Zusammengewachsen im Sprint-Projekt: Nun trennen sich ihre Wege. Was kommt, ist ungewiss. Foto: Reese-Winne
Kommentar zum Projekt-Ende

Sprint-Klassen: Fehler der Vergangenheit vermeiden

von Maren Reese-Winne | 12.07.2019

"Sprint, das erfolgreiche Cuxhavener Projekt zur Sprachförderung und Integration junger Geflüchteter läuft aus. Dazu ein Kommentar von Maren Reese-Winne

Vom Schulversuch zum Regelangebot, das hört sich ja eigentlich gut an. So wünscht es sich das Kultusministerium: Die Sprach- und Integrationsprojekte für geflüchtete Jugendliche sollen im regulären Programm der berufsbildenden Schulen fortgeführt werden. Kann das aber so intensiv gelingen wie bisher? Da stellt sich ja schon als erstes die Frage, welche Lehrkräfte auf dem gerade bei den Berufsschulen leer gefegten Markt denn die zusätzlichen Sprachklassen unterrichten sollen. Eine Besonderheit beim Schulversuch Sprint war ja, dass dort auch Kräfte ohne Lehramtsabschluss eingesetzt werden durften.

Man muss nicht erst mit den Menschen reden, die in den vergangenen drei Jahren mit den jungen Zuwanderern am engsten zusammengearbeitet haben, um zu wissen, wie bedeutsam, ja existenziell die persönliche Begleitung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist, die nicht nur in einem anderen Land, sondern auch im Berufsleben Fuß fassen sollen. Gerade der schulische Teil der dualen Berufsausbildung hat es bekanntlich in sich.

Auch, wenn die Zahl der in jedem Jahr neu hinzukommenden Flüchtlinge im Vergleich zur Zeit vor drei Jahren verschwindend gering ist: Ein allzu frühes Zurück zum Routine-Angebot - das gilt auch für die Sprachlernklassen an allgemeinbildenden Schulen - birgt ein gewaltiges Risiko und ist ein Ritt auf der Rasierklinge.

Wenn hoffnungsfrohe Jugendliche erst mal scheitern, ihrer Perspektiven beraubt werden und ohne Aufgaben dastehen, bereitet das den Boden für Parallelgesellschaften. Was diese begünstigt, ist eigentlich hinlänglich bekannt - aus den Jahrzehnten, in denen es schon nicht gelungen ist, viele der klassischen Gastarbeiter zu integrieren.

Ein bisschen fühle ich mich an die Entwicklung bei der Inklusion erinnert, wo man auch die Akteure an der Basis mit der Grundeinstellung "das wird schon klappen" und viel zu geringerer Ausstattung alleine lässt. Dabei heißt es doch immer: Jeder in Prävention und Bildung investierte Euro spart später sieben weitere. Ist doch mal ein Anreiz, wenn der gesellschaftliche Frieden als Motivation nicht ausreicht.

 In diesem Zusammenhang sollte auch die schäbige Praxis, Schulbeschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen regelmäßig zu Beginn der Sommerferien die Kündigung zu überreichen, um sie dann einen Monat danach wieder einzustellen, sofort gestoppt werden, um Schulen das zu geben, was sie am dringendsten brauchen: eine zuverlässige Arbeitsbasis.

Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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