Die Beamten der Wasserschutzpolizei ermitteln weiter gegen die Verantwortlichen des Chemikalientankschiffs. Symbolfoto: Archiv/Monsees
Hohe Strafen für Verantwortliche

Straftat vor Cuxhaven: Schiff leitet Tankwaschwasser in die Nordsee ein

26.01.2022

CUXHAVEN. Nach einem Umwelt-Verstoß in der Nordsee vor Cuxhaven müssen die Verantwortlichen eines Chemikalientankschiffs mit empfindlichen Strafen rechnen. Sie wurden bei dem Vergehen erwischt.

Das Chemikalientankschiff soll ungenehmigt Tankwaschwasser mit Ladungsrückständen in die Nordsee eingeleitet haben, wie die Wasserschutzpolizeiinspektion mitteilt. Zu diesem Ergebnis kam die Leitstelle der Wasserschutzpolizei (WSP) im Maritimen Sicherheitszentrum in Cuxhaven in Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizeistation Brake. Die Folge seien nun "hohe Geldstrafen gegen die verantwortliche Schiffsführung des Chemikalientankschiffes".

Unregelmäßigkeiten im Fahrbereich

Am Montag sei die WSP-Leitstelle in Cuxhaven auf den möglichen Verstoß aufmerksam gemacht worden. Die Beamten stellten nach eigenen Angaben Unregelmäßigkeiten im Fahrbereich des Chemikalientankschiffes fest - mit Hilfe von mehreren Überwachungssystemen und der Unterstützung der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs.

Ungewöhnlich langsam

Das Seeschiff sei mit ungewöhnlich langsamer Geschwindigkeit und ständig wechselnden Kursen gefahren. Die Satellitenaufnahmen hätten dann auch eine erkennbare Verfärbung des Gewässers angezeigt. "Es bestand deshalb der Verdacht, dass das identifizierte Chemikalientankschiff Tankwaschwasser einleitet, ohne ‘en route' zu fahren und ohne im vorherigen Abgangshafen Brake nach dem Löschen der Ladung Palmöl die vorgeschriebene Tankvorwäsche inklusive der Abgabe des Waschwassers ordnungsgemäß durchgeführt zu haben", heißt es vonseiten der Wasserschutzpolizei.

Wird an den Stränden angespült

Palmöl gehört wie Paraffin zu den sogenannten persistenten Stoffen, das heißt, dass ihre Rückstände schwer abbaubar sind. Aufgrund ihrer großen Stabilität können persistente Stoffe und deren Um- und Abbauprodukte über die Nahrungskette in die Organismen gelangen und schädigen. Zudem schwimmen die Rückstände auf und werden unter anderem an Stränden der Nordsee angespült.

Ohne Zielhafen unterwegs

Das unter der Flagge der Marshall Islands fahrende Chemikalientankschiff hatte nach Angaben der Beamten den Hafen von Brake am Sonnabend Richtung See zunächst ohne Zielhafen verlassen. Es steuerte die deutsche AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) in der Nordsee an.

Ermittlungen in Cuxhaven geführt

Da das Schiff vor dem möglichen Verstoß im Braker Hafen gelegen hatte, wurden die Ermittlungen durch die WSP-Station Brake auch in Cuxhaven geführt, wo das Schiff am Dienstag zu Bebunkerungs- und Versorgungszwecken anlegte.

Bei der Kontrolle des Seeschiffes in Cuxhaven stellten die Ermittler fest, dass das Chemikalientankschiff nach der vorgeschriebenen Reinigung der Ladetanks in Brake zumindest neun Kubikmeter weniger Tankwaschwasser an Land abgegeben hat als vorgegeben war.

Urkundenfälschung durch Offizier

Die Ungereimtheiten "führten schließlich zu dem Ermittlungsergebnis, dass der verantwortliche Schiffsoffizier eine Abgabebescheinigung gefälscht hatte und den kontrollierenden Beamten vorlegte, um Fehler bei der Menge des zu verwendenden und abzugebenden Tankwaschwassers zu kaschieren", resümiert die Wasserschutzpolizei. Wegen der Urkundenfälschung ordnete die Staatsanwaltschaft Hamburg eine Sicherheitsleistung von 500 Euro an.

Geldstrafen ausgesprochen

Weitere Ermittlungen ergaben, dass es zu einer unerlaubten Einleitung von etwa 500 Kubikmeter Tankwaschwasser in der AWZ gekommen war. Dafür setzte die Ordnungsbehörde (BSH in Hamburg) Sicherheitsleistungen von 10.000 Euro gegen den verantwortlichen Schiffsoffizier sowie 5000 Euro gegen den Kapitän fest. Die Ermittlungen dauern nach Angaben der Wasserschutzpolizei noch an.

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