Stör-Alarm an Elbe und Oste

14.07.2010

OBERNDORF. Einen 68 Zentimeter langen Stör hat Berufsfischer Eberhard Rübcke aus Beidenfleth (Schleswig-Holstein) am Montag mit seinem Fischkutter "Luise" in der Elbe unterhalb Hamburgs gefangen. Vermutungen, es handele sich bei dem Kaviarfisch um einen der Störe der einst hier heimischen Art "Acipenser sturio", die im Frühjahr 2009 versuchsweise in den Elbnebenflüssen Stör und Oste ausgesetzt worden sind, bestätigten sich nicht.  Umgehend eingeleitete Recherchen, in die Experten des Berliner Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie die Arbeitsgemeinschaft Osteland und der Arbeitskreis Wanderfische Oste einbezogen waren, ergaben: Bei dem spektakulären Fund - einem Fisch mit urtümlich wirkenden Knochenplatten und igelartiger Schnauze - handelt es sich um ein verirrtes Exemplar des Sibirischen Störs ("Acipenser baerii").  Als hoch erfreulich bewertete es der Sprecher des Arbeitskreises Wanderfische Oste, Wolfgang Schütz aus Osten, dass die für solche Fälle vorgesehene Alarmkette funktioniert hat. Nach der telefonischen Mitteilung des Elbfischers hatte Arbeitskreismitglied Albertus Lemke den Stör im Hafen von Borstel (Kreis Stade) von einem Beiboot des Fischkutters "Luise" übernommen und in einem mit Sauerstoffzufuhr versehenen Spezialtank nach Oberndorf transportiert.  Von dort aus wurden Detailfotos des Fisches an das Berliner Fachinstitut übermittelt. Wenig später teilte der Berliner Störprojektleiter Dr. Jörn Geßner mit, bei "Luise" - wie der Fisch unterdessen getauft worden war - handele es sich nicht um ein Exemplar des nur noch in Südfrankreich wild lebenden Europäischen Störs aus dem aktuellen Wiederansiedlungsprogramm für die Flüsse Oste und Stör, sondern um den Vertreter einer der 26 übrigen Störarten. Zu Zufallsfängen solcher für Laien schwer auseinander zu haltender Exoten, die zumeist aus Zuchtanlagen entwichen oder von Gartenteichbesitzern ausgesetzt worden sind, war es in der Vergangenheit gelegentlich auch im Einzugsbereich der Elbe gekommen.  In einem Informationsblatt mit dem Titel "Stör ist nicht gleich Stör" warnen die Berliner Fischbiologen davor, Vertreter exotischer Störarten in heimischen Gewässern auszusetzen. Die möglichen Folgen - Fischkrankheiten und Hybridisierung - könnten die jetzt angelaufene Wiederansiedlung des einst in der Nordsee heimischen Europäischen Störs gefährden. Aus diesem Grund ist der Stör "Luise", der zurzeit in einem Bassin mit Sauerstoffzufuhr in Oberndorf schwimmt, auf Anraten des Bürgermeisters Detlef Horeis dem Natureum Niederelbe in Balje (Kreis Stade) als Leihgabe angeboten worden. Später soll der Fisch, der bis zu 60 Jahre alt werden kann, in ein in Oberndorf geplantes "Stör-Informationszentrum" umziehen.  Der 2009 vorgenommene experimentelle Erstbesatz von Oste und Stör mit Jungfischen aus französischer Nachzucht hat nach Mitteilung der Artenschützer bereits einige erfolgversprechende Resultate erbracht. Einer der versuchsweise ausgesetzten Fische wurde im vergangenen April im dänischen Esbjerg gefangen. Über die Ausrottung des Europäischen Störs in Deutschland und die Bemühungen um dessen Wiederansiedlung informiert - wie berichtet - eine Ausstellung der AG Osteland und der Sportfischer an der Oste, die unter dem Titel "Die Rückkehr des grauen Riesen" noch bis zum 7. August täglich von 11 bis 17 Uhr in der musealen "Fährstuv" an der Schwebefähre Osten-Hemmoor zu sehen ist. Der Eintritt ist frei.

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