine "Schmutzkampagne" vor. Er betonte aber auch, dass er sich der Diskussion in Otterndorf stellen wolle. Der 1946 in Polen geborene Broder schrieb von 1995 bis 2010 hauptsächlich Kolumnen und Polemiken für das Magazin Der Spiegel und für die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel. Seit 2011 ist er für Die Welt und die Welt am Sonntag tätig. Seine Werke "Hurra, wir kapitulieren!" und "Das ist ja irre! Mein deutsches Tagebuch" sind Bestseller. Broder ist Mitbetreiber sowie Autor des Blogs "Die Achse des Guten". Broder bekennt gern Farbe, teilt auch mal aus - und ist für seine streitbaren Standpunkte bekannt.

Der Verzicht des Publizisten auf den Voß-Preis warf die Frage auf, wie es um die Zukunft dieser Auszeichnung bestellt ist. Die politischen Parteien plädieren für eine Fortsetzung. Ursula Holthausen, Otterndorfer SPD-Fraktionsmitglied, regte an, über die Kriterien des Preises und "mehr Transparenz des Auswahlgremiums" nachzudenken. Hans-Volker Feldmann (CDU), Vorsitzender des Otterndorfer Kultur- und Sportausschusses und Mitglied der Voß-Preis-Jury, setzt auf eine Fortsetzung der Jury-Arbeit mit den bisherigen Einrichtungen und Institutionen.

Der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur und Politik wurde von der Stadt Otterndorf, der Niederelbe-Zeitung und der Kultur-Stiftung der Weser-Elbe Sparkasse ins Leben gerufen und wird alle drei Jahre verliehen. Die Auszeichnung ehrt "Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich um Humanismus, Aufklärung, Menschlichkeit und Freiheit verdient gemacht haben". Sie ist mit 10 000 Euro dotiert. Sinn und Zweck des Voß-Preises ist es, an das Lebenswerk des Literaten und Homer-Übersetzers der Goethe-Ära zu erinnern, der von 1778 bis 1782 als Rektor der Lateinschule in Otterndorf wirkte. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Schriftsteller Peter Rühmkorf, der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker oder auch der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher.

Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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