Ganz besonders freut sich Svenja Plock jeden Tag über ein Plakat, das eine Mädchengruppe zum Abschluss einer Dänemark-Fahrt für sie gebastelt hat. "Wir sind zusammengewachsen", sagt die 29-Jährige über die Teilnehmerinnen, zu denen sie noch heute regelmäßig Kontakt hat. Foto: Kuczorra
Ganz besonders freut sich Svenja Plock jeden Tag über ein Plakat, das eine Mädchengruppe zum Abschluss einer Dänemark-Fahrt für sie gebastelt hat. "Wir sind zusammengewachsen", sagt die 29-Jährige über die Teilnehmerinnen, zu denen sie noch heute regelmäßig Kontakt hat. Foto: Kuczorra
Das "Sprachrohr der Jugendlichen"

Haus der Jugend in Cuxhaven: Designierte neue Leiterin hat viel vor

von Joscha Kuczorra | 01.04.2023

Schon früh war für Svenja Plock klar, dass sie einmal einen sozialen Beruf erlernen würde. Nun tritt sie im Bereich der Jugendarbeit in der Stadt Cuxhaven in große Fußstapfen. Dabei sah es in der Schulzeit zunächst gar nicht danach aus.

"Ich wollte schon immer etwas mit Jugendlichen machen - ihnen helfen, wenn sie in schwierigen Situationen sind", erinnert sich Svenja Plock. Sie habe immer etwas in der Jugendarbeit bewegen wollen. Dazu hat sie jetzt beste Gelegenheit: Ab Mai wird sie die Nachfolge von Rüdiger Pawlowski als Abteilungsleiterin für Jugend und Soziales sowie Leiterin des Hauses der Jugend antreten.

"Es wird eine große Herausforderung", ist sich die aktuelle Stellvertreterin Plock sicher. "Das sind riesige Fußstapfen, die ich gar nicht ausfüllen kann. Aber ich werde versuchen, meine eigenen Fußstapfen zu setzen." Pawlowski sei das "Gesicht der Jugendarbeit in Cuxhaven. Er hat sie aufgebaut und geprägt. Ihn kann ich nicht ersetzen."

Die Schule geschmissen

Aufgewachsen ist die 29-Jährige in der Drangst, in Süderwisch und Altenwalde, beteiligte sich als Teenagerin an einer Jugendgruppe in der Kirchengemeinde. Als radikalen Schnitt nennt Plock die Oberstufen-Zeit auf dem Lichtenberg-Gymnasium: Sie gehörte dem ersten Jahrgang an, der das Abitur nach zwölf Jahren machte. Doch nach der elften Klasse schmiss sie die Schule.

"Ich war kein Schulmensch. Das war nicht meins", resümiert sie rückblickend, ohne die Entscheidung zu bereuen. "Ich hatte keine Lust auf Lernen. Ich wollte lieber etwas in der Praxis machen."

Auf Anraten ihrer Mutter holte sie ihre Fachhochschulreife nach. Weil in Cuxhaven kein Platz mehr frei war, ging sie auf die Berufsbildenden Schulen in Bremerhaven. "Das war die beste Entscheidung. Da hat Schule wieder Spaß gemacht - weil es fachspezifisch war."

Als junge Frau in Brennpunkt-Kita

Ihr Jahrespraktikum absolvierte die Hobby-Handballerin, die beim TSV Altenwalde spielt, in einer Brennpunkt-Kita im Bremerhavener Stadtteil Lehe. "Da habe ich gemerkt: Da blühe ich auf. Das ist das, was ich machen möchte." Die Arbeit mit Kindern aus sozial benachteiligten Familien habe Plock angetrieben. Ihren Abschluss schaffte sie mit einem Schnitt von 1,1, wozu Plock betont: "Da kann man mal sehen, was es ausmacht, wenn das Lernen Spaß macht."

Nach der Fachholschulreife "standen mir alle Türen offen", erinnert sie sich. Es zog sie an die Hochschule nach Osnabrück. "Die stand im Ranking ganz oben und der Info-Tag hat mir gut gefallen. Gelernt wurde in kleineren Gruppen von 40 Studenten. Es waren nicht die großen Vorlesungssäle; da wäre ich untergegangen", mutmaßt Plock. Außerdem war die Nähe zur Heimat für ihre Wahl ausschlaggebend. "Ich bin ein Familienmensch. Es fiel mir schon schwer, überhaupt wegzugehen", erklärt die 29-Jährige, die zusammen mit Mann Max und Sohn Enno in Altenwalde lebt.

Nach drei Jahren in Osnabrück absolvierte sie 2015 ihr Anerkennungsjahr im Haus der Jugend. Sie übernahm die mobile Jugendarbeit. Weil ein Kollege sich nach seiner Elternzeit umorientierte, bewarb sie sich auf die freie Stelle - mit Erfolg. Inzwischen ist sie stellvertretende Stadtjugendpflegerin. Ab Mai übernimmt sie die Abteilungsleitung.

Fokus auf städtische Jugendarbeit

"Jetzt kann ich an anderen Stellschrauben drehen als vorher - zum Beispiel in Ausschüssen", freut sich Plock auf die neue Herausforderung. Hauptaufgabe wird die Leitung des Hauses der Jugend mit dem Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Den Fokus will sie auf die städtische Jugendarbeit legen, in der Verwaltung und in Gremien als "Sprachrohr der Jugendlichen" agieren. "Ich werde ihre Interessen vertreten und diese in Ausschüsse hineintragen", verspricht die 29-Jährige, die den Jugendbeirat seit der Gründung 2016 unterstützt und begleitet. "Im Herzen bin ich immer noch Sozialarbeiterin", schwärmt Plock, die als Ausgleich zur Büroarbeit auch weiterhin praktische Arbeit wie das Basteln gemeinsam mit Kindern ausführen will.

Das Haus der Jugend, in dem aktuell unter den Kollegen eine Verjüngung stattfinde, sieht sie als "unglaublich tollen Arbeitsplatz" mit einem ganz besonderen Arbeitsklima an. "Es erleichtert die Arbeit, wenn man den Rückhalt aus dem Team hat."

Für immer erinnern wird sie sich an ihre erste in Eigenregie geplante Fahrt nach Dänemark mit einer neunköpfigen Mädchengruppe. Noch heute - sieben Jahre später - kommen die Teilnehmerinnen ins Haus der Jugend "und holen sich ihre Umarmung ab".

Oftmals mit dabei ist auch Sohn Enno, der in Kürze vier Jahre alt wird: "Er wächst hier auf. Er liebt es, mit Mama zur Arbeit zu gehen. Das ist für ihn das Größte", schwärmt die junge Mutter, die auch den pädagogischen Wert sieht: "Es ist so schön zu sehen, wie sich die Jugendlichen um ihn kümmern."

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Joscha Kuczorra

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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