Für die deutschen Reeder ist der weitgehende Rückzug deutscher Banken aus der Schifffahrt gegenwärtig das größte Problem. Symbolfoto: Rohde
Statistik

Schifffahrt kommt nicht in ruhiges Fahrwasser

27.07.2019

HAMBURG. Für die deutschen Reeder ist der weitgehende Rückzug deutscher Banken aus der Schifffahrt gegenwärtig das größte Problem.

Bei einer Umfrage des Beratungsunternehmens PwC bei mehr als 100 Reedereien nannten rund drei Viertel der Befragten den Zugang zu guten Finanzierungen als größte Herausforderung, teilte PwC in Hamburg mit. Das waren weit mehr Unternehmen, als die aktuelle Marktlage und das Ratenniveau oder die Entwicklung der Weltwirtschaft und des Welthandels als Hauptproblem angaben.

"Die deutschen Banken waren zu Beginn der Schifffahrtskrise 2009 mit rund 110 Milliarden Euro in der Branche investiert", sagte der PwC-Schifffahrtsexperte Claus Brandt. "Das war weit mehr, als es dem deutschen Anteil am Welthandel entsprach." Heute hätten die deutschen Finanzinstitute ihr Engagement auf schätzungsweise 20 Milliarden Euro zurückgefahren. Speziell China habe die Finanzierung seiner Handelsflotte selbst übernommen.

Die Reeder müssten sich nach Finanzierungsquellen im Ausland umsehen. "Viele haben das auch schon getan, aber eben noch nicht genug", sagte Brandt. Weil die Reedereien nach der jahrelangen Branchenkrise immer noch niedrige Renditen erwirtschaften und mit höheren Betriebskosten rechnen müssten, sei auch bei ausländischen Kapitalgebern und Investoren der Zugang zu Kreditmitteln keineswegs einfach. Die Mehrzahl der Reedereien (53 Prozent) hat in den vergangenen zwölf Monaten Schiffe verkauft, auch um Finanzmittel zu mobilisieren.

Das knappe Investitionsbudget der Reedereien bremst auch der Umbau von Schiffen auf umweltfreundliche Antriebe. Die meisten Unternehmen billigen zum Beispiel verflüssigtem Erdgas (LNG) künftig eine wichtige Rolle als Treibstoff in der Schifffahrt zu. Tatsächlich aber ist noch nicht viel passiert; weltweit fahren nur 140 Schiffe mit LNG. Rund 79 Prozent der Reedereien sagen, die Umrüstung wäre ihnen zu teuer; für weitere 74 Prozent ist LNG nicht ausreichend in den Häfen verfügbar, die sie ansteuern. "Die Unternehmen können das nicht finanzieren", sagte Brandt.

Ohnehin ist die deutsche Schifffahrt nach einer kurzen Atempause fast schon wieder in den Krisenmodus zurückgekehrt. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der deutschen Reedereien rechnet zwar mit steigenden Umsätzen in den kommenden zwölf Monaten. Vor einem Jahr haben sich jedoch noch 74 Prozent der Reeder zuversichtlich geäußert. Die Entwicklung des Ladungsaufkommens wird zwar von einer Mehrheit noch positiv gesehen, doch bei der künftigen Entwicklung der Fracht- und Charterraten sind die Optimisten in der Minderheit. (dpa)

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