Miet-Skandal in Cuxhaven

Wenn Menschen ausgeliefert sind

27.04.2018

In Cuxhaven müssen Mieter das Versagen einer Immobilienfirma ausbaden. Dazu ein Kommentar von Felix Weiper.

Wohnen hat etwas mit Menschenwürde zu tun. Dennoch kann Wohnen riskant sein – zumindest für diejenigen, die das Pech haben, in Cuxhaven in Gebäuden der Kasseler Immovation AG zu leben. Das Seelenleben dieser Mieter schwankt derzeit zwischen Ohnmacht, Wut und dem Gefühl, ausgeliefert zu sein. Sie haben für Wasser und Gas bezahlt. Nun droht ihnen dennoch die Versorgungssperre, weil das Geld bei EWE nicht angekommen ist.

Im Mittelpunkt steht dieselbe Immovation AG, die ihren Mietern in Cuxhaven dürftigste Wasch- und mieseste WC-Container aufstellen ließ, nachdem klar war, dass Gebäude mit Bleileitungen durchzogen sind und deshalb saniert werden müssen. Es ist einfach nur beschämend. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Zustand des deutschen Mietwohnungsmarktes.

Die Erklärung der Geschäftsführung der Immovation AG für die Zahlungsrückstände klingt, als sei sie an den Haaren herbeigezogen. Eine einzige unzuverlässige Mitarbeiterin der Hausverwaltung soll verantwortlich sein? Und über einen langen Zeitraum hat niemand etwas bemerkt? Lächerlich. Für betroffene Mieter liegt es auf der Hand, dass Missmanagement die Ursache ist. Die Beteuerung der Geschäftsführung, dass finanzielle Probleme keine Rolle spielten, lässt Spekulationen ins Kraut schießen.

Im schlechten Licht steht der Versorger EWE da: Er will die Leitungen kappen und beruft sich darauf, für ihn sei nur der Vertrag mit der Immobiliengesellschaft relevant. Mit Verantwortung gegenüber den Menschen, die unverschuldet in das Desaster geraten sind, hat das nichts zu tun.

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