Wenn eine Behörde? ihren eigenen?Antrag beurteilt

12.04.2018

Da wird sich so mancher Bürger und Otterndorf-Tourist noch die Augen reiben. Ein Kommentar von Egbert Schröder

Mitten im Zentrum mit seinen historischen und denkmalgeschützten Fachwerkhäusern soll eine futuristisch anmutende Fassade entstehen, die völlig aus dem Rahmen fällt. „Mutig“, werden die einen sagen „Geschmacklos“, die anderen. Der eine mag nun mal eben den „Röhrenden Hirsch“ als Aquarell, der andere ist von zwei Strichen auf der Leinwand begeistert: Kunst ist und bleibt Geschmackssache.

Ansichtssache ist, ob der Landkreis als Antragsteller für die Neugestaltung der Fassade und in seiner Funktion als Denkmalschutzbehörde voreingenommen ist. Es ist schon erstaunlich, dass die Kreisverwaltung bei zahlreichen anderen Projekten denkmalschutzrechtliche Bedenken geltend macht, aber in diesem Fall mit Hinweis auf den künstlerischen Aspekt kein Problem sieht.

Zudem hätte man wohl auch den Kulturausschuss des Kreistages über das Vorhaben informieren sollen. Schließlich ist der Landkreis Träger des „Museums gegenstandsfreier Kunst“. Da wäre es doch ganz nett und angebracht gewesen, wenn man die Kreistagspolitiker eingebunden hätte und das Ganze nicht – wie Dezernent Friedrich Redeker – lapidar als „Geschäft der laufenden Verwaltung“ bezeichnet.

Ich bin gespannt, wie sich der Otterndorfer Bauausschuss in der nächsten Woche positioniert. Denn schließlich sind es die Bürger der Stadt, die sich (mindestens) fünf Jahre lang mit dem Kunstobjekt arrangieren und es möglichst auch akzeptieren müssen und sich mit ihm im Idealfall auch identifizieren werden.

„Kunst muss anstößig sein; sie muss Denkanstöße geben“, hat der langjährige „Stern“-Chefredakteur und Kunstsammler Henri Nannen einmal gesagt. Bleibt abzuwarten, von welchen Denkanstößen sich die Otterndorfer Politiker bei den Beratungen über eine Ausnahmegenehmigung leiten lassen. Anecken werden sie auf jeden Fall: entweder beim Antragsteller oder bei kritischen Bürgern.

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