Das Schifffahrtsessen 2026 in Cuxhaven: "Wir bereiten uns mit aller Kraft vor"
Das Schifffahrtsessen 2026 bot gleich zwei Gastredner mit großer Expertise zu Bundeswehr und Marine. Thema waren Cuxhaven als strategischer Knotenpunkt, der Marinefliegerstützpunkt sowie der Schulterschluss zwischen Bundeswehr und Gesellschaft.
Wenn der Nautische Verein Cuxhaven (NVC) und sein Vorsitzender Kapitän Arne Ehlers einladen, dann kommt, was Rang und Namen in der maritimen Wirtschaft hat. Beim traditionellen Schifffahrtsessen, das am Freitagabend in der Kugelbake-Halle über die Bühne ging, waren neben Persönlichkeiten aus Politik, Behörden, Wirtschaft und Gesellschaft auch zwei einflussreiche Redner mit großer Expertise für Bundeswehr und Marine geladen.
Der Gesang des Cuxhavener Shanty-Chores, die Gespräche und das "Netzwerken" an den vielen Tischen, das durchdringende Typhon-Signal, das Glasen der Schiffsglocke und natürlich der Matjes durften nicht fehlen. In einer kurzen Fragerunde gab es zudem Antworten und Grußworte von Innenministerin Daniela Behrens (SPD), Oberbürgermeister Uwe Santjer, dem Bundestagsabgeordneten Christoph Frauenpreiß und Landrat Thorsten Krüger.
"Wir sind mit einer neuen Wahrheit konfrontiert"
Bevor es zum Essen kam, folgte der erste Höhepunkt des Abends. Der Befehlshaber des Unterstützungskommandos, Gerald Funke, hielt in der Kugelbakehalle die Festrede. Funke warb für einen Schulterschluss zwischen Bundeswehr und Gesellschaft. Gerade für seinen Kommandobereich sei diese Zusammenarbeit ausschlaggebend, erklärte der Drei-Sterne-General, der rund 55.000 Soldaten befehligt. Damit ist das Unterstützungskommando (USK) nach dem Heer der zweitgrößte Teil der deutschen Streitkräfte.

Zunächst hielt er die aktuelle Ausgabe des "Spiegel" in die Luft. Der Titel: "Bedingt abwehrbereit" - ein Titel, den es 1962 schon einmal im selben Magazin gab. Damals war die Bundeswehr gemeint, der aktuelle Artikel bezieht sich allerdings auf die Gesamtgesellschaft. "Heute ist es wichtiger denn je, den Schulterschluss zwischen Militär und Gesellschaft auszubauen", sagte Funke. Er ergänzte: "Was man feststellen muss, ist, dass die Jahrzehnte des sicheren Friedens, umgeben von Freunden, hinter uns liegen. Wir sind mit einer neuen Wahrheit konfrontiert. Unser Friede, unsere Freiheit und unsere Werte waren noch nie so bedroht."
Russland führe einen rücksichtslosen Abnutzungskrieg gegen die Ukraine - rücksichtslos auch gegenüber der eigenen Bevölkerung und den eigenen Streitkräften. Dennoch schaffe es das Land aufzurüsten und die Zahl der Streitkräfte an der Ostgrenze zu verstärken. "Wenn wir Herrn Putin den Appetit auf das Bündnisgebiet nehmen wollen, dann sind zwei Faktoren entscheidend - und einer ist die Wehrhaftigkeit und Willigkeit des Gemeinwesens. Und nicht nur der Uniformierten, sondern aller."
Ein wichtiger strategischer Knotenpunkt
Die Vorsorge der zivilen Partner sei entscheidend. "Wenn es zur Bündnisverteidigung kommt, ist der größte Teil der Bundeswehr nicht mehr in Deutschland. Das heißt auch, dass Verlegung, Unterbringung, medizinische Versorgung und Betankung - all das wird in zivilen Händen liegen. Die enge Zusammenarbeit von Bundeswehr, zivilen Behörden, Katastrophenschutz, Blaulichtorganisationen, Wirtschaft und Verwaltung ist unerlässlich", so der General.

Die Hafenentwicklung und die Infrastruktur - etwa in Nordholz und Altenwalde - könnten Cuxhaven im Ernstfall zu einem wichtigen strategischen Knotenpunkt machen. "Es geht um Themen wie Folgeversorgung für die Truppe im Einsatz, Flüchtlingsbewegungen, die Versorgung von Verwundeten und Kriegsgefangenen. Das muss die Zivilgesellschaft leisten."
Die Bundeswehr müsse sich im Ernstfall auch auf die Unternehmen verlassen können. "Sie müssen ihre Betriebsgelände schützen und sich auch mit Drohnenabwehr beschäftigen", sagte Funke. Das sei nicht Aufgabe der Bundeswehr. Außerdem erklärte er, dass er sehr froh sei, dass Deutschland wieder in den Wehrdienst einsteige, und nahm Bezug auf kürzliche Schülerproteste: "Aktives Verweigern sendet ein falsches Zeichen. Wir als Soldaten wissen besser als viele andere um die Grausamkeiten des Krieges. Wir beschäftigen uns täglich damit. Und glauben Sie mir: Wir legen keinen Wert darauf, kämpfen zu müssen, bereiten uns aber mit aller Kraft darauf vor. Bei aller Friedenssehnsucht, die ich auch habe, zeugt dieser Protest von Realitätsverweigerung und Naivität."

Fokus auf Verteidigung und Abschreckung
Auf die Festrede folgten der traditionelle Matjes und anschließend die Kapitänsrede von Fregattenkapitän Klaus Lund, Kommandeur der Fliegenden Gruppe des Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin". In seinem Beitrag schilderte er seine Aufgaben und Erfahrungen mit der Seefahrt - ein Alltag, der sich deutlich von dem eines Kapitäns in der zivilen Schifffahrt unterscheidet.
Lund berichtete von Aufklärungsflügen über See ebenso wie von Einsätzen vor der Küste Somalia. Besonders eindrucksvoll schilderte er seine Missionen am Horn von Afrika: Dort absolvierte er viele hundert Flugstunden, um Piraten aufzuspüren und Kriegsschiffe zu deren Position zu führen. Dabei habe er auch erlebt, wie Piraten - "oft einfache junge Männer" - auf das Aufklärungsflugzeug feuerten. Für ihn selbst sei es das erste Mal gewesen, dass er unter Beschuss geraten sei.
"Die Einsätze waren intensive Erfahrungen, handwerklich jedoch vergleichsweise einfach", sagte Lund. Anspruchsvoller sei dagegen die U-Boot-Jagd. Diese sei fachlich deutlich komplexer und gehöre zu den militärischen Kernaufgaben der Marine. Gerade deshalb sei es wichtig, regelmäßig für die U-Boot-Abwehr zu trainieren und auf solche Szenarien vorbereitet zu sein. "Jetzt liegt der Fokus der gesamten Streitkräfte wieder auf den traditionellen Kernaufträgen Verteidigungsbereitschaft und Abschreckung", sagte Lund.
Bevor zum Ende des Schifffahrtsessens traditionell das Niedersachsen-Lied angestimmt wurde, verkündete der Nautische Verein noch, dass 3000 Euro Saalspende zusammengekommen waren. Das Geld soll dem Cuxhavener Shanty-Chor zugutekommen.
