Stolpersteine auf Helgoland

16.04.2010

HELGOLAND/CUXHAVEN. Die Helgoländer gedenken am diesem Wochenende (17./18. April) nach genau 65 Jahren der Männer, die wenige Tage vor Kriegsende die Insel retten und kampflos durch Kapitulation an die Alliierten übergeben wollten. Sie wurden jedoch verraten und in Cuxhaven-Sahlenburg hingerichtet.

Am morgigen Sonnabend werden die Gemeinde und das Museum Helgoland an sechs Widerständler erinnern. In Zusammenarbeit mit dem Kölner Künstler Gunther Demnig werden sogenannte "Stolpersteine" - versehen mit Namen, Geburts- und Sterbedatum - verlegt, die das Wirken der mutigen Männer unvergessen machen sollen. Zu dieser Gedenkfeier werden auch Hinterbliebene erwartet.

Die in Hamburg lebende Helgoländerin Astrid Friedrichs hat sich auf Spurensuche begeben. Der Museumsverein gibt anlässlich der Stolpersteinverlegung ihre 100-seitige Ausarbeitung über die Geschehnisse auf Helgoland vor 65 Jahren heraus.

Der Friseur Heinrich Prüß ließ sich nicht den Mund verbieten und gab seine politische Meinung kund, er war beispielsweise davon überzeugt, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen konnte und sagte dies auch seinen Kunden. Das wurde ihm zum Verhängnis. Im Oktober 1943 wurde Prüß verhaftet und - nach qualvollen Monaten der Inhaftierung - im August 1944 in Brandenburg hingerichtet.

Zwei Männern ist es zu verdanken, dass sich eine Widerstandsgruppe auf der vom Militär beherrschten und zur Festung ausgebauten Insel bilden konnte: Dem Helgoländer Erich Friedrichs und dem aus Süddeutschland stammenden Dachdeckermeister Georg Braun. Sie gewannen Mitstreiter und wollten Helgoland kurz vor dem Krieg retten, indem die Insel kampflos übergeben werden sollte. Erich Friedrichs und Georg Braun gewannen die drei Marinesoldaten Karl Fnouka aus Wien, Kurt Pester aus Thüringen und Martin Wachtel aus Sachsen-Anhalt für ihre Pläne. Doch die Männer wurden verraten. Sie wurden verhaftet, zum Festland transportiert und am 21. April 1945 in Cuxhaven-Sahlenburg erschossen.

Hätte ihr Wirken Erfolg gehabt, wäre vielleicht Helgolands schwärzester Tag verhindert worden. Am 18. April 1945 mittags kurz vor 12 Uhr flogen rund 1000 viermotorige Flugzeuge der Royal Air Force einen Angriff auf die zur Festung ausgebauten Hochseeinsel, warfen etwa 7000 Bomben ab und legten Helgoland in Schutt und Asche. Die Engländer wollten den militärischen Stützpunkt ausschalten, um die Landung alliierter Truppen an der Küste nicht zu gefährden.

Der Angriff dauerte etwas über 100 Minuten. Einen Tag später griffen die Bomber erneut an. Die 3000 Einwohner zählende Zivilbevölkerung überlebte nur, weil sie in den in den Fels gehauenen Bunkeranlagen Zuflucht fand.

Zwei Tage lang harrten die Familien in drangvoller Enge aus. Es war staubig, stickig und stellenweise zeigte die Betondecke bedrohliche Risse.

Doch die Luftschutzanlagen hielten den Bombardements stand. Bei dem Angriff ließen 285 Menschen ihr Leben, darunter viele Flak- und Marinehelfer, die sich außerhalb des Bunkers befunden hatten.

Die Helgoländer Bevölkerung wurde am 20. April 1945 mit Schiffen zum Festland transportiert und in mehr als 100 Zufluchtsorte verteilt. Genau zwei Jahre später, am 18. April 1947, kam es auf der in Trümmern liegenden Insel zur bis heute größten nichtnuklearen Sprengung. Der weiche Buntsandstein trotzte dem Sprengstoff. Die Alliierten nutzten Helgoland anschließend für Bombenzielübungen. Erst nach vielfachen politischen, diplomatischen und bürgerlichen Anstrengungen gaben die Briten am 1. März 1952 die Insel wieder frei.

Von Wiebke Kramp

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