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Starkregen sorgt immer wieder auch im Kreis Cuxhaven für Einsätze der Feuerwehren. Dürfen Kommunen dabei tatenlos zuschauen? Oder können sie auch präventive Maßnahmen hinsichtlich der möglichen Auswirkungen ergreifen? Foto: Jan Eifert/dpa
Starkregen sorgt immer wieder auch im Kreis Cuxhaven für Einsätze der Feuerwehren. Dürfen Kommunen dabei tatenlos zuschauen? Oder können sie auch präventive Maßnahmen hinsichtlich der möglichen Auswirkungen ergreifen? Foto: Jan Eifert/dpa
Ignorieren oder handeln?

Klimakrise: Jetzt kennen Kommunen im Kreis Cuxhaven ihre bedrohlichen "Hotspots"

von Egbert Schröder | 01.10.2026

Kreis und Kommunen liegt ein nahezu 250 Seiten starkes Konzept vor, in dem beschrieben wird, wo es bei der Bekämpfung der Klimakrise vor Ort Handlungsbedarf gibt. Jetzt sind die neuen Räte gefragt, auf Starkregen und Hitzewellen zu reagieren.

Sieht ziemlich trostlos aus: eine weitgehend versiegelte Fläche mitten in Hemmoor auf dem Discounter- und Fachmarktgelände. Schattenspendende Bäume gibt es kaum. Beste Voraussetzungen für einen "Hitze-Hotspot". Foto: Schröder

"Kreis und Kommunen sitzen in einem Boot", heißt es bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit. Beim Kampf gegen die Klimakrise sitzen sie tatsächlich in einem Boot - und zwar in einem Rettungsboot. Starkregenereignisse und Hitzewellen kennen keine Grenzen; schon gar nicht Gemeindegrenzen. Jetzt liegt ein rund 250 Seiten umfassendes Paket mit einer Fülle von Daten und Fakten für das Cuxland vor; auch zu sogenannten "Klima- und Starkregen-Hotspots" in einzelnen Kommunen. Es ist eine Zustandsbeschreibung, Prognose und Handlungsauftrag zugleich.

"Konzept zur nachhaltigen Klimaanpassung und für natürlichen Klimaschutz" lautet der Titel der Zusammenstellung, auf der farbenfroh unser Planet, die Sonne, grüne Blätter und Regenwolken abgebildet sind. Das Cover könnte auch als Malbuch durchgehen, doch wer die ersten Seiten liest, weiß, dass es gerade nicht darum geht, die Welt in kunterbunte Farben zu tünchen.

"Nicht mehr zu verhindern"

Das Gegenteil ist der Fall. "Auch wenn wir bereits viele Maßnahmen und Projekte im Bereich des Klimaschutzes umgesetzt haben und weiterhin umsetzen, müssen wir eingestehen, dass selbst bei konsequentem Klimaschutz bestimmte klimatische Veränderungen nicht mehr zu verhindern sind. Klimaanpassung ist daher kein Gegenentwurf zum Klimaschutz, sondern die notwendige Ergänzung. Wichtig ist, dass wir handlungsfähig bleiben und uns frühzeitig und gemeinsam auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereiten. Dieses Klimaanpassungskonzept ist eine Chance für einen klimaresilienten und zukunftsfähigen Landkreis Cuxhaven. Es ermöglicht eine strategische Planung und gezielte Vorbereitung auf die Herausforderungen", beschreibt Landrat Thorsten Krüger in seinem Vorwort die Situation. Klimaanpassung sei nun mal eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe".

Um diese Aufgabe zu schultern, haben sich der Landkreis, neun kreisangehörige Kommunen und etliche Experten in verschiedenen Themenrunden und wechselnder Besetzung getroffen, um sich unter anderem über "Handlungsfelder" (zum Beispiel Land- und Wasserwirtschaft, biologische Vielfalt und Küsten- und Meeresschutz) sowie über sogenannte "Hitze- und Starkregen-Hotspots" zu unterhalten.

Ganz konkrete Erläuterungen

In dem Konzept wimmelt es von Begriffen wie "Verstetigungsstrategie" "Identifizierte Handlungsfelder und Methodik" und "Betroffenheitsanalyse". Hört sich im ersten Moment alles eher abstrakt an - ist es aber auf den zweiten Blick nicht. Neben grundlegenden Erhebungen, Darstellungen und Abschätzungen der weiteren Klimaentwicklung auch im Bereich des Cuxlandes gibt es ganz konkrete Erläuterungen und Empfehlungen, wie Städte und Gemeinden ihren Beitrag leisten können, um vor Ort zu agieren, damit es zu einer Klimaverbesserung kommt - oder besser: überhaupt kommen kann.

Hitzeprobleme in der "Kernstadt"

Nur ein Beispiel ist die Stadt Hemmoor, wo die sogenannten "Hitze-Hotspots" identifiziert worden sind. Mehr als deutlich wurde, dass es insbesondere durch großflächige Versiegelungen von Flächen in der "Kernstadt" mehrere Bereiche gibt, die zu einer hohen Wärmeentwicklung führen. 

In anderen Kommunen sieht das völlig anders aus: "In der Samtgemeinde Börde Lamstedt treten Hitze-Hotspots insgesamt nur in sehr geringem Umfang auf", heißt es. Dies liege unter anderem an der "ausgeprägt dörflichen Siedlungsstruktur".

"Hoch verdichteter Ortskern"  

Doch die Börde hat ganz offensichtlich bei möglichen Starkregenereignissen Handlungsbedarf: "Besonders hervor sticht der Kernort Lamstedt mit mehreren Hotspotbereichen. Der hoch verdichtete Ortskern wird auch von den Experten als sensibel eingeschätzt. Problematisch sind nach Einschätzung der Experten außerdem unter anderem die Hemsothstraße, der Bereich nördlich der Bördehalle mit fehlenden Versickerungsflächen und einer nahezu ohne Gefälle verlegten Rohrleitung sowie im Bereich An der Grösche und in der Wischhofstraße, wo bereits bei vergleichsweise geringen Niederschlagsmengen Betroffenheiten auftreten. Auch entlang des Stinstedter Randkanals zeigen sich Auffälligkeiten in Richtung Ortskern. Dieser übernimmt eine zentrale Entwässerungsfunktion für Lamstedt."

Maßnahmen gibt es nicht zum Nulltarif

Und nun? Es ist nicht so, dass der Landkreis jetzt anrückt, um sich in den Kommunen um "Hotspots" und andere Probleme zu kümmern. Der Ball liegt im Feld der Städte und Gemeinden. Sie müssen entscheiden und regeln, wie sie die Probleme angehen. Eine Entsiegelung von Flächen? Die Anpflanzung von Bäumen? Ein optimiertes Wassermanagement? 

All das gibt es nicht zum Nulltarif, aber es wird eine Aufgabe der neuen Räte und auch des Kreistages sein, nicht nur über das Klima zu reden, sondern auch zu handeln.

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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