Requisiten aus Hemmoor: Maßarbeit für Welt-Bühnen
HEMMOOR. Eine Renommierte Requisiten-Werkstatt des Kanadiers Matt Piché befindet sich in Hemmoor - Aufträge für Musicals, Promis und Shows
Er hat den Astronautenhelm geschaffen, mit dem Udo Lindenberg während seiner "Stark wie Zwei"-Tour auf die Bühne schwebte. Der mit Swarovski-Steinen besetzte Tanzstock von Schlagersängerin Helene Fischer stammt ebenso von ihm wie viele Masken der Darsteller des Musicals "König der Löwen": Der Kanadier Matt Piché hat sich als Requisitenbauer deutschland- und europaweit einen Namen gemacht. Vor gut zwei Jahren ist er mit seiner Werkstatt "prop-art" von Hamburg nach Hemmoor umgezogen.
Hier werden seitdem handgefertigte Theaterrequisiten, XXL-Produktnachbildungen, maßgeschneiderte Designelemente, Masken, Kostümteile, Dummies und Set-Dekorationen hergestellt, die anschließend zum Beispiel nach Barcelona, Moskau oder Australien verschickt werden.
Weshalb sich der 45-Jährige ausgerechnet Hemmoor als neuen Standort ausgesucht hat, ist schnell erzählt. 2017 kaufte sich der ebenso weit gereiste wie kreative Unternehmer in der Samtgemeinde Hemmoor ein Wochenendhaus mit großzügigem Grundstück, um hier zu entspannen.
Kreativ unter Kuppeldecke
Im September 2018 habe er mitbekommen, dass das ehemalige Fitnessstudio in Basbeck zum Verkauf stand. Im darauffolgenden Dezember sei er bereits der neue Eigentümer geworden, sagt er und erklärt auch warum: Das Gebäude, das einst auch ein Kino beherbergt hat, sehe nicht aus wie eine Industriehalle, sondern habe - auch wegen einer bestehenden Kuppeldecke - einen besonderen Charme. Außerdem müsse er nicht unbedingt in einer Großstadt arbeiten, weil seine Kunden ohnehin aus ganz Deutschland und dem Ausland stammen.
Spezialisten im Einsatz
Ein weiterer Vorteil für ihn ist, dass er viel mehr Platz hat, als im vorherigen Domizil in Hamburg-Wandsbek. Auf nunmehr rund 700 Quadratmeter Fläche verteilt sich die Werkstatt, die in verschiedene Abteilungen gegliedert ist. Es gibt eine Schneiderei, eine Polsterei, eine Schaumstoff-Sektion, außerdem Holz-, Lack- und Metall-Bereiche.
Allerdings: Geschneidert werden keine normalen Kleider oder Hosen, sondern dreidimensionale Objekte. Und in der Holzwerkstatt werden keine Türen und Fenster gezimmert, sondern beispielsweise Antik- und Designmöbel-Nachbildungen für die Bühne. Normale Handwerker, die allein ihr Fachgebiet beherrschen, sind als Mitarbeiter deshalb bei "prop-art" eher fehl am Platz. Wer hier arbeitet, der müsse zusätzlich künstlerisch denken können und besondere Qualifikationen mitbringen, sagt Matt Piché.
Das fünfköpfige Kern-Team vor Ort werde je nach Auftragslage durch bis zu zehn freie Mitarbeiter ergänzt, meist durch routinierte Spezialisten, die extra aus Berlin, Hamburg oder Hannover anreisen und auf Projektbasis eingesetzt würden. Zudem sind einjährige Praktikanten aus dem Bereich Gestaltung mit von der Partie.
"König der Löwen" und Aida
Begonnen hat Matt Piché bereits als Jugendlicher mit dem Requisitenbau. Bei seinem ersten größeren Job arbeitete er für "Disney on Ice" in Toronto und war Teil eines Teams, das die Requisiten gebaut hat. Es folgten Einsätze für das Musical "Der König der Löwen" in Toronto und in Los Angeles, bis der Kanadier nach London umzog, wo er ebenfalls für das gleiche Musical arbeitete: Er war für die Reparaturen zuständig und begleitete auch die "Puppets" der Show.
Schließlich zog er nach Hamburg um, um hier den Aufbau des Musicals "König der Löwen" zu begleiten, das mittlerweile Millionen von Zuschauern begeistert hat. In Hamburg wurde Matt Piché lange sesshaft, gründete 2007 seine Werkstatt "prop-art" und zählte immer mehr Auftraggeber aus der Unterhaltungsbranche zu seinen Kunden.
So baute er diverse Requisiten für das Musical "Das Phantom der Oper", war für Maite Kelly und DJ Bobo tätig oder kreierte das Schildkröten-Kostüm für Schlagersängerin Andrea Berg. Auch AIDA Cruises zählt zu seinen Auftraggebern. Dazu engagiert er sich im Bereich Messe, Event und Sport und war schon für Audi, Hyundai, Tchibo oder auch das Kempinski Hotel im Einsatz. Die ganze kreative Energie entfaltet er mit seinem Team nunmehr seit zwei Jahren in Hemmoor.
Probleme durch Corona-Krise
Doch die Corona-Pandemie traf - wie die ganze Kulturbranche - auch den Requisitenbauer schwer. Seine Stammkunden aus den Bereichen Musical, Messen und Kreuzfahrtschiffe schlossen im letzten Frühjahr alle gleichzeitig den Betrieb. Von März 2020 an blieb deshalb auch "prop-art" sechs Monate lang komplett dicht.
Während dieser Zeit überlegte sich Matt Piché allerdings eine Erweiterung seines Portfolios und machte Werbung für die Gestaltung von Büro- und Empfangsräumen von Firmen - und das mit Erfolg. Denn er zog einen Auftrag von einer deutschlandweiten Supermarktkette an Land und arbeitet zusätzlich für kleinere Unternehmen.
Piché bleibt Optimist
Es scheint, als wenn es wieder anlaufen würde, zeigt sich Piché optimistisch. Allerdings wartet er bei den aufgeschobenen Musical-Aufträgen immer noch vergeblich auf ein "Go!".
Von Von Gaby Joppien
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