Unser Foto zeigt die Weser bei Nordenham: Schon lange ist geplant, die Fahrrinnen der Außenweser und der "Unterweser Nord" um bis zu einem Meter auszubauen. Angeblich größere Schiffe, sichere Jobs, aber auch Sturmfluten und Verschlickung: Die geplante Vertiefung der Weser spaltet. Foto: Sina Schuldt/dpa
Unser Foto zeigt die Weser bei Nordenham: Schon lange ist geplant, die Fahrrinnen der Außenweser und der "Unterweser Nord" um bis zu einem Meter auszubauen. Angeblich größere Schiffe, sichere Jobs, aber auch Sturmfluten und Verschlickung: Die geplante Vertiefung der Weser spaltet. Foto: Sina Schuldt/dpa
"Grundsätzliche Bedenken"

Skepsis im Kreis Cuxhaven angesichts weiterer Flussvertiefung

von Egbert Schröder | 18.05.2026

Erst die Elbe, jetzt die Weser? Die geplanten Eingriffe in das Ökosystem rufen im Cuxland Kritiker auf den Plan. Auch der Kreistag muss sich positionieren. In dieser Woche steht eine Ausschusssitzung zu dem brisanten Thema an.

Nach der Elb- jetzt die Weservertiefung? Erneut muss sich der Landkreis Cuxhaven positionieren, wie er sich zu einem Großprojekt und massiven Eingriff in ein Ökosystem bei gleichzeitiger Chance für Hafenentwicklungen verhält. Aktuell kursiert auf Kreisebene eine Stellungnahme, die der Hafenwirtschaft an der Weser kaum schmecken dürfte. Von "grundsätzlich erheblichen Bedenken" ist aktuell die Rede. Jetzt muss die Politik auf Kreisebene Farbe bekennen. Gibt es tatsächlich Gefahren für die Deichsicherheit und Landwirtschaft im Cuxland?

Die Diskussion um die Weservertiefung nimmt nun nach einem für den "Bund für Umweltschutz" (Bund) erfolgreichen  Rechtsstreit wieder Fahrt auf. Es ist eine Debatte, die inzwischen seit rund zwei Jahrzehnten geführt wird und neben dem Bundesverwaltungsgericht auch schon den Europäischen Gerichtshof beschäftigt hat.

Reedereien drängen auf Entscheidung

Zwischenzeitlich tat sich bei der Weservertiefung zumindest öffentlich nichts mehr, doch jetzt ploppt das Thema mehr denn je auf. Dabei geht es in erster Linie um monetäre Interessen. So hatten zwei weltweit agierende Reedereien angekündigt, knapp eine Milliarde Euro in den Bremerhavener Hafen zu investieren. Allerdings nicht ohne Vorbedingungen. So müssten die Außenweser verbreitert und vertieft sowie die Unterweser bis Brake für den Schiffsverkehr besser präpariert werden.

Dabei geht es nach verschiedenen Medienberichten um eine Vertiefung um rund einen Meter. Die Außenweser verläuft von der Nordsee bis Bremerhaven, die "Unterweser Nord" von Bremerhaven bis Brake. Hinter dem Gesamtprojekt stehen die beiden Landesregierungen in Bremen und Hannover, die sich dadurch einen Schub für die Hafenentwicklung versprechen.

Doch entlang der Weser weht auch ein rauer Gegenwind. Allen voran die Natur- und Umweltschutzverbände werden nicht müde, den bevorstehenden Eingriff in die Natur zu kritisieren. Und sie verharren bei ihrer Strategie nicht auf dem Stand der bereits erfolgten gerichtlichen Auseinandersetzung.

Vielmehr verweisen sie auf zwei zwischenzeitlich in Auftrag gegebene Studien, in denen dokumentiert sei, dass die meisten Schiffe bereits heute nicht einmal die aktuellen Tiefgänge der Weser-Fahrrinnen ausnutzen würden. Daher sei ein Eingriff in dieses Ökosystem nicht notwendig und wäre mit "weiteren massiven ökologischen Folgeschäden verbunden, wie sie an Weser, Elbe und Ems bereits in gravierender Weise festzustellen" seien.

Droht Versalzung von Agrarflächen?

Dabei gehe es an der Weser nicht nur direkt um Tiere und Pflanzen, sondern auch um eine drohende Versalzung landwirtschaftlicher Flächen, den Nackenschlag für die Flussfischerei und die Erhöhung des Tidenhubs und damit ganz direkt um den Deichschutz.

Ist diese Wahrnehmung allein Sache von Natur- und Umweltschutzorganisationen? Danach sieht es nicht aus, denn auch im Landkreis Cuxhaven gibt es kritische Stimmen. So liegt dem Umweltausschuss des Kreistages eine von der Verwaltung formulierte Stellungnahme des Landkreises Cuxhaven zur "Fahrrinnenanpassung der Außen- und Unterweser" vor, die weit entfernt von einem Freibrief zur Veriefungsmaßnahme ist.

"Jetzt schon starke Verschlickungen"

"Neben den höheren Sturmflutwasserständen, die durch weitere Vertiefungen tiefer ins Hinterland verschoben werden, wird sich auch die Versalzungslinse weiter ins Hinterland verschieben, sodass eine Süßwasserentnahme aus den Flüssen deutlich nach stromauf verlagert werden müsste. Hierunter leidet insbesondere die Landwirtschaft im Landkreis Cuxhaven, die in diesem Bereich aus der Weser zuwässert", heißt es unter anderem in der Stellungnahme.

Ferner werde der Sedimenttransport aus der Nordsee in die Ästuare begünstigt: "Die Anlegestellen an der
Wurster Nordseeküste haben jetzt schon mit starken Verschlickungen zu kämpfen. Im weiteren Verlauf
stromauf werden die Verschlickungstendenzen in den Sportboothäfen deutlich zunehmen."

Fachleute treffen sich am Donnerstag

Angesichts der Vertiefung werde das Weserwasser aus der Nordsee schneller ein- und ausströmen, wodurch
die Sielzeiten bei Niedrigwasser kürzer und die effektiv zu erzielenden Wasserspiegeldifferenzen kleiner
werden würden. Dies habe eine stärkere Belastung der Binnenentwässerung zur Folge, was wiederum das "Hochwassergefährdungspotenzial im Hinterland" deutlich erhöhe.

Ob der Kreistag bei seiner Sitzung eine von der Verwaltung formulierte kritische Haltung zur Weservertiefung tatsächlich beibehält oder abmildert, ist fraglich. Die erste öffentliche Diskussion wird es im Umweltausschuss am Donnerstag, 21. Mai, um 14.30 Uhr im Kreistag geben.

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Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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