Das "Thumann"-Haus in der Cuxhavener Nordersteinstraße soll abgerissen werden. Foto: Archiv
Kommentar zu "Thumann"-Haus

Und wieder schwingt die Abriss-Birne in Cuxhaven

von Jens Potschka | 15.12.2018

Noch ist die historische Gebäudezeile mit ihren stilprägenden Satteldächern am Eingang der Nordersteinstraße in Cuxhaven gleich hinter der Commerzbank komplett.

Doch schon zu Beginn des Jahres 2019 ist der "Zahnarzt" bestellt: Das alte Thumann-Haus soll abgerissen werden. Mit dieser radikalen Behandlung verschwinden gleich zwei stilprägende Satteldächer im Bereich des Kaemmererplatzes, der im Rathaus immer wieder gern als "gute Stube Cuxhavens" bezeichnet wird. Doch das Lächeln dieser gewachsenen Häuserzeile wird nach dem Abriss ein völlig anderes sein. Wenn die zwei stattlichen "Zähne" gezogen sind, will dort ein Investor aus Göttingen ein eingeschossiges Geschäfts- und Wohnhaus mit Flachdach realisieren. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt. Wieder einmal gibt es für die City eine "flache Lösung", die ein Stück lieb gewordene innerstädtische Identität verschwinden lässt.

Doch ist dieses immer gleiche Vorgehen der Stadt Cuxhaven mit historischer Bausubstanz eigentlich noch zeitgemäß?

Wäre es nach den ursprünglichen Plänen der Verwaltung gegangen, dann wäre Cuxhavens Bahnhof ebenfalls schon längst Geschichte. Das Empfangsgebäude sollte abgerissen werden und zwei "Bauklötzen" eines Hamburger Investors weichen. Engagierten Bürgern ist es zu verdanken, dass der Bahnhof heute noch steht und jetzt sogar von einer Bürgergenossenschaft betrieben wird. Die Cuxhavener nehmen ihren Bahnhof wieder als Schmuckstück wahr, der eine wichtige öffentliche Aufgabe erfüllt. Das Projekt ist niedersachsenweit einzigartig.

Mal Hand aufs Herz: Menschen zieht es nicht nur in der Weihnachtszeit in Städte mit historischen Gebäuden. Wir mögen die Atmosphäre und fühlen uns einfach wohl in diesen gewachsenen Räumen. Das gilt besonders für den Tourismusstandort Cuxhaven.

Die Stadt Otterndorf hat soeben gezeigt, wie es auch gehen kann: Dort entschied der Rat der Stadt, das altehrwürdige "Café Brüning" für zwei Jahre zu pachten, um in Sachen Stadtmarketing weiterhin zielführend mitbestimmen zu können. Ein solches Vorgehen wäre im Rathaus Cuxhaven undenkbar! Dabei gäbe es mit ein wenig gutem Willen und einem Konzept für die Innenstadt durchaus Möglichkeiten, Bürgerengagement zu fördern.

Über Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen und Veränderungssperren kann ebenfalls Einfluss genommen werden. Es muss nur Menschen mit ein wenig Sensibilität und Verständnis für Architektur geben, die das auch wollen. Es ist einfach nicht klug, den Investoren das Spielfeld in der Innenstadt gänzlich zu überlassen.

Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jpotschka@no-spamcuxonline.de

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