Kreis Cuxhaven statt Hannover: Warum ein Landtagsabgeordneter 2027 Schluss macht
Noch sitzt er im Landtag. Doch 2027 ist damit Schluss. Der Landtagsabgeordnete Oliver Lottke möchte Bürgermeister in Loxstedt werden. Er ist nicht der einzige Landespolitiker, der auf die kommunalpolitische Karte setzt. Aber was reizt ihn daran?
Kreis Cuxhaven. Noch sitzt er im Landtag. Doch 2027 ist damit Schluss. Der Landtagsabgeordnete Oliver Lottke will wechseln und hauptamtlicher Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Loxstedt werden. Er ist nicht der einzige Landespolitiker, der auf die kommunalpolitische Karte setzt oder schon gesetzt hat. Aber was reizt ihn daran, sich künftig um Bebauungspläne, Streichungen im Haushalt, Schulschließungen und Bürgerfrust zu kümmern, statt in einer Partei mit Regierungsverantwortung landesweit Weichen zu stellen? Unsere Redaktion hat bei ihm nachgefragt.
Loxstedt zählt zum sogenannten "Speckgürtel" Bremerhavens. Viele Arbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer, die in Bremerhaven beschäftigt sind, haben dort ihren Wohnsitz. Loxstedt gilt daher nicht gerade als das "Armenhaus" des Cuxlandes, sondern profitiert von dieser Nähe zur Seestadt. Seit rund zwei Jahrzehnten ist Detlef Wellbrock Chef im Loxstedter Rathaus. Doch der versierte und parteilose Verwaltungsfachmann tritt bei der Kommunalwahl im September nicht erneut an.
Bürgerinitiative als Einstieg
Die Suche nach einem potenziellen Nachfolger hat längst begonnen. Und irgendwann fiel auch Oliver Lottkes Name. Lottke ist einer der führenden Köpfe bei den Sozialdemokraten im Cuxland, Kreisvorsitzender der Partei, er ist Sprecher der SPD im Loxstedter Gemeinderat, sitzt im Kreistag und gehört dem Landtag seit zwei Wahlperioden an. Eine weitere wird es für ihn in Hannover nicht geben. Das Kapitel hat er abgeschlossen - egal, wie die Bürgermeisterwahl ausgeht.
Ist das ein Rückschritt? Der Landtagsabgeordnete sieht das völlig anders. Lottke, der über eine Bürgerinitiative gegen den Bau eines Funkmastes am Loxstedter Schulwald in die Kommunalpolitik gekommen ist, meint: "Auf der kommunalen Ebene fängt die Demokratie an." Eine Floskel? Auch da widerspricht der 53-Jährige. Man müsse sich doch nur einmal in die Situation von Menschen versetzen, die in kleinen Orten leben würden, in denen die Infrastruktur - vom Bäckerladen bis zur Hausarztpraxis - Stück für Stück wegbreche. Dort würden die Betroffenen natürlich erwarten, dass die Politik vor Ort gegensteuert. Das sei doch nachvollziehbar. Da sei Politik an der Basis gefordert.
Gleichzeitig müsse man, wenn es nötig sei, als Kommunalpolitiker oder Verwaltungsspitze aber auch noch den Mut aufbringen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen und zu begründen, wenn sie unvermeidbar seien. Für notwendige Schulschließungen dürfe man nun einmal keinen Applaus in der Bevölkerung verlangen. Lottke: "Da muss man dann auch in die Kommunikation gehen und sich Diskussionen stellen." Er glaube aber, dass ein ehrlicher "Dialog auf Augenhöhe" zwischen Politik und Bürgern viele Konflikte entschärfen oder sogar lösen könne.
"Herz schlägt für meine Heimat"
Lottkes angepeilter Weg aus dem Landtag ins Rat- oder Kreishaus ist gar nicht so selten. Das zeigt auch das Beispiel von Kai Seefried (CDU). Dem leidenschaftlichen Kommunalpolitiker aus Drochtersen wurde in Hannover eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Über zwölf Jahre gehörte er dem Landtag an und war zwischen 2017 und 2020 Generalsekretär der niedersächsischen CDU. Doch dann die ebenso plötzliche wie überraschende Kehrtwende: Als der damalige Stader Landrat Michael Roesberg seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärte, beendete Seefried seine Karriere in Hannover und erklärte: "Mein Herz schlägt für meine Heimat." 2021 wurde er dann in einer Direktwahl Stader Landrat.
"Direkt vom Volk gewählt"
Das Politik-Journal "Rundblick" (Hannover) kommentierte damals angesichts des Wechsels von Seefried und anderer Landtagsabgeordneter in die Kommunalpolitik, dass diese die "besondere Stellung der Landräte, Bürgermeister und Oberbürgermeister" schätzen würden, die als "direkt vom Volk gewählte Chefs der Verwaltungen in den Rat- und Kreishäusern einen relativ großen Gestaltungsspielraum" hätten: "Das ist schon ein Unterschied zu Landtagsabgeordneten, die allein meist wenig zur Prägung eines Gesetzes beitragen können, sondern dazu stets die Unterstützung anderer brauchen, weil sie sich ständig auch um Mehrheiten für ihre Positionen kümmern müssen. Objektiv ist für die Landtagsabgeordneten auch die Verknüpfung von kommunaler Leitfunktion und Arbeit im Landesparlament schwieriger geworden."
Zurück zu Oliver Lottke nach Loxstedt. Ob er sich als Bürgermeisterkandidat durchsetzen kann, wird sich zwar erst im September zeigen. Dass die Kandidatur für ihn die richtige Entscheidung ist, weiß er schon heute. "Egal, wie es ausgeht: 2027 trete ich nicht mehr als Landtagskandidat an, auch wenn es gute Jahre in Hannover waren und sind." Ihn reizen die Bürgernähe und die Gestaltungsspielräume, die Kommunen trotz aller Finanzengpässe hätten. Lottke: "Es ist Zeit für etwas Neues." Vor Ort und nicht in Hannover ...
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