Niedersachsens Kassenärzte kritisieren das unübersichtliche Durcheinander bei den Abrechnungen für Corona-Tests. Sie sollten für alle kostenlos sein, so die Mediziner. Foto: Braun/dpa
Abrechnungsirrsinn

Wirrwarr in Niedersachsen: Kassenärzte fordern kostenlose Corona-Tests

von Redaktion | 10.08.2020

KREIS CUXHAVEN. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) übt Kritik an ihrer Auffassung nach wirklichkeitsfremden Abrechnungsbestimmungen bei der Durchführung von Corona-Tests.

"Sie widersprechen der medizinischen Gesamtlage, aber auch dem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden vieler Patienten und Ärzte", so der stellvertretende KVN-Vorstandsvorsitzende Dr. Jörg Berling. "Corona-Tests sollten generell kostenlos sein."

Schon beim Thema Urlaub begännen fragwürdige Unterscheidungen. Im In- und Ausland verlangen viele Hotels von anreisenden Gästen einen negativen Corona-Test. Den müssen sie aus ihrer Reisekasse finanzieren. Kommen sie aus dem Urlaub zurück, dürfen oder müssen sie sich wieder testen lassen. Dann ist der Test kostenlos - aber nur für Auslandsrückkehrer. Wer im Inland blieb, hat keinen Anspruch darauf - auch wenn er sich in der Nähe eines Corona-Hotspots einquartiert hatte.

Wer zahlt den Test?

Ebenso widersinnig: Soll ein Kind für eine Operation im Krankenhaus aufgenommen werden, muss das Krankenhaus den Corona-Test durchführen. Er ist Teil der stationären Behandlung. Die erwachsene Begleitperson hingegen, die im Krankenhaus übernachten möchte, muss den Test selbst bezahlen.

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Wird die Operation ambulant durchgeführt, ist der Corona-Test eine Privatleistung. Wenn medizinische Fachangestellte einen negativen Testnachweis erbringen, um in ihrer Praxis weiterarbeiten zu können, müssen sie den Test aus eigener Tasche bezahlen. Wird einem Mitarbeiter über die Corona-Warn-App ein "erhöhtes Risiko" angezeigt, ist der Test eine Kassenleistung und muss vom Gesundheitsamt organisiert werden.

Bei Husten zahlt die Kasse

Wie schnell Patienten in ein Getriebe von Fallunterscheidungen geraten können, mache, so die KVN, der Fall eines Pflegebedürftigen deutlich, der von seinen Angehörigen in die Kurzzeitpflege gegeben werden sollte. Die Pflegeeinrichtung verlangte einen Corona-Test, den der Patient selbst zu zahlen hatte. Zwar stellt die Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministers einen kostenlosen Test in Aussicht. Es bindet die Entscheidung aber an die Einschätzung der epidemiologischen Lage durch das Gesundheitsamt. Wenn das eine Gefährdung durch die Pandemie im Landkreis feststellt, wird der Test aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Das war in diesem Fall nicht gegeben. Pech für den Patienten: Hätte er gehustet, hätte wegen Infektionsverdachts die Krankenkasse den Test bezahlt.

Dr. Berling: "Solche Beispiele entspringen einer formalen Rechtslogik, die in sich schlüssig sein mag, aber mit der Situation der Patienten kaum übereinstimmt." Im schlimmsten Fall belasteten die Vergütungsregelungen das Arzt-Patienten-Verhältnis in den Praxen. Denn die Ärzte seien diejenigen, die ihren Patienten erklären müssen, ob sie den Test bezahlen müssen oder nicht. "Das ist nicht vermittelbar. Schlimmstenfalls setzt sich beim Patienten der Argwohn fest, der Arzt wolle sich mit dem Corona-Test selbst bereichern."

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