Der deutsch-spanische Anlagenbauer Siemens Gamesa soll Teile Senvions übernehmen. Viele Arbeitsplätze fallen aber weg. Foto: Scheer
Windkraft

Siemens Gamesa und Senvion: 900 Arbeitsplätze weg?

16.09.2019

KREIS CUXHAVEN. Nach Tagen und Wochen der Unsicherheit lichten sich langsam die Nebel um die Zukunft des insolventen Windanlagenbauers Senvion.

Von den zuletzt noch 1400 Arbeitsplätzen in Deutschland werden voraussichtlich 900 wegfallen, und auch die übrigen 500 sind noch nicht gesichert. Der deutsch-spanische Anlagenbauer Siemens Gamesa soll Teile des Unternehmens übernehmen, wie Senvion am Montag in Hamburg mitteilte.

Dabei handele es sich um ausgewählte europäische Service- und Onshore-Segmente. Der Gläubigerausschuss habe einer entsprechenden Exklusivvereinbarung zugestimmt. Damit würden die Parteien nunmehr in die Schlussphase der Verhandlungen eintreten, die bis Ende September dauern könne. Die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern dagegen steht zum Jahresende vor der Schließung. Bereits in diesem Monat werden die ersten Kündigungen ausgesprochen.

Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) nannte den 26. September als geplanten Termin für die Unterzeichnung der Verträge. "Noch ist nichts unterschrieben, die Unsicherheit bleibt noch bestehen", sagte Buchholz in Kiel. Unter den gegebenen Umständen habe der Insolvenzverwalter keine andere Möglichkeit gehabt. In der Senvion-Mitteilung heißt es, für die übrigen Geschäftsfelder prüfe das Unternehmen weiterhin Optionen und setze die Verhandlungen mit Investoren fort. Buchholz machte jedoch deutlich, dass er keine weiteren Verkäufe von Unternehmensteilen mehr erwarte, auch wenn man die Hoffnung nie aufgeben solle.

Wenn der Einstieg von Siemens Gamesa umgesetzt würde, könnten in Schleswig-Holstein 300 Mitarbeiter ihren Job behalten, 280 Arbeitsplätze fielen sofort und weitere 200 etwas später weg. Die Gewerkschaft IG Metall geht davon aus, dass rund 900 von den gegenwärtig noch 1400 Senvion-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

"Mit dem geplanten Verkauf von Teilen des Unternehmens an Siemens Gamesa zeichnet sich nur für 500 der einstmals 1800 Beschäftigten in Deutschland eine Übernahme durch den neuen Investor ab", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Weder die Gewerkschaft noch Buchholz konnten sagen, welche Standorte in welchem Umfang betroffen sein werden. Das hänge auch von den bislang nicht bekannten Planungen des Investors ab.

Die IG Metall sei froh über jeden Beschäftigen, der übernommen werde, sagte Geiken. "Wir haben aber bis zuletzt gehofft, dass auch bei einer Zerschlagung mehr Beschäftigte eine langfristige Perspektive bekommen." Für die betroffenen Arbeitnehmer wurde eine Transfergesellschaft für vier Monate vereinbart, falls Siemens Gamesa einsteigt.

Senvion hatte im April Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und sich auf die Suche nach Investoren begeben. Seit drei Wochen ist klar, dass Senvion aufgeteilt wird und Teile seines Geschäftsbetriebs stilllegen muss. (dpa)

Lesen Sie auch...
Tennet

Energiewende-Strom fließt über die Elbe

23.10.2019

DOLLERN/ALTES LAND. Es ist ein wichtiger Baustein der Energiewende: Das Infrastrukturunternehmen Omexom aus Mannheim hat jetzt ein Teilstück des 48 Kilometer langen 380-kV-Netzausbauprojektes "Hamburg/Nord - Dollern" fertiggestellt.

Landwirtschaft

Bauern-Protest mit riesiger Resonanz im Kreis Cuxhaven

von Wiebke Kramp | 23.10.2019

KREIS CUXHAVEN. Die bundesweite Bauerndemo brachte am Dienstag hunderte Landwirte des Cuxlandes auf die Straße.

Fischrestaurantkette

Schließung von "Nordsee": Belegschaft wehrt sich

20.10.2019

BREMERHAVEN. Die Beschäftigten der Fischrestaurantkette "Nordsee" wollen sich gegen die angedrohte Schließung der Hauptverwaltung in Bremerhaven wehren.

Christiane Matthies

Frauen in Führungspositionen: Airbus-Ausbildungsleiterin im Interview

19.10.2019

KREIS STADE/KREIS CUXHAVEN. "Für ein Thema zu brennen, kann man nicht studieren": Das sagt Christiane Matthies, Ausbildungsleiterin bei Airbus in Stade und seit über 39 Jahren im Luftfahrt-Unternehmen. Sie weist eine Karriere auf, die sie sich selbst als Nicht-Akademikerin niemals zugetraut hätte. Mit der 57-Jährigen sprach Julia Balzer.