CNV-Geschäftsführer Ralf Drossner (l.) mit den Machern der "Regio-Deals", Nils Oetjen, Erck Struwe (auf dem Bildschirm) und Dennis Miller (v.l.), die gemeinsam die App "Deich-Deals" auf den Markt gebracht haben, ein regionales Rabatt-Portal, das zum Ziel hat, die Beziehung zwischen dem lokalen Handel im Landkreis Cuxhaven und ihren Kunden zu stärken. Foto: Rohde
Bundesweit einmalig

Rabatt-App "Deich-Deals" für Kreis Cuxhaven: "Lokalen Kreislauf in Gang halten"

von Ulrich Rohde | 18.09.2020

KREIS CUXHAVEN. Das regionale Rabatt-Portal "Deich-Deals" ist vor einigen Tagen an den Start gegangen. Anbieter können ihren Kunden auf der Plattform Coupons für Waren und Dienstleistungen anbieten.

Die Kunden können sich über diese "Deals" informieren, wenn sie die App auf ihr Smartphone geladen haben. Diese Form des digitalen Couponings für einen regionalen Markt mit Teilnehmern aus unterschiedlichsten Branchen - vom Einzelhändler über den Gastronomen bis hin zum Dienstleistungsunternehmen - ist bundesweit bislang einmalig. Mit den Erfindern der "Deich-Deals", den Betreibern des Start-Up-Unternehmens "Regio-Deals", Dennis Miller, Nils Oetjen und Erck Struwe sowie mit Ralf Drossner, dem Geschäftsführer der Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft, die die an dem Portal beteiligt ist, sprach CN/NEZ-Redaktionsleiter Ulrich Rohde.

Wie ist die Idee für die "Deich-Deals" entstanden?

Miller: Wir sind beide Verlagsmenschen. Wir kommen beide aus derselben Verlagsumgebung. Wir waren in den letzten Jahren zunehmend damit beschäftigt, wie in Verlagen die digitale Transformation funktionieren kann. Wir haben uns dann mit Formaten beschäftigt, zum Beispiel, ob wir für den regionalen Einzelhandel etwas tun können. Etwa für den Bereich Couponing. In dem Zuge haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie die das Marktgeschehen ist. Beides zu kombinieren, schien uns als sehr guter Ansatz, mit diesem Thema weiterzumachen und zu schauen, wie man mit mobilen Endgeräten etwas für den Einzelhandel tun kann.

Oetjen: Und das bewusst außerhalb der Verlagsstrukturen. Wir wollten schnell und agil sein und den Mut haben, eine eigene Idee in die Tat umzusetzen. Wir haben dann die Geschäftsidee des mobile Couponings immer weiter entwickelt. Es hat dann konkretere Formen angenommen. Wir haben ein Mock up für das Handy aufgebaut, um zu sehen wie so etwas einmal aussehen könnte. Welche technischen Anforderungen haben wir? So ist das Grundkonstrukt entstanden. Das wichtigste war, wie wir das Ganze technisch umsetzen können. Und so ist Erck Struwe dazugekommen. Und dann fehlte nur noch die vierte Komponente, nämlich ein Partner, mit dem man das Projekt vertrauensvoll am Markt umsetzen kann. Das ist dann das nächste Gespräch mit Ralf Drossner gewesen. Das war der Startschuss, wo wir gesagt haben, das ist ein gutes Konzept, eine Geschäftsidee, wir habe einen Partner. Jetzt konnten wir in die technische Umsetzung gehen.

Struwe: Ich konnte mir nicht so recht vorstellen, wie die App in der Verlagswelt ankommen würde. Mich hat dann überzeugt, dass wir so schnell Kontakt zu Cuxhaven hergestellt haben und dass Ralf Drossner und sein Führungsteam ziemlich angetan waren von der Idee.

Was hat Sie, Herr Drossner, von den DeichDeals überzeugt?

Drossner: Mich hat überzeugt, dass es eine Idee ist, die es so im deutschen Markt noch nicht gibt. Auch dass die drei wie ein Start Up agieren, entsprechend ihrer Kompetenzen breit aufgestellt sind. Jetzt geht es darum, die App in den Markt zu bringen. Und da bietet es sich für ein transformierendes Medienhaus natürlich an, ein solches Produkt bei uns zu etablieren. Und da darf man aus meiner Sicht auch nicht lange überlegen, wenn man davon überzeugt ist.

Welche Vorteile erwerben die Businesspartner und die Verbraucher durch die App?

Miller: Die Endkunden haben durch die App erst einmal den großen Vorteil, dass sie möglichst viele regionale Angebote digital sichtbar und verfügbar erhalten. Mit dem Smartphone hat man die mobilen Coupons, die Deals, praktisch immer in der Tasche dabei, ein Riesenvorteil. Mir geht‘s selber so, dass ich immer wieder Coupons zu Hause oder im Auto liegen lasse. Ich stehe dann beim Bäcker, soll den Brot-Coupon einlösen und ich habe ihn zum dritten Mal nicht dabei und kaufe das Brot im Zweifel so. Regionale Angebote auf dem Smartphone verfügbar. Das gibt es in dieser Form noch nicht, in der regionalen Durchdringung sowieso nicht. Und für die Händler ist der Vorteil folgender: Noch nicht jeder hat eine eigene Webseite. Und selbst wenn er eine Präsenz im Internet hat, hat er nicht unbedingt die Instrumente, Menschen digital in sein Geschäft zu bringen. Wir bieten den Unternehmen Reichweite in Kombination mit der Kooperation mit dem Verlag. Und wir haben ein System entwickelt, dass durch die erzielte Reichweite, das Couponing, den Einlöseprozess Menschen dazu animiert werden, in die Geschäfte zu gehen und dort einzukaufen. Das ist unser großes Ziel.

Warum ist noch niemand vorher auf das Thema mobiles Couponing gekommen?

Miller: Es gibt verschiedene Anbieter, Ketten und so weiter, die so etwas bereits auf ihren Seiten betreiben oder sich darin ausprobieren, auch international. Aber es gibt nicht im entferntesten einen Ansatz, der es bisher geschafft hat, regional in die Marktdurchdringung zu kommen und regionale Akzeptanz und Wirkung zu erzielen. Es fehlt das Vertriebsnetz vor Ort, das wir aber haben mit dem Verlag. Wir haben nicht nur die Reichweite, auch den Außendienst mit dem Verkauf, all das, was ein Verlag bietet, das ist natürlich ganz viel wert. Die Besonderheit an unserem Modell ist das mobile Couponing in Kombination mit einem regional reichweitenstarken Unternehmen.

Drossner: Wir waren immer Werbedienstleister für den Einzelhandel. Und sehen in dem Portal jetzt die Möglichkeit, diese Werbedienstleistung digital zu transformieren. Denn der Einzelhandel hier in Cuxhaven aber auch woanders hinkt ziemlich hinterher. Alle sind auf ihre stationären Geschäftsbetriebe ausgerichtet. Auf der Plattform können sich alle wiederfinden. Das sehen wir als unseren Auftrag. Bei den Partnern, die wir schon vorab mit ins Boot geholt haben, stellen wir fest, dass ein einen Bedarf gibt. Das Portal kam bei den Vorstellungen überall gut an. Für uns gilt, dass wir, nach der Tageszeitung, mit dem Portal ein Produkt anbieten, das die gleiche Leistung erbringt wie heute die Printanzeige.

Wie kompliziert ist es, einen Deal, also einen Coupon auf dem Portal zu platzieren?

Miller: Unser Modell beruht auf Einfachheit. Wir wollen, dass es für die Händler wie für die Kunden einfach zu bedienen ist. Man kann Coupons innerhalb von zwei Minuten einstellen. Wir haben festgestellt, dass die digitale Affinität bei den Händlern sehr unterschiedlich ist. Wir bieten etwas, das eine sehr niedrige Einstiegshürde hat. Es ist auch sehr einfach in der Bepreisung. Es gibt nur drei Angebotsformen, ein überschaubares Preismodell. Wichtig ist auch: Die Hoheit bei den Transaktionen verbleibt beim regionalen Händler. Im Geschäft wird das Geld auf den Tisch gelegt oder mit der EC-Karte gezahlt. Wir sind nicht am Umsatz des Händlers beteiligt. Ziel ist es ja, dass der regionale Handel aktiver wird, mehr digitale Werbung zu schalten. Dazu soll unser System anregen.

Oetjen: Mit dem System können innerhalb von zwei, drei Minuten schnelle Werbeimpulse gesetzt werden.

Der Händler schließt bei Ihnen ein Abonnement ab und kann dann eine bestimmte Menge an Deals einstellen.

Miller: Je nach Tarif kann er flexibel Deals einstellen. Wichtig für das Portal ist Dynamik. Wir brauchen viele regionale Angebote. Dann ist es attraktiv für den regionalen User. Wir müssen die Balance schaffen zwischen vielen attraktiven Angeboten und vielen Usern. Dann haben wir eine gute Chance, dass sich das Portal dauerhaft etabliert.

Wie hat die Gestaltung des Portals technisch funktioniert?

Struwe: Es war natürlich wichtig, dass diese Anwendung zu den Endgeräten gut funktioniert. Zum einen muss es beim Kunden, der das Portal mobil nutzt, gut aussehen und funktionieren, zum anderen beim Händler, der sich im Backend, dem geschützten Händlerbereich, wahrscheinlich über einen Desktop-PC einloggt. Das war die größte technische Herausforderung, eine Anwendung zu schaffen, die auf allen möglichen Endgeräten funktioniert. Bei modernen Webprojekten hat man immer diese Anforderung, weil Mobiltelefone inzwischen den überwiegenden Anteil am Traffic haben.

Miller: Bei der Gestaltung des Portals haben wir auch die bereits vorhandenen Projektpartner mit einbezogen, um die Handhabbarkeit, Optik und Preise im Sinne der Händler und Nutzer zu optimieren. Wir haben sehr viel Feedback bekommen und haben das in den vergangenen Wochen und Monaten mit einfließen lassen. Couponing ist international mittlerweile eine der relevantesten Vermarktungsformen. In den USA werden jährlich über 4 Milliarden Dollar über Couponing umgesetzt. Da hinkt Deutschland ein bisschen hinterher. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass es bis 2001 das Rabattschutzgesetz gab. Aber das Couponing war für uns von Anfang an gesetzt, weil wir auf Response setzen und weg von Imagewerbung wollen.

Welches langfristige Ziel verfolgen Sie mit Deich-Deals?

Oetjen: Das Interesse muss es ja sein, dass die Menschen in die Städte zum Shoppen kommen, um den lokalen Kreislauf in Gang zu halten. Wenn ich in ein Geschäft gehe, weiß ich, der Inhaber ist vor Ort, zahlt hier seine Steuern, gibt sein Geld, das er verdient, auch hier aus. Mit Deich-Deals wird sich nicht alles in diese Richtung weg vom Online- und hin zum stationären Handel hin entwickeln. Aber es soll ein Ansatz sein, sich mit diesem reichweitenstarken Instrument gegen den Trend zu wehren. Damit kann jeder Partner seinen Beitrag dazu leisten, die Menschen wieder verstärkt in die Geschäfte zu holen.

Miller: Jeder Händler kann dazu beitragen, indem er das Portal nutzt. Bis Ende des Jahres ist die Nutzung des Portals für die Händler kostenfrei, um das Portal möglichst viel zu testen. Deswegen sind wir dankbar, dass das Medienhaus sich entschieden hat, diese digitale Medialeistung bis zum Jahresende für die Region kostenfrei anzubieten. Wir verzichten auf sämtliche Umsätze. Das ist ein Riesenpfund für die Region.

Gibt es eine Tarif-Staffelung bei den "Deich-Deals?

Oetjen: Wir haben im Augenblick drei Tarife: Bronze, Silber und Gold. Der Goldtarif bietet 52 Deals pro Jahr, jede Woche ein Deal. Wir bieten in der Kostenlos-Phase zwei Deals pro Woche an, damit jeder, der kostenlos registriert ist, in diesem Platin-Tarif, den es noch gar nicht offiziell gibt, seine Deals kommunizieren kann. Das ist schon sehr großes Marketing, das da zur Verfügung gestellt wird.

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Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

urohde@no-spamcuxonline.de

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