Das ehemalige Landratsamt Neuhaus soll aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Foto: Kramp
Das ehemalige Landratsamt Neuhaus soll aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Foto: Kramp
Historischer Komplex

Mit 24 Wohnungen: Altes Landratsamt in Neuhaus (Oste) soll zum Wohnprojekt werden

von Wiebke Kramp | 10.08.2026

Mitwirkende gesucht: In Neuhaus (Oste) soll ein innovatives Wohnprojekt entstehen, das genossenschaftliches Wohnen und nachhaltige Sanierung vereint. Zwischen historischem Charme und moderner Vision: Die Pläne werden bald präsentiert. 

Diese Mauern atmen jede Menge Heimatgeschichte. Das Ensemble zeugt von der einstmals großen Bedeutung des Fleckens Neuhaus als Kreissitz. Das alte Landratsamt von 1723 sowie das Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1889 haben eine wechselvolle Historie hinter sich. Doch der berüchtigte Zahn der Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen. Nun aber gibt es innovative Ideen, dem leer stehenden Backsteinkomplex neues Leben einzuhauchen und dem Flecken zu einem Schwung neuer Einwohner zu verhelfen.

Mitten im historischen Ortskern in Neuhaus könnte in absehbarer Zeit wieder Leben einziehen. Für das Ensemble beim Amtshof Neuhaus planen Initiatoren ein genossenschaftlich organisiertes Wohnprojekt mit 24 Einheiten. Es soll allen Generationen Raum bieten: "Wir wollen gemeinsam Wohnen neu gestalten: Teilhaben und für sich sein können - mit Vision und Tatkraft und zugleich achtsam mit Natur und Mitmenschen."

Dafür werden interessierte Mitwirkende gesucht. Erstmals öffentlich präsentiert werden Projekt und erste Pläne am kommenden Freitag, 14. August 2026, um 19 Uhr in der Festhalle Neuhaus.

Der Gebäudekomplex soll 24 Wohneinheiten Platz bieten. Foto: Schröder

Von der selbstständigen Kölner Architektin Bettina Noesser und ihrem Mann kam die Initialzündung. In Nordrhein-Westfalen hatten sie kein geeignetes Objekt für ein genossenschaftliches Wohnprojekt gefunden. Durch die Freundschaft zu Birte Riel und Frank Maier geriet der historische Neuhäuser Gebäudekomplex mit Parkgrundstück in den Fokus.

In Freiburg bereits ein Projekt zum Leben erweckt

Das Ehepaar hatte 2025 in Freiburg/Elbe ihr eigenes Wohnprojekt "Haus der Horizonte - Wohnen und Leben ins Alter eG" mit acht Wohneinheiten fertiggestellt und bezogen. Frank Maier begleitet jetzt als Wohnprojektberater das neue Projekt "Neje Bihuus" mit seiner fachlichen Kompetenz. Er und seine Frau haben in Neuhaus im Pfarrhaus bereits ihr Büro bezogen und stehen beide selbst hinter diesem Projekt.

Bei der Info-Veranstaltung in der Festhalle stellt die Initiatorin Bettina Noesser den derzeitigen Planungsstand vor und zeigt die aktuellen Baupläne, für die dem Landkreis Cuxhaven bereits eine Bauvoranfrage vorliegt. Die Kaufpreisverhandlungen mit dem aktuellen Eigentümer - dem AWO Kreisverband Bremerhaven - laufen zurzeit. Das Vorhaben ist innovativ und solidarisch, aber auch ambitioniert und kostspielig. Allein mehr als sechs Millionen Euro Kosten werden für die umfangreichen Sanierungs- sowie Umbauarbeiten veranschlagt.

Lange Zeit war dort das Kinderheim untergebracht. Foto: Kramp

24 unterschiedlich große Wohnungen für jede Bedürfnisse

Entstehen sollen in Neuhaus 24 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe sowie perspektivisch ein neuer Mittelbau mit Gemeinschaftsräumen. Geplant ist, vielfältigen Bedürfnissen Platz zu geben und maß- und qualitätsvollen Raum zu schaffen für Wohngemeinschaften, Cluster-Wohnen, Einheiten für Familien, Paare, Singles, für Azubis oder RentnerInnen. Auch ein Bauwagenplatz ist denkbar. Wohngesund und nachhaltig soll es werden. Die Initiative steht erklärtermaßen für solidarisch finanziertes und sicheres Wohnen, Inklusion und integrativ für mehr Vielfalt und Miteinander sowie für Respekt gegenüber historischer Bausubstanz, der umgebenden Ortschaft und der Natur.

Das alte Landratsamt aus dem Jahr 1723, gebaut von Amtmann von der Pahlen, steht unter Denkmalschutz. Es besitzt ein markantes Sandsteinportal im Barockstil. 1889 kam ein weiteres Verwaltungsgebäude in der Nachbarschaft hinzu. Von 1947 bis 1958 war dort eine Außenstelle des Krankenhauses Otterndorf. Prägend war die Zeit von 1960 bis 2004. In diesen Jahren wurden die Gebäude als Kinderheim des Landes Hadeln und später des Landkreises Cuxhaven genutzt. In diesen Zeitraum fällt der Bau des Zwischengebäudes. Der Komplex stand ab 1. Januar 2005 unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Soziale Arbeit GmbH Loxstedt. Die AWO beendete Ende 2021 in Neuhaus ihre Jugendarbeit. Von 2023 bis Ende 2025 mietete der Landkreis Cuxhaven die Gebäude an, um dort Geflüchtete unterbringen zu können.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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