Treffen auf der Hochseeinsel Helgoland: Peter Miesner, Hafenentwicklungsgesellschaft, Oberbürgermeister Uwe Santjer, Marc Itgen, Wirtschaftsförderung und Dr. Hans-Joachim Stietzel, MHI Vestas Offshore Wind (v.l.). Foto: red
9. Konferenz

Wirtschaftsforum Offshore auf Helgoland: Grüner Wasserstoff und mehr

01.09.2020

HELGOLAND. Das 9. Wirtschaftsforum Offshore auf Helgoland mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik gab am vergangenen Wochenende einige spannende Impulse.

Am Ende spielte das Wetter doch mit und der Helgoländer Bürgermeister Jörg Singer konnte auch in diesem Jahr wieder hochkarätige Gäste aus Politik, Industrie, Verwaltung und Verbänden zum 9. Wirtschaftsforum Offshore auf Helgoland begrüßen, darunter auch aus Cuxhaven Peter Miesner, Hafenentwicklungsgesellschaft, Oberbürgermeister Uwe Santjer, Wirtschaftsförderer Marc Itgen, Dr. Hans-Joachim Stietzel von der MHI Vestas Offshore Wind sowie der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann.

Lange Zeit blieb es unsicher, ob diese 9. Konferenz in Zeiten von Corona stattfinden könnte, aber detaillierte Vorsorgemaßnahmen und die Nordseehalle als Veranstaltungsort ermöglichten es mit viel Abstand und Hygienekonzept.

Von Seiten des Bundesregierung waren der maritime Koordinator Norbert Brackmann und Staatssekretär aus dem Verkehrsministerium Enak Ferlemann anwesend. Die norddeutschen Länder wurden durch den Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann und den Wirtschafts-Staatssekretär Thio Rohlfs aus Schleswig-Holstein vertreten. Seitens der Industrie und der Energieversorger nahmen fast alle namhaften Unternehmen wie RWE Renewables, Vattenfall, Orsted, MHI Vestas Offshore Wind und Siemens Gamesa Renewable Energy teil.

Stimmung verbessert

Im Gegensatz zur letztjährigen Offshore-Konferenz hat sich die Stimmung in der Branche doch wesentlich aufgehellt, nachdem im Entwurf des Wind-See-Gesetzes endlich die von der Industrie und den Verbänden schon lange geforderten 20 Gigawatt (GW) bis 2030 festgeschrieben werden. Begrüßt wird auch das langfristige Ziel der Bundesregierung von 40 GW Offshore Installationen bis 2040, die den Unternehmen endlich die lange vermisste Planungssicherheit geben wird.

Mehr als ein Wermutstropfen bedeuten für die Industrie und die Verbände allerdings die im Entwurf des Wind-See-Gesetzes geplanten zusätzlichen finanziellen Gebote in den Ausschreibungen ab 2021, die von der Bundesregierung geplant sind. Zur Auswahl des Anbieters in den Auktionen sollen bei mehreren 0-Cent Geboten zusätzliche Gebotskomponenten eingeführt werden, die dazu führen werden, dass der deutsche Offshore Markt unattraktiv für Investoren wird.

Unterstützung der Industrie

Die Industrie wird bei dieser Kritik auch von den Küstenländern und vom Bundesrat unterstützt. Zurzeit sind in Deutschland 7,7 GW in der Nord- und Ostsee installiert und Deutschland nimmt dabei global den zweiten Platz nach Großbritannien ein. Allerdinge wird es in Deutschland erstmals in den nächsten zwei Jahren ruhig werden in den Häfen und bei den Zulieferern, da aufgrund der Auswirkungen der im Jahr 2016 vorgenommenen Kürzungen des Offshore Ausbaus bis 2022 eine Installationslücke vorhanden ist.

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Mittelfristig entwickelt sich aber in Europa ein enormer Markt von bis zu 450 GW bis 2050, weltweit sind die Ausbauziele allerdings noch wesentlich höher. Heute schon liegt China auf Platz 3 und wird schon bald an der Spitze sein.

Herausragendes Thema war die Produktion von grünem Wasserstoff durch Offshore Windenergie. Staatssekretär Ferlemann verwies dabei auf die im Juni von der Bundesregierung vorgelegte nationale Wasserstoffstrategie und die großen Potenziale einer Wasserstoffwirtschaft für den Industriestandort Deutschland und den Klimaschutz: "Wasserstoff ist der Treibstoff der Zukunft" führte er aus und hob die große Unterstützung des Bundes für den Ausbau einer nationalen Wasserstoffwirtschaft mit über 7 Milliarden Euro und für internationale Projekte mit 2 Milliarden Euro hervor.

Top-Thema im Norden

Für den Hamburger Wirtschaftssenator Westhagemann ist grüner Wasserstoff das Top Thema für Norddeutschland und die norddeutsche Wasserstoffstrategie, die Ende vorigen Jahres von den Küstenländern vorgelegt wurde, der Leitfaden für den Aufbau vielfältiger Wertschöpfungsketten: "Grüner Wasserstoff muss dort angewandt werden, wo der größte Nutzen für die Dekarbonisierung vorhanden ist." Helgoland verspricht sich sehr viel von dem geplanten Projekt "AquaVentus" (unsere Zeitung berichtete), das sich zum Leuchtturmprojekt der nationalen Wasserstoffstrategie entwickeln soll.

Wasserstoff-Knoten

In dem bis zum 2035 geplanten Vorhaben soll Helgoland zum zentralem Wasserstoff-Knotenpunkt werden, der von den umgebenen Offshore Windparks profitiert. Eine Herausforderung bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff aus Offshore-Wind ist der Transport der Energie an Land. Eine Alternative zu teuren Gleichstromkabel, die auch langwierig und aufwendig in der Planung sind, ist die direkte Erzeugung auf hoher See, wie kürzlich bereits im Wind-See-Gesetz verankert.

Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer, der zum ersten Mal an dieser Konferenz teilnahm, sieht den maritimen Wirtschaftsstandort Cuxhaven sehr gut für die Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie vorbereitet und nutzte dementsprechend die Konferenz, um für die Potenziale der Offshore Basis Cuxhaven zu werben.

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