Wer ist Hendrik Lunden? Der Samtgemeindebürgermeister-Kandidat aus Hemmoor im Porträt
Er hört zu, fragt nach und will nah bei den Menschen sein: Hendrik Lunden bewirbt sich um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Hemmoor. Der parteilose Kandidat setzt auf Wirtschaftsförderung, Ehrenamt und eine bürgernahe Verwaltung vor Ort.
Es geht vorbei an Maschinen, Werkbänken und Metallregalen: Martin Bütje führt Hendrik Lunden durch die Werkstätten seines Unternehmens in Hemmoor. Bütje Metallbau ist seit mehr als einem Jahrhundert ein Familienbetrieb. 1919 gegründet, wird das Unternehmen heute in vierter Generation geführt. Neben Blechbearbeitung und Metallbau gehören Gartengeräte und Landtechnik zum Geschäft. 23 Menschen arbeiten hier, darunter vier Auszubildende.
Lunden will bei seinem Besuch vor allem zuhören: Welche Bedingungen brauchen Unternehmen, um am Standort erfolgreich zu bleiben? Für Bütje sind Wohnraum, Schulen und Kindertagesstätten dabei von zentraler Bedeutung. Solche Gespräche gehören für Lunden seit Monaten zum Wahlkampf. Rund zehn Firmen in der Samtgemeinde Hemmoor hat er besucht, dazu zahlreiche Vereine, Einrichtungen und Organisationen. Er nennt diese Termine "Kennenlerngespräche". Erst zuhören, Informationen sammeln, dann Schlüsse ziehen: Für Lunden liefern die Gespräche wichtige Einblicke in Themen, die später auch politische Entscheidungen prägen können.
Am 13. September will der gebürtige Hemmoorer zum Samtgemeindebürgermeister gewählt werden. Der 40-Jährige tritt parteilos an und wird von der SPD unterstützt. Einen Tag nach der Wahl wird er 41. Ob es dann eine Sieges- oder eine Trostfeier gibt, ist offen.
Wirtschaftsförderung zählt Lunden zu den wichtigsten Aufgaben für die kommenden Jahre. Bestehende Betriebe müssten gehalten, neue Unternehmen angesiedelt werden. Dabei gehe es nicht allein um freie Flächen. Aus Gesprächen mit Unternehmern habe er mehrfach mitgenommen, dass die Kommunikation mit der Verwaltung besser werden müsse. Betriebe sollten frühzeitig Ansprechpartner finden, wenn sie erweitern wollen, Probleme haben oder über ihre Zukunft am Standort nachdenken.
Schulen und Kitas sind auch Standortfaktoren
Der Besuch bei Bütje zeigt zugleich, wie weit Lunden den Begriff Wirtschaftsförderung fasst. Wer Fachkräfte gewinnen und halten wolle, brauche Wohnungen und eine Infrastruktur, die das Leben vor Ort attraktiv mache. Schulen und Kitas seien deshalb auch Standortfaktoren. Weil Gewerbeflächen insbesondere in Hemmoor knapp werden könnten, setzt Lunden zudem auf Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Ein gemeinsames Gewerbegebiet von Osten und Hemmoor hält er für denkbar.
Seine eigene Verwurzelung in Hemmoor spielt in Lundens Kandidatur eine große Rolle. Er ist hier geboren und aufgewachsen, lebt heute mit seiner Frau und den drei Kindern in der Stadt. Seine Eltern wohnen nur wenige Häuser entfernt. Auf dem Arm trägt er ein Anker-Tattoo als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Region - zugleich ist es ein Partnerschafts-Tattoo, das ihn mit seiner Frau verbindet.
Diese Verbundenheit zeigt sich auch im Ehrenamt. Lunden engagiert sich in mehreren Vereinen, unter anderem in Vorständen des SC Hemmoor, der Verkehrswacht und des Schützenvereins Warstade. "Ich bin Ehrenamtler durch und durch", sagt der 1,93-Meter-Mann. Vereine und Feuerwehren seien ein wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Lebens in den einzelnen Orten. Gleichzeitig sieht er dort noch Potenzial: Zu häufig koche jeder Verein "sein eigenes Süppchen". Wenn Vereine, Institutionen und Verwaltung stärker zusammenarbeiteten, könne die Samtgemeinde mehr erreichen und den Zusammenhalt stärken.
Auch seine Vorstellung vom Bürgermeisteramt ist stark von Nähe geprägt. Verwaltung solle sich als Dienstleister verstehen, sagt Lunden. "Jeder Bürger, der zu mir kommt, ist mein Nachbar oder mein Sportkamerad." Er will Sprechstunden in den Mitgliedsgemeinden anbieten und selbst dorthin gehen, wo die Menschen leben.
Verwaltung ist Lunden vertraut: Seine Ausbildung absolvierte er in der Samtgemeindeverwaltung Hemmoor, heute leitet er beim Landkreis Stade die Abteilung Verkehr. Als Führungskraft setzt er nach eigener Aussage auf Vertrauen. "Ich bin nicht allwissend", sagt er. "Ich bin immer nur so gut wie meine Truppe."
Dass hinter dem Verwaltungsfachmann auch ein Perfektionist steckt, zeigt eine kleine Wahlkampfgeschichte: Als ihm beim Verteilen seiner Wahlkampf-Flyer auffiel, dass in einem Haus ein Exemplar fehlte, stieg er noch einmal aufs Fahrrad und brachte genau diesen einen Flyer vorbei. "Im Kopf musste es fertig sein", erzählt er. Seine Frau kenne diese Seite an ihm gut.
Gewinnt er die Wahl, würde für ihn ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gehen. Seine Kinder sollen später über seine Zeit als Bürgermeister vor allem sagen können: "Er ist sich treu geblieben, hat sich nicht verstellen lassen."
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