Ein Wasserstofftankfahrzeug beim Verlassen eines Betriebsgeländes. Foto: Arnold / dpa
Energiewende

Zwei Schritte zurück und einer nach vorne

von Ulrich Rohde | 17.01.2020

Der Ausstieg aus dem Kohle-Abbau in Deutschland wird teuer verkauft und lange andauern, womöglich zu Lasten des Ausbaus erneuerbarer Energien.

Gut 40 Milliarden Euro will der Staat bis spätestens 2038 für den Ausstieg aus dem Braunkohle-Abbau locker machen. Die Ministerpräsidenten in den Bundesländern mit Tagebau-Revieren jubeln, feiern die Einigung, wie Nordrhein-Westfalens Armin Laschet (CDU), als "Durchbruch für den Klimaschutz". In Wirklichkeit handelt es sich natürlich um die Subventionierung eines längst überfälligen Strukturwandels, der den Kohleregionen, den Beschäftigten in den Kraftwerken und Tagebauen Planungssicherheit und den Energiekonzernen noch einmal einen warmen Geldregen in Form von Entschädigungszahlungen verschafft.

Dass Regionen, die in erheblichem Ausmaß von der Kohle abhängig sind, geholfen wird, die Kurve hin zu zukunftsorientierten Technologien und Jobs zu bekommen, versteht sich von selbst. Andererseits schadet jeder Tag, an dem die Kraftwerke noch laufen, der Umwelt und befeuert den Klimawandel. Und anstatt eine längst zum Sterben verurteilte Industrie künstlich am Leben zu halten, wäre es weitaus sinnvoller, innovative und umweltfreundliche Energien auszubauen und zu fördern. Doch da sieht es derzeit mau aus. 20.000 Jobs sind in der Windkraftbranche abgebaut worden. Der Ausbau der Windenergie ist erlahmt. Selbst größeren Unternehmen geht die Puste aus.

Zwar konnten 2019 durch den Rückgang der Stromproduktion aus Kohle und der Entwicklung der Wind- und Sonnenenergie noch mehr als 50 Millionen Tonnen CO2 in Deutschland eingespart werden. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Energiewende von gewaltigen Schwierigkeiten begleitet wird. Es ist zu hoffen, dass sich Wasserstoff als Alternative zu fossilen Brennstoffen durchsetzen wird. Grüner Wasserstoff aus Windkraft oder Biogas kann dafür sorgen, dass zum Beispiel der Anteil des Straßenverkehrs an CO2-Emissionen, der jetzt 21 Prozent ausmacht, auf Null gesenkt wird. Die Elbe-Weser-Region mit ihren natürlichen Standortvorteilen könnte hier zum Vorreiter werden, die Wasserstoffwirtschaft ein Leuchtturm für ein neues Zeitalter der Energiegewinnung.

Doch während man sich mit den Lasten der Vergangenheit beschäftigt, könnte man die Zukunft verlieren. Immerhin: Je mehr Kraftwerke vom Netz genommen werden, desto mehr sind wir auf Energie aus anderen Quellen angewiesen. Der Kohleausstieg wird daher zwangsläufig dafür sorgen, dass die Beschränkungen für Solar- und Windenergie zurückgenommen werden.

Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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