Vom Bauernhof in Ihlienworth zum Justizminister in Kiel: Emil Schmalfuß wird 80
Emil Schmalfuß hat es vom Bauernhof in Ihlienworth bis an die Spitze der Kieler Justiz und ins Ministeramt gebracht. Am Donnerstag (30. Juli) wird der frühere parteilose Justizminister 80. Noch immer ist er als Anwalt und Mediator tätig.
Wer Emil Schmalfuß nach dem Grundsatz seines beruflichen Lebens fragt, bekommt eine klare Antwort: die Anliegen der Menschen ernst nehmen, sorgfältig abwägen und dann mutig entscheiden. Diese Haltung begleitete ihn vom Bauernhof in Ihlienworth bis an die Spitze des Landgerichts Kiel und in die schleswig-holsteinische Landesregierung. "Man muss gründlich prüfen und mutig sein, wenn man Entscheidungen trifft", sagt Schmalfuß. Zuvor müsse man aufmerksam zuhören und sich in die Bedürfnisse der Menschen einfühlen. Das gelte für die Justiz ebenso wie für die Politik.
Am 30. Juli wird der frühere Richter, Gerichtspräsident und Justizminister 80 Jahre alt. Noch immer arbeitet er zwei oder drei Tage pro Woche als Rechtsanwalt, vor allem als Mediator und in Schiedsverfahren. Ihm geht es darum, unterschiedliche Interessen zu verstehen und Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten leben können.
Kindheit zwischen Gastwirtschaft und Viehwaage
Emil Schmalfuß wurde am 30. Juli 1946 in Ihlienworth geboren und wuchs auf einem Bauernhof an der Medem auf. Zur Familie gehörten auch eine Gastwirtschaft, eine Viehwaage, eine Deckstation und ein Kolonialwarenladen. Sein Vater Edmund betrieb zudem ein Rundfunk- und Fernsehgeschäft. Der Sohn begleitete ihn gelegentlich zu Reparaturen in die Dörfer - außer, wenn der Fußball rief. Schmalfuß spielte als Mittelstürmer für den TSV Ihlienworth.
Nach dem Abitur in Otterndorf studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg und Kiel. 1974 begann er als Richter am Landgericht Kiel. Es folgten Stationen am Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht und erneut am Landgericht Kiel. 1990 wurde er Vorsitzender Richter, 1995 Vizepräsident und 2004 Präsident. Dieses Amt bezeichnet er bis heute als seinen größten beruflichen Erfolg.

2009 schlug die FDP den parteilosen Juristen als Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration der schwarz-gelben Landesregierung vor. Auch die Atomaufsicht gehörte zu seinem Ressort. Schmalfuß musste sich in einer politischen Welt zurechtfinden, in der Mehrheiten, öffentliche Wirkung und Parteitaktik eine größere Rolle spielen als im Gerichtssaal.
Er blieb seiner sachlichen Linie treu und setzte nach eigener Aussage auf "die Macht der Argumente". Zu seinen Anliegen gehörte eine Liberalisierung des Ausländerrechts. In der Atompolitik trat er für einen geordneten Ausstieg ein und lag damit nicht immer auf Regierungslinie. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 veränderte sich die politische Debatte grundlegend. Seine Amtszeit endete 2012 nach der vorgezogenen Landtagswahl. Gern hätte er weitergemacht, sagte Schmalfuß später über seine knapp drei Jahre in der Landespolitik.

Die politische Entwicklung verfolgt der gebürtige Cuxländer auch heute noch aufmerksam. Besonders besorgt ihn der veränderte Umgangston, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Früher seien Auseinandersetzungen zwar intensiv, aber stärker sachorientiert gewesen. Heute drohten Zuspitzungen und persönliche Angriffe die Suche nach tragfähigen Lösungen zu verdrängen. "Die politische Mitte muss gestärkt werden, weil ansonsten die Ränder gestärkt werden. Genau das passiert gerade", sagt er.
Justiz hat sich im Laufe der Jahre stark verändert
Auch die Justiz habe sich seit Beginn seiner Laufbahn stark verändert, sagt Schmalfuß. Die Digitalisierung könne Abläufe beschleunigen und lange Prozessdauern verhindern. Technik allein garantiere jedoch keine gerechte Justiz. "Die persönliche Begegnung mit den Menschen muss weiterhin im Vordergrund stehen", betont er.
Diese Überzeugung prägt seine heutige Arbeit als Mediator. Dabei entscheidet kein Gericht über Gewinner und Verlierer. Die Beteiligten suchen mit Unterstützung eines neutralen Vermittlers selbst nach einer tragfähigen Vereinbarung. So können Konflikte nicht nur beendet, sondern Beziehungen häufig auch erhalten werden.
Schmalfuß ist seit dem Tod seiner Frau im Jahr 2020 verwitwet. Er hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Sie halten ihn mit Schule, Kita und Sportverein auf Trab. Für die kommenden Jahre wünscht er sich, aktiv zu bleiben, zu reisen und die Entwicklung seiner Enkel zu begleiten. Seinen 80. Geburtstag feiert er mit Familie, Freunden, beruflichen Weggefährten und Nachbarn.
Sein Lebensmittelpunkt liegt seit Langem in Schleswig-Holstein, doch die Verbindung zum Cuxland besteht fort. Bei Besuchen in der alten Heimat gehören der Blick über den Deich und vertraute Orte dazu. Der frühere Gerichtspräsident und Minister ist immer auch einer aus Ihlienworth geblieben.
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