Ein Mädchen streichelt auf dem Huxfeld-Hof der Familie Warnken eine Ziege. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Urlaub auf dem Bauernhof mit neuen Regeln

30.05.2020

Hunderte Bauernhöfe in Niedersachsen vermieten Ferienwohnungen. Die Corona-Krise hat bei ihnen zu harten Einschnitten geführt. Nun könnte zumindest für einen Teil ein neues Kapitel beginnen.

Oldenburg/Grasberg (dpa/lni) - Bauernhöfe mit Ferienwohnungen in Niedersachsen rechnen für die kommenden Monate mit vielen Gästen. «Gerade jetzt ist Urlaub auf dem Bauernhof eine beliebte Urlaubsform», sagte die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande, Vivien Ortmann, in Oldenburg. «In seiner Ferienwohnung kann man sich autark versorgen. Und man hat viel Platz um sich herum.» Die Abstandsregeln seien auf den Höfen gut einzuhalten. Die Freude, dass Ferienwohnungen seit dem 11. Mai wieder vermietet werden dürfen, sei bei Höfen und Gästen groß. Nach Angaben von Ortmann haben die rund 900 Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof in Niedersachsen durch das vorübergehende Vermietungsverbot Verluste in Millionenhöhe erlitten.

Um die Gefahr einer Verbreitung des Coronavirus zu minimieren, mussten die Betriebe Hygienekonzepte entwickeln. «Dabei haben wir den Betrieben geholfen», sagte Ortmann. Den ersten Rückmeldungen zufolge gibt es damit keine Schwierigkeiten. «Die Gäste sind froh, wieder raus zu kommen. Sie nehmen kleine Einschränkungen in Kauf.»

Das ist auch die Erfahrung von Martina Warnken vom Huxfeld-Hof im Landkreis Osterholz. Probleme mit den neuen Hofregeln gebe es bislang nicht. «Die Gäste sind sehr diszipliniert», berichtete sie. Alle müssen demnach eine Erklärung unterschreiben, mit der sie sich verpflichten, sich an die Vorgaben zu halten. Dazu gehört Abstand. Auf dem Traktor mitfahren und gemeinsames Grillen ist zum Beispiel nicht mehr möglich. Auch könne sie nicht mehr mit den Ferienkindern Ponys striegeln, sagt Warnken, die den Hof in Grasberg gemeinsam mit ihrem Mann betreibt. Für den Melkstand bekomme nun jede Familie ein eigenes Zeitfenster. «Das sind alles Dinge, die machbar sind. Ich habe mir das schwieriger vorgestellt.»

Auch wenn der Huxfeld-Hof durch die Corona-Krise einen großen Verlust gemacht habe, überwiege die Erleichterung, sagte Warnken. «Es ist schön, wieder Gäste auf dem Hof zu haben. Das hat uns gefehlt. Dass wir jetzt wieder Einnahmen haben, ist sehr beruhigend.» Derzeit gebe es sehr viele Anfragen. Über Pfingsten sei der Hof ausgebucht. «Die Stimmung ist nun wieder positiv, wir sind ganz guter Dinge», sagte die 44 Jahre alte Mutter von drei Kindern. Sie geht davon aus, dass sich durch die weltweite Corona-Krise mehr Menschen als früher für Urlaub in Deutschland und Urlaub auf einem Bauernhof entscheiden werden. «Grundsätzlich können wir gestärkt aus der Krise gehen.»

Auch Ortmann von der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande geht davon aus, dass einige Menschen statt einer Auslandsreise nun eine Alternative in Deutschland suchen werden. «Toll, dass der Deutschland-Tourismus belebt wird», sagte die studierte Tourismusmanagerin. Das verlorene Geschäft könne allerdings nicht aufgeholt werden.

Für einen Teil der niedersächsischen Betriebe mit Urlaubsangeboten sieht Ortmann weiter große Schwierigkeiten. «Wir haben einige Höfe, die nicht wissen, ob sie das Jahr überleben, weil sie sich auf Reiterferien für Kinder und Jugendliche spezialisiert haben.» Diese Höfe haben demnach überwiegend Mehrbettzimmer, ihr Angebot ist auf Gruppenreisen ausgelegt. «Sie trifft es hart. Gruppenreisen sind noch nicht erlaubt», sagte sie. Manche lebten auch von Klassenfahrten und Schulausflügen - auch diese seien abgesagt.

Gastronomisch gesehen haben Ortmann zufolge viele Höfe Einbußen, denn große Familienfeiern oder Essen von Gruppen sind derzeit nicht möglich. «Das ist für die Hofgastronomie ein starker Einschnitt.» Aber: Trotz all der Schwierigkeiten, vor denen viele Höfe stehen, überwiege die Freude über die Lockerungen. «Es geht wieder bergauf.»

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