Krankenhaus nach Pilzmahlzeit

Gefühlt ganz Cuxhaven sammelt Pilze: Aber besser gut aufpassen

von Maren Reese-Winne | 01.11.2022

Cuxhaven. Auf den Wegen im Wernerwald und im Altenwalder Forst bewundern Pilzsammlerinnen und Pilzsammler dieser Tage oft gegenseitig ihre Schätze. So richtig wohl ist aber nicht jedem nach der Pilzmahlzeit.

Manch einer bezahlt die Pilzmahlzeit nur mit einer schlaflosen Nacht; manchmal lässt sich aber der Weg ins Krankenhaus nicht vermeiden - und das sogar, wenn sich gar kein giftiger Pilz im Gericht befunden hat. Den Grund kennt Dr. Benjamin Frick, Chefarzt der Gastroenterologie in der Helios-Klinik Cuxhaven: "Viele Erkrankungen sind auf die falsche Zubereitung der Pilze zurückzuführen."

Er erklärt: Während Champignons auch roh zu verzehren seien, könne der Genuss anderer roher und ungenügend gedünsteter Speisepilze mitunter schwere Folgen haben, denn viele Speisepilz-Arten enthielten Toxine, die erst durch das Erhitzen zerstört werden. Pilze sollten grundsätzlich nur gekocht oder gebraten verzehrt werden  - aber auch sonst können Fehler gemacht werden.

Auf Doppelgänger achten

Generell tritt eine Pilzvergiftung durch den Verzehr von Pilzen auf, die Pilzgifte enthalten. "Je nach Menge und Art der verzehrten Pilze kann eine Pilzvergiftung tödlich enden. Bei stark giftigen Pilzen reichen bereits kleinste Mengen aus", so Frick. Er weist darauf hin, dass in unseren Wäldern giftige Pilze wachsen, die nicht sofort von ähnlich aussehenden Speisepilzen unterschieden werden können. Fast jeder essbare Pilz habe einen giftigen bis hochgiftigen Doppelgänger.

Der "Zwilling" des Champignons sei der hochgiftige Knollenblätterpilz, der durch seine Zellgifte starke Leberschäden bis hin zum Leberversagen hervorrufen könne.

Erst sammeln, dann braten - aber schnell

Doch nicht nur durch die Doppelgänger träten Vergiftungen auf, sondern Hauptverursacher für Pilzvergiftungen seien vor allem zu alte, zu lange oder falsch gelagerte Pilze. Aus diesem Grund seien der luftige Transport im Korb, die kühle Lagerung und die schnelle Zubereitung besonders wichtig. Pilze, die im Spätherbst nachts  kalten Temperaturen ausgesetzt seien und am Tage wieder auftauten, sollten auch nicht mehr gesammelt werden.

Frick: " Wenn nach der Pilzmahlzeit starke krampfartige Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall auftreten, rufen Sie sofort den Notarzt oder die Giftnotrufzentrale an. Die Bestimmung der Vergiftung wird erleichtert, wenn man Pilz-Reste oder Erbrochenes aufbewahrt hat. Und ganz wichtig: Informieren Sie alle an der Mahlzeit beteiligten Personen."

Auch stationäre Aufnahmen

In der Helios Klinik Cuxhaven sind Patientinnen und Patienten mit Pilzvergiftungen aufgrund des Verzehrs von giftigen Pilzen eher die Ausnahme, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. In vereinzelten Fällen wurden in den letzten Wochen Patientinnen und Patienten stationär aufgenommen, die Vergiftungserscheinungen nach dem Verzehr von Pilzen aufwiesen. Diese seien jedoch vielmehr auf die falsche Zubereitung der Pilze zurückzuführen gewesen.

Folgende Präventionsmaßnahmen nennt der Arzt:

- Sammeln Sie keine Pilze, die Sie nicht kennen.

- Vertrauen Sie nicht auf eine Pilz-App oder Angaben aus dem Internet.

- Machen Sie sich unbedingt mit den häufigen und besonders giftigen Pilzarten vertraut.

- Verwenden Sie einen Korb oder andere luftige Gefäße zum Sammeln und lassen Sie zu alte, madige und zu kleine Pilze stehen.

- Auch eine Geruchsprobe kann helfen, wenn man sich nicht sicher ist. Nur wenn die Pilze frisch und aromatisch riechen, sollten sie mitgenommen werden.

- Wenden Sie sich vorzugsweise an einen geprüften Pilzkenner, der die ihm vorgelegten Pilze erkennen und bestimmen kann. Ansprechpartner gibt es auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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