Aus dem stellgelegten AKW Brunsbüttel soll ungefiltert radioaktives Kühl- und Abwasser in die Elbe eingeleitet werden. Foto: Christian Charisius/dpa
Radioaktive Einleitungen

Region gerade noch rechtzeitig aufgewacht

von Ulrich Rohde | 19.12.2018

Der Betreiber des Atomkraftwerkes Brunsbüttel möchte radioaktiv belastete Abwässer in die Elbe einleiten. Auch auf der niedersächsischen Elbseite hat sich massiver Widerstand gegen diesen Plan formiert.

Wäre es nicht beinahe zufällig bekannt geworden, hätte diesseits der Elbe wohl kaum jemand davon Notiz genommen, was der Energieriese Vattenfall da auf der anderen Seite des Flusses vorhat. Über Jahre hinweg will er die Elbe und ihre Anrainer mit radioaktivem Abwasser belasten. Das ist skandalös, erst recht, weil es längst Filtersysteme gibt, die nach dem neuesten Stand der Technik verhindern, dass die Umwelt derart verseucht wird.

Tatsächlich war der Antrag des Betreibers des seit elf Jahren stillgelegten Atomkraftwerks in Brunsbüttel per amtlicher Bekanntmachung schon im September öffentlich. Die Antragsunterlagen in öffentlicher Auslegung schlummerten still in den Rathäusern zwischen Cuxhaven und Stade vor sich hin. Deren Brisanz war offenbar niemandem aufgefallen.

Ein Unternehmen baut ein Kraftwerk zurück, was ja erst mal gut ist, und muss dazu jährlich 10 Millionen Kubikmeter Kühl- und Abwasser einleiten, das dummerweise ein bisschen krebserregendes und genveränderndes Plutonium, Strontium und andere strahlende Stoffe enthält, die freigesetzt in die Nahrungskette gelangen und die Gesundheit vieler Menschen gefährden können. 185 Milliarden Becquerel (die Maßeinheit für Strahlung) werden dabei pro Jahr freigesetzt, weil das Unternehmen, das mit dem Atomkraftwerk kein Geld mehr verdienen kann, zu geizig ist, um Filter einzubauen. Und das bekommt niemand mit? Zum Glück doch, gerade noch rechtzeitig, um eine Welle der Empörung in der Bevölkerung loszutreten und auch die Politik in Alarmzustand zu versetzen.

In ein paar Tagen gut 4400 schriftliche Einwendungen zu sammeln und eine Online-Petition auf die Beine zu stellen, die schon mehr als 2000 Menschen unterzeichnet haben, das ist in der kurzen Zeit ein bemerkenswertes Resultat für eine spontan gebildete Bürgerinitiative, die ihren Ursprung in der Otterndorfer Energiegenossenschaft hat. Sie hat gezeigt, was bürgerschaftliches Engagement bewirken kann. Die politischen Gremien in der Region haben den Ball aufgenommen und mit Resolutionen und Anfragen an die Umweltministerien in Hannover und Kiel den Druck verstärkt.

Die Genehmigungsbehörde wird sich nun mit einer Vielzahl an Einwendungen zu beschäftigen haben. Mein nicht allzu gewagter Tipp ist, dass sich niemand finden wird, der den Plänen von Vattenfall etwas Positives abgewinnen kann. Ich bin deshalb einigermaßen zuversichtlich, dass es gelingen wird, den Konzern in die Schranken zu weisen und den Irrsinn zu verhindern.

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Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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