Projekt vor dem Aus

Schulverweigerer ohne "2. Chance"?

11.04.2013

KREIS CUXHAVEN. Längst hat der 14-jährige Philipp (Name geändert) aus Hemmoor die Lust an der Schule verloren. Seine Mitschüler redeten ihm ein, dass er eh nichts kann – bis er anfing, es selbst zu glauben. Vor dem heimischen PC wird er mit diesen Problemen nicht konfrontiert. Die Folge: Er schwänzt regelmäßig den Unterricht und bleibt zu Hause. Eigentlich ein Fall für den Sozialpädagogen Martin Ruttloff vom Projekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“. Doch so sehr seine Arbeit im Landkreis gelobt wird, so ungewiss ist auch ihre Zukunft.

Ruttloff ist seit vier Jahren an der Hemmoorer Osteschule und der Lamstedter Oberschule „Am Hohen Rade“ aktiv. Mit dem kreisweit einmaligen Programm „2. Chance“ möchte er die Schulabbrecherquote verringern und Jugendliche zurück ins Schulleben holen. Mit Hilfe von persönlichen Schüler- und Elterngesprächen, Familienberatungen aber auch gemeinsamen Erlebnissen gelingt es ihm, junge Schüler wieder zum Lernen zu motivieren.

Nach aktuellem Stand steht das Programm im Cuxland allerdings vor dem Aus. Die Förderung endet im September dieses Jahres. Bei den Schul- und Jugendhilfeausschüssen, die am Dienstag gemeinsam im Cuxhavener Kreishaus tagten, stand somit die Frage einer zukünftigen Finanzierung im Raum.

Von der guten Arbeit Ruttloffs zeigten sich nicht nur die Vertreter aus Politik und Verwaltung überzeugt. „Eine Einstellung dieses Projektes wäre untragbar“, bezog Kreiselternvertreter Wolfgang Pabel klar Stellung. „Wir haben es satt, dass immer wieder neue Projekte kommen und eingestampft werden – obwohl sie sehr erfolgreich sind.“ Jürgen Witt, Leiter der Hemmoorer Osteschule, setzte sich auf NEZ-Nachfrage ebenfalls für das Programm ein. „Ruttloff kümmert sich intensiv um die Schüler und ist hervorragend vernetzt“, sagte Witt. Die zahlreichen Erfolge würden für seine Arbeit sprechen. Ein Ende des Projektes wäre ein großer Verlust für alle Beteiligten.

Die CDU-Fraktion der Schul- und Jugendhilfeausschüsse beantragte am Mittwoch die Verlängerung der „2. Chance“. In diesem Zuge erhielt die Verwaltung den Auftrag, ein Finanzierungskonzept zu erarbeiten. Zudem sollten auch die Zahlen von Schulverweigerern anderer Schulen im Landkreis ermittelt werden. Die Ausschussmitglieder entschieden sich einstimmig für den Antrag.

Für Martin Ruttloff ist die Zukunft allerdings weiter ungewiss. „Ich würde gerne weitermachen“, so der 31-Jährige. „Allerdings schicke ich schon Bewerbungen für andere Stellen raus, da nicht mehr viel Zeit bis September bleibt.“ Klar ist: Das Netzwerk und das Vertrauen, das Ruttloff bei den Schülern über Jahre aufbaute, würde mit der Einstellung des Projektes „2. Chance“ ihren Wert verlieren.

Von Joël Grandke

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