Baumfrevel oder Verkehrssicherungspflicht? Grünen-Politiker Ralf Poppe aus Harsefeld ist schockiert. Foto: Poppe
Sicherheit im Bahnverkehr

Radikaler Baumschnitt im Kreis Stade: Anzeige gegen EVB

08.11.2019

KREIS STADE. Für die einen sieht es nach freigeschnittener Bahnstrecke aus, für die anderen nach einem Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Die Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) haben an Bäumen im Bereich Ruschwedel zur Bahnstrecke hin alle Äste gekappt.

Die Bäume "verstümmelt", nennt es Ralf Poppe. Er habe beim Landkreis Stade Anzeige erstattet, teilte der Harsefelder mit. "Wie viele Jahrzehnte reichten die Äste der Bäume über die Gleise, ohne dass der Bahnverkehr beeinträchtigt war?", fragt Poppe, der quasi täglich an diesem Streckenabschnitt mit dem Rad entlangfährt. Er hat mit Fotos alles dokumentiert, "damit die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und diese Art der ,Baumpflege‘ endlich aufhört", heißt es auf der Facebook-Seite des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen. Ralf Poppe ist Grünen-Fraktionsvorsitzender im Rat des Fleckens Harsefeld und Sprecher des Grünen-Kreisverbands. Die Fotos stammten vom Abschnitt Ruschwedel in Richtung Harsefeld, so Ralf Poppe.

Selbstverständlich müsse die Bahn den sogenannten Regellichtraum freihalten und regelmäßig schauen, ob abgestorbene Äste entfernt werden müssen, heißt es weiter in der Argumentation. Aber: "Die Bäume wurden schwer beschädigt." Das dürfte nicht durch die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung und schon gar nicht durch die ZTV-Baumpflege 2017 gedeckt sein. Viele Bäume dürften sich von dem Schnitt in dieser Form nicht erholen, meint Ralf Poppe.

Auf Nachfrage des Stader Tageblatts äußert sich die EVB zu dem Vorfall: "Die Vegetationsrückschnittarbeiten an der Eisenbahnstrecke zwischen Harsefeld und Ruschwedel finden in Absprache mit dem Landkreis Stade statt", heißt es in der schriftlichen Reaktion. Die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe kämen mit den Arbeiten ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Durchführung eines sicheren Eisenbahnbetriebs nach. Der sogenannte Sechs-Meter-Schnitt, bei dem Äste und Bäume in diesem Abstand zu den Gleisen entfernt werden, sei Auflage der Eisenbahnaufsichtsbehörden und entspreche einer Durchführungsvereinbarung zwischen dem Land Niedersachsen und den Eisenbahninfrastrukturunternehmen.

Arbeiten von Fachfirma

"Die Arbeiten werden von einer Fachbaufirma (Forstbetrieb) durchgeführt, die auch für die Deutsche Bahn AG Rückschnittarbeiten durchführt. Die Standsicherheit wird vom Bauleiter der Firma bei jedem Baum individuell bestimmt", heißt es weiter.

Die Vegetationsarbeiten werden außerhalb der Brut- und Nistzeit von Oktober bis Februar ausgeführt, sie bedürften deshalb keiner formalen Genehmigung, "da wir unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen". Da es immer wieder zu Zugausfällen und Unfällen kommt, weil umgestürzte Bäume Strecken blockieren, hatte auch die Deutsche Bahn AG schon nach Schäden durch schwere Stürme im Jahr 2018 mehrere Tausend Bäume im Kreis Stade fällen lassen. Anwohner beschwerten sich, Pendler waren erleichtert.

"Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass der regelmäßige Rückschnitt der Aufrechterhaltung eines sicheren Bahnbetriebes insbesondere bei sogenannten Extremwetterlagen dient", heißt es vonseiten der EVB.

Der Rückschnitt der Bäume senke das Risiko von Betriebsausfällen wie zum Beispiel bei Herbststürmen. Je weniger Bäume oder Äste im Gleis bei Stürmen oder nassem Schnee landeten, "desto besser ist es für einen reibungslosen Ablauf des Bahnbetriebes im Sinne der Fahrgäste, die pünktlich ans Ziel kommen möchten".

Von Miriam Fehlbus

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