Stadt braucht den Mut zu kühner Architektur

22.01.2018

Die Konzepte liegen vor. Ein Kommentar zum Alten Fischereihafen von Ulrich Rohde.

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, hat Altkanzler Helmut Schmidt einmal gesagt. Das mag vielleicht für Politik gelten, für Architektur und Städtebau gilt das aber sicher nicht. Städte brauchen eine Vision, eine Vorstellung davon, was sie sein wollen, was ihre Zukunft sein wird.

Auch Cuxhaven, die Stadt am Meer, braucht diese Vision, wie sie sich der Welt präsentieren will. Und sie bekommt sie gerade durch die Architekten, die im Wettbewerb eine Vorstellung davon geben, wie der Alte Fischereihafen einmal aussehen könnte. Das Areal ist einzigartig, denn es gibt sie nirgendwo mehr, die Hafenbecken mitten in der Stadt, in denen noch richtig Betrieb herrscht. Diese Nutzung mit touristischen und kulturellen Angeboten zu mischen, macht den Reiz der Aufgabe aus, der sich Investor Norbert Plambeck gestellt hat. Und die Wettbewerbsbeiträge der Architekten, die in dieser Zeitung präsentiert werden, spiegeln das wider.

Plambeck ist nicht für das kleine Karo zu haben. Sein unternehmerisches Credo war es schon immer, in größeren Maßstäben zu denken und zu handeln. So auch im Alten Fischereihafen. Wem das Ganze zu überkandidelt erscheint – ob gläserne Hoteltürme, terrassenförmig angelegte Promenaden oder Arkadengänge vor den alten Fischhallenfassaden –, dem sei entgegengehalten, wie sehr Cuxhaven durch Architektur in den vergangenen 50 Jahren verändert worden ist, vielerorts nicht zum Besseren. An etlichen markanten Stellen in der Stadt finden sich die Auswüchse des „Brutalismus“ der 70er-Jahre – Waschbetonburgen, die schon damals von vielen als abstoßend empfunden wurden und heutzutage seltsamerweise eine Art Rehabilitation in der Architekturkritik erfahren.

Was damals, manchmal auch bis heute, üblich war, ist der komplette Ersatz alter Bausubstanz durch Beton. Die Stadt hat dadurch ein völlig anderes Gesicht bekommen. Im Alten Fischereihafen aber geht es um etwas völlig anderes. Hier wird die historische Substanz eingebettet in moderne, zeitgemäße, manchmal auch aufregende Architektur, ohne sie zu beschädigen.

Die Architekten haben kein Disneyland für maritime Nostalgiker entworfen, sondern machen teils kühne Vorschläge, die zukunftsweisend für den Charakter der Stadt sein können. Ob sie am Ende umsetzbar, finanzierbar oder überhaupt gewünscht sein werden, ist eine ganz andere Frage. Aber in Cuxhaven wurde – vor allem aus Geldmangel – lange genug gekleckert. Jetzt darf ruhig auch mal geklotzt werden.

Zweimal hat sich Cuxhaven für die Austragung olympischer Segelwettbewerbe beworben, beide Male im Wissen, dass die Aussichten nur gering sein würden. Das war dennoch nicht vergebens, sondern ein Zeichen dafür, dass die Stadt lebt. Eine Stadt braucht Visionen, sonst kann man sie einmotten.

Hätte Hamburg den Bau der Elbphilharmonie auf halber Strecke eingestellt, als klar war, dass die Kosten explodieren würden, stünden die Hanseaten heute als kleinkrämerische Deppen der Nation da.

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