Es gibt einen Haken: Kauft die Stadt Hemmoor jetzt selbst eine ehemalige Kirche?
Auf den ersten Blick ein Schnäppchen: eine ehemalige Kirche als "Massivhaus" mit einer Wohnfläche von 260 Quadratmetern auf einem fast 1800 Quadratmeter großen Grundstück. Aber einen Käufer gibt es nicht. Schlägt die Stadt Hemmoor jetzt selbst zu?
Der Haken: Es handelt sich um ein ehemaliges Kirchengebäude. Eine alternative Nutzung oder Planung ist dort nicht möglich - noch nicht. Möglicherweise wird die Stadt aber Eigentümerin, denn das Vorkaufsrecht hat sie sich schon einmal gesichert.
Es passt so gar nicht recht zu den Backsteinfassaden im Umfeld: das Gotteshaus der Neuapostolischen Kirche. Die Türen sind seit vielen Jahren geschlossen. Wer einen Gottesdienst besuchen möchte, wird auf einem Zettel an der Eingangstür an die Kirchengemeinden in Otterndorf, Stade und Bremervörde verwiesen. Deutlich größer und bunter als dieses lieblos gestaltete Stück Papier ("Die Gemeinde ist geschlossen") ist das Plakat im Info-Kasten vor dem Gebäude. Dort verweist das Cuxhavener Maklerbüro "Heße-Immobilien" darauf, dass die ehemalige Kirche zum Verkauf steht. Doch Makler Günter Heße hat noch kein Geschäft gemacht. Nicht das Gebäude steht einem Verkauf im Wege, sondern vielmehr die auf ein Minimum beschränkte Nutzungsmöglichkeit, denn laut Bebauungsplan könnten dort nicht einfach Geschäfts- und Wohngebäude entstehen oder die Kirche für derartige Zwecke genutzt werden. Das gibt der Plan nicht her.
240.000 Euro als
Verhandlungsbasis
Es ist nicht das erste Kirchengebäude, das die Neuapostolische Kirche aufgeben muss. Sie teilt das Schicksal anderer Konfessionen, denen Gläubige den Rücken kehren. Aus Kostengründen werden Immobilien aufgegeben. So auch zum Beispiel im vergangenen Jahr in Cuxhaven, wo ein ehemaliges Gotteshaus an der Theodor-Storm-Straße zum Verkauf angeboten worden war. Nahezu 750.000 Euro waren für das Gebäude von einem Maklerbüro als Kaufpreis aufgerufen worden.
Im Kaufpreis enthalten:
eine Empore
In derartigen finanziellen Dimensionen bewegt man sich in Hemmoor nicht. Die ehemalige Kirche, die direkt an der Kreuzung der Zentrumstraße / innerörtliche B 495 neben dem Fitness-Center "Clever Fit" liegt, ist für einen Kaufpreis von 240.000 Euro zu haben. Der von der Kirche eingeschaltete Makler wirbt mit einem "Gebäude mit viel Potenzial im Herzen von Hemmoor". In der Objektbeschreibung ist als Baujahr "ca. 1973" genannt sowie von einer "massiven Bauweise" und "großer Nutzfläche" ("Erdgeschoss mit kleiner Zwischenebene im ehemaligen Versammlungsraum - Empore") die Rede. Der Versammlungsraum sei rund 116 Quadratmeter groß; über ihn gelange man auch zu der Empore. Teeküche, Sanitärräume, Heizungsraum - alles sei vorhanden. Noch dazu handele es sich um eine barrierefreie und rollstuhlgerechte Immobilie.
Günter Heße hat zwar schon einige Besichtigungstermine mit interessierten Käufern in diesem ungewöhnlichen Gebäude absolviert, aber angebissen hat noch niemand. "Angesichts des Bebauungs- und Flächennutzungsplanes gestaltet sich ein Verkauf schwierig", räumte Heß eam Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion ein. Er gibt die Hoffnung aber nicht auf, dass sich möglicherweise noch eine Lösung findet und das Gebäude sowie das Gelände mehr Gestaltungsmöglichkeiten für einen potenziellen Käufer bieten. Heße: "Es gab schon konstruktive und positive Gespräche mit der Stadt."
Stadt: "Sehr
exponierte Lage"
Schlägt die Kommune vielleicht auch selbst zu? Auf der jüngsten Sitzung hat sich der Stadtrat zumindest für ein "besonderes Vorkaufsrecht" entschieden. Von einer "sehr exponierten Lage" der Immobilie und des Grundstückes ist die Rede. Insbesondere komme die Lage "für die Entwicklung von Gastronomie, Kultur und Einzelhandel, kombiniert mit Wohnen," in Betracht". Dafür müsse dann aber der Bebauungsplan "entsprechend diesen Zielvorstellungen" geändert werden. "Diese Änderung sollte jedoch erst dann erfolgen, sobald eine konkrete Nutzung in Aussicht steht, um den Bebauungsplan genau für diese Nutzung zu konzipieren", so der Rat. Im Klartext: Findet sich ein Interessent, der zur städtebaulichen Konzeption passt, gibt es möglicherweise eine Planänderung. Gleichzeitig sichert sich die Stadt aber auch die Option, selbst Eigentümerin zu werden, wenn es völlig andere Vorstellungen gibt.
Es wäre nicht das erste Mal, dass dieses zentrale "Filetstück" im Hemmoorer Zentrum ins Gespräch für eine öffentliche Nutzung kommt. Bereits bei den Plänen für den Bau eines "Bürgerhauses", die aktuell nicht über ein halbherziges Planungsstadium hinauskommen, war die ehemalige Kirche ebenfalls ins Spiel gebracht worden.
