Vorschriften allein bringen keine Sicherheit

17.05.2018

Das Cuxhavener Fischerfest steht eventuell vor seiner letzten Ausgabe. Dazu ein Kommentar von Thomas Sassen.

Für die Veranstalter wird es aufgrund steigender Sicherheitsanforderungen immer schwieriger, große Feste durchzuziehen, die seit Jahrzehnten in Cuxhaven einfach dazugehören. Das Fischerfest zu Pfingsten ist dafür nur ein gutes Beispiel. Es wird dieses Jahr möglicherweise zum letzten Mal stattfinden. Aber ich könnte auch andere nennen, deren Existenz bedroht ist, etwa die Straßenfeste in Döse, Sahlenburg und Altenwalde, das Gemeindefest „Ründ um de Kark“ in Lüdingworth, das Buttfest in der City oder sogar das Duhner Wattrennen.

Die behördlicherseits geforderten Sicherheitsvorkehrungen machen den meist ehrenamtlichen Organisatoren das Leben immer schwerer. Dahinter steckt auch die Angst vor terroristischen Anschlägen. Doch es bleibt fraglich, wie weit man sich davor wirklich schützen kann. Auf der anderen Seite bleibt viel Liebenswertes auf der Strecke.

Schließlich geht es nicht nur um den organisatorischen Aufwand, die erforderlichen Sicherheitseinrichtungen, Brandwachen, Ordner oder Kontrolleure zum Beispiel, orkanfeste Zelte und vieles mehr – alles muss am Ende bezahlt werden. Dazu kommen die neuen Datenschutzregelungen, die kaum noch jemand überblickt, geschweige denn versteht. Will jemand eine Veranstaltung für Kinder auf die Beine stellen, von der möglicherweise hinterher ein Foto in der Zeitung erscheint, muss er vorher von den Eltern eine schriftliche Genehmigung einholen, damit es keine rechtlichen Probleme gibt, wenn die Kinder auf Fotos auftauchen.

Noch schwieriger wird es, wenn Helfer bei Veranstaltungen für Kinder eingesetzt werden. Dann müssen die Organisatoren sogar sicherstellen, dass jeder Betreuer ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegt.

Ich denke, der Absicherungswahn in unserer Gesellschaft hat langsam Formen angenommen, die nicht mehr zu akzeptieren sind. Und wenn wir nicht bald aufwachen und die Politik umsteuert, riskieren wir ein wertvolles Stück unserer täglichen Freiheit. Dann wird irgendwann niemand mehr bereit sein, freiwillig und unentgeltlich Verantwortung zu übernehmen.

Dieses Schicksal könnte auch dem Fischerfest drohen. Viele Cuxhavener werden das vielleicht nicht besonders bedauern, weil die Einheimischen ohnehin nicht die Masse der Besucher stellen. Der Attraktivität Cuxhavens wäre das jedoch sehr abträglich. Denn viele Gäste verbinden den Pfingsturlaub mit einem Besuch beim Fischerfest. Außerdem ist es die einzige Veranstaltung, auf der man einmal (fast) alle Fisch verarbeitenden Betriebe unter einem Dach versammelt findet. Dass dabei der Brandschutz eingehalten werden muss, ist natürlich eine Selbstverständlichkeit.

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