Fein aufeinander abgestimmt: Das MareMusikFestival Orchestra unter der Leitung von Mathias Christian Kosel in der Kugelbake-Halle. Foto: Potschka
Fein aufeinander abgestimmt: Das MareMusikFestival Orchestra unter der Leitung von Mathias Christian Kosel in der Kugelbake-Halle. Foto: Potschka
Zwischen Fernweh und Filmmagie

"Beyond the Sea” beim "Mare Musik Festival" 2025 in Cuxhaven: So lief das Festkonzert

von Jens Potschka | 09.06.2025

Das Rauschen der Nordsee wurde beim "Mare Musik Festival" 2025 in Cuxhaven zur Musik, Filmmelodien trafen auf barocke Sturmgewalt. Cuxhavens neues Orchester lud zur Klangreise voller Überraschungen und Emotionen.

Wenn sich das Rauschen der Nordsee in Klang verwandelt, das Fernweh zur musikalischen Form wird und sich Filmmusik neben barocker Sturmgewalt behauptet, dann ist "Mare Musik Festival"-Zeit in Cuxhaven. Am Pfingstsonnabend präsentierte sich in der gut gefüllten Kugelbake-Halle das neu gegründete "MareMusikFestival Orchestra" unter der Leitung von Mathias Christian Kosel erstmals dem Publikum - und überzeugte auf ganzer Linie. Rund 350 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten ein Festkonzert, das unter dem Titel "Beyond the Sea" einen mitreißenden, fantasievollen und hochklassigen Brückenschlag zwischen Klassik und Populär-Musik wagte.

Starke Dramaturgie und kluge Werkauswahl

Von der eigens für das Festival komponierten Erkennungsmelodie "Mare Music I" bis hin zur schwungvoll gepfiffenen "Berliner Luft" als Zugabe - Kosel spannte in seiner Moderation einen roten Faden, der die Musikfreunde durch ein Programm führte, das gleichsam Seefahrthistorie, romantische Miniaturen, Filmmelodien und Klassiker des 20. Jahrhunderts miteinander verwebte.

Die Eröffnung mit Vivaldis "Sommer"-Presto bot stürmischen Auftakt. Solistin Anna Matz brillierte mit technischem Glanz und stilistischer Sicherheit. Ihre Violine wurde zur Naturgewalt - präzise und expressiv zugleich. Dem folgte Fučíks martialischer "Wintersturm"-Marsch, dessen ironisch-militärischer Gestus das Orchester mit pointierter Dynamik auffächerte.

Emotionaler Mittelpunkt: Geigerin Anna Matz überzeugte in Vivaldi, Elgar und Massenet gleichermaßen. Foto: Potschka

Klangpoesie und orchestrale Feinarbeit

Einer der berührendsten Momente des Abends war Elgars "Salut d'amour" - zart gezeichnet von Matz, zurückgenommen begleitet, ein stilles Bekenntnis großer Gefühle. Auch in Massenets "Méditation" überzeugte die Violinistin mit feinsinniger Phrasierung und einem Klang, der tief berührte.

Die kammermusikalische Transparenz des Orchesters - ein Streicherensemble der Deutschen Oper Berlin, ergänzt um Bläser und Perkussion - erlaubte feine Farbverläufe, etwa in Ralph Vaughan Williams' Fantasia on Greensleeves. Hier war es besonders Marion Ravot an der Harfe und Markus Ehrlich an der Flöte, die mit sensibler Artikulation atmosphärische Tiefe erzeugten.

Raffinierte Soli, swingende Virtuosität

Wie vielseitig orchestrale Musik sein kann, bewiesen Stücke wie Josef Strauß' "Feuerfest!" mit einem augenzwinkernden Amboss-Solo von Rüdiger Ruppert, Leroy Andersons quirliges "Fiddle Faddle" oder der bittersüße Walzer aus Schostakowitschs Jazz Suite Nr. 2 trafen treffsicher den Geist ihrer Zeit und wurden mit hörbarer Spielfreude umgesetzt.

Mit Witz und Virtuosität: Rüdiger Ruppert begeistert als "Sekretär" in Leroy Andersons "Typewriter". Foto: Potschka

Zu Herzen gehend war Le Frênes "Rahel's Theme", eine fein gearbeitete Musikminiatur mit ihren jüdischen Klangzitaten und berührender Dialogführung zwischen Violine (Anna Matz), Klarinette (Patrick Braun) und Harfe (Marion Ravot).

Besonders schön war auch das anspruchsvolle Arrangement von Henry Mancinis weltbekanntem Filmthema "The Pink Panther". Der coole Groove des rosaroten Panthers zauberte manch einem Zuhörer in der Kugelbake-Halle ein Lächeln ins Gesicht - ein kriminalistisches Paradebeispiel für Filmjazz. Der kurz darauffolgende "Tango Jalousie" - bravourös von Konzertmeister Daniel Draganov und dem Festivalorchester gespielt - vervollständigte das Genre Filmmusik auf spannende Art. 

Begeisterung und stehende Ovationen

Mit dem legendären "Typewriter" - Rüdiger Ruppert brillierte hier auf der Schreibmaschine mit szenischer Präsenz und perfektem Timing - erntete das Orchester begeisterten Szenenapplaus. Offenbachs "Barcarolle", Goodwins charmant verspielte "Miss Marple"-Melodie und schließlich die "British Sea Songs" von Sir Henry Wood bildeten ein festlich-schwelgerisches Finale.

Rüdiger Ruppert (r.) als "Sekretär" in Leroy Andersons "Typewriter" im Bühnendialog mit dem Dirigenten Mathias Christian Kosel. Foto: Potschka

Als sich dann bei Paul Linckes "Berliner Luft" das Publikum zum Teil pfeifend von den Sitzen erhob, war klar: Dieses neue Festivalorchester hat sich mit seiner Premiere fest in die Herzen gespielt.

Anerkennung von höchster Stelle 

Oberbürgermeister Uwe Santjer dankte am Ende dem engagierten Organisationsteam rund um Kurdirektor Olaf Raffel und Gabriele Hoffmann von der Stadt Cuxhaven. Besonders würdigte er die künstlerische Arbeit von Mathias Christian Kosel und die Leistung der Musikerinnen und Musiker: "Ein kultureller Leuchtturm, der weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt."

Der Applaus gab ihm recht - stehende Ovationen für ein Festkonzert, das noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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