Sichtung mit Seltenheitswert: Auf dem Weg zur Insel Baltrum haben Wanderer auf dem Wattboden den schwer zu erkennenden Nagelrochen entdeckt. Foto: Van der Meer/privat/dpa
Wattenmeer

Seltener Gast: Wanderer entdecken Nagelrochen im Watt

06.07.2020

BALTRUM. Das Wattenmeer war einst eine Kinderstube des Nagelrochens. Doch seit geraumer Zeit lässt sich der Fisch dort nicht mehr blicken. Nun wurde er wieder gesichtet.

Seltener Gast im Wattenmeer: Auf dem Weg zur Insel Baltrum haben Wanderer eigenen Angaben zufolge einen Nagelrochen entdeckt. In seiner mehr als 30-jährigen Tätigkeit in Ostfriesland habe er ein solches Tier zum ersten Mal gesehen, sagte Nationalpark-Wattführer Uilke van der Meer, der auch das Nationalparkhaus in Dornumersiel leitet. Nagelrochen (Raja clavata) gibt es im Wattenmeer laut Schutzstation Wattenmeer eigentlich seit etwa 1980 nicht mehr.Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Jahrelange Befischung

Die Art sei lange Zeit mehr oder weniger die häufigste Rochenart in deutschen Gewässern gewesen, wurde allerdings durch jahrzehntelange intensive Befischung und Beifang stark dezimiert, erklärte Christoph Stransky vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven. «In der gesamten Nordsee sehen wir allerdings seit ungefähr 10 Jahren einen stetigen Anstieg des Bestands.» Es sei durchaus möglich, dass der nun gefundene Nagelrochen ebenfalls ein Anzeichen zunehmender Bestandsgröße im deutschen Nordseebereich sei.

Gezielte Schutzmaßnahme nötig

Die Teilnehmer der Wattwanderung von Neßmersiel nach Baltrum sahen den schwer erkennbaren Rochen im flachen Wasser auf dem Wattboden. Der Fisch habe sich bestens angepasst an den Untergrund bewegt, sagte Wattexperte van der Meer. Er mahnte an: "Nur durch die Einrichtung größerer fischereifreier Zonen als gezielte Schutzmaßnahme könnte der Nagelrochen, der erst mit acht Jahren geschlechtsreif wird, ins Watt zurückkehren."

Wattenmeer als Kinderstube

Laut den Umweltschützern vom WWF gehörte der Nagelrochen noch Anfang des 20. Jahrhunderts zu den häufigsten Rochenarten der europäischen Meere. Das Wattenmeer sei früher eine Kinderstube des Rochens gewesen, heißt es im Artenlexikon der Organisation im Internet. Seinen Namen verdankt der Nagelrochen den zahlreichen charakteristischen Dornen auf der Körperoberseite. Um 1910 seien in Ostfriesland noch jährlich bis zu 18 000 Glatt- und Nagelrochen gefischt worden, heißt es von der Schutzstation. (dpa)

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.



Lesen Sie auch...
"Rettet das Cux-Watt"

Watt vor Cuxhaven: Bürgerinitiative lehnt Ausbaggerung als "völlig absurd" ab

von Ulrich Rohde | 15.06.2021

KREIS CUXHAVEN. Das Wattgebiet vor Cuxhaven soll ausgebaggert werden, wenn es nach den Plänen des Bundes geht. Das sagt die Bürgerinitiative "Rettet das Cux-Watt" dazu. 

Schutzengel an Bord

Motorboot brennt: Fehlalarm rettet Schiffbrüchigem in der Nordsee das Leben

von Redaktion | 14.06.2021

NORDSEE/ KREIS CUXHAVEN. Gleich mehrere Schutzengel hat ein Skipper am Freitagnachmittag auf der Nordsee gehabt. Sein Motorboot war in der Wesermündung in Brand geraten. Ihm blieb nichts anderes übrig, als nach seinem Notruf ins Meer zu springen. Ein Hubschrauber rettete den Mann aus dem Wasser.

Elbvertiefung

Kritiker: Bund "blufft" mit Konzept zur Lösung des Schlickproblems in der Elbe

von Ulrich Rohde | 12.06.2021

KREIS CUXHAVEN. Nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass der Bund bei der Entwicklung von Konzepten gegen die zunehmende Verschlickung in der Unterelbe die Fäden in die Hand nehmen will, melden sich die Kritiker zu Wort. Statt konstruktive Vorschläge zu machen, werde mit "Nebelkerzen" geworfen, so der Vorwurf von Umwelschützern.

Seenotretter im Einsatz

Helgoland: Mann stürzt nachts von Insel-Pier ins Meer

von Redaktion | 10.06.2021

HELGOLAND. Die Seenotretter der Station Helgoland der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben in der Nacht zu Donnerstag einen Mann aus dem Wasser gerettet.