Nach Stationen in Buxtehude, Buchholz-Rosengarten, Göppingen und Oldenburg beginnt für Lisa Borutta das größte Abenteuer ihrer Karriere. Foto: Dennis Leskys
Nach Stationen in Buxtehude, Buchholz-Rosengarten, Göppingen und Oldenburg beginnt für Lisa Borutta das größte Abenteuer ihrer Karriere. Foto: Dennis Leskys
Auslandstraum erfüllt

Altenwalder Handballerin Lisa Borutta wechselt zum französischen Erstligisten

von Denice May | 02.07.2026

Lisa Borutta wagt den großen Schritt und wechselt vom VfL Oldenburg zum französischen Erstligisten Toulon. Ab Juli beginnt für die 28-Jährige nicht nur ein neues Kapitel in ihrer Karriere, sondern auch in ihrem Leben.

Lisa Borutta verlässt den VfL Oldenburg und erfüllt sich mit dem Wechsel nach Toulon ihren Traum vom Ausland. Für die Handballerin aus Altenwalde beginnt damit nicht nur ein neues Kapitel ihrer Karriere - sondern vor allem ein neues Leben.

Wer Lisa Borutta zuhört, merkt schnell: Sie ist kein Mensch für schnelle Entscheidungen. Während andere längst unterschrieben hätten, als die ersten Angebote auf dem Tisch lagen, ließ sie sich Zeit. Sehr viel Zeit. Bis zur letzten Frist. "Ich wäge gerne alles ab", sagt die 28-Jährige. Im März setzte sie schließlich ihre Unterschrift unter den Vertrag des französischen Erstligisten Toulon Métropole Var Handball. Damit wurde aus einer Idee ein konkreter Plan.

Nun steht sie kurz davor, ihre Wohnung in Oldenburg gegen eine Dreizimmerwohnung an der französischen Mittelmeerküste einzutauschen. Mitte Juli zieht sie nach Toulon, wenige Tage später beginnt dort die Vorbereitung auf ihre erste Saison beim französischen Erstligisten. Es ist der größte Schritt ihrer bisherigen Laufbahn.

Dabei hatte der Traum zunächst eine andere Richtung. "Eigentlich wäre ich gerne nach Skandinavien gegangen. Aber da ist es schwer reinzukommen", erzählt Lisa Borutta. Schon im vergangenen Jahr hatte es erste Gespräche mit Vereinen im Ausland gegeben. Im November stand schließlich fest, dass sie ihren Vertrag in Oldenburg nicht verlängern würde. Die Angebote kamen aus der Bundesliga, aber auch aus anderen Ländern. Frankreich rückte immer stärker in den Fokus.

Lisa Borutta freut sich auf ihr neues Abenteuer in Toulon - ein mutiger Schritt in ihrer Handballkarriere und ihrem Leben. Foto

"Ich habe mir Spiele angeguckt. Skandinavien ist im Handball der Vorreiter, aber Frankreich kommt direkt danach. Das fühlte sich gut an. Die Vision, die sie dort haben, gefiel mir besser als in Deutschland." Es ist eine Entscheidung, die weniger von Tabellenplätzen als von einem Gefühl getragen wird. Trotzdem weiß Lisa Borutta sehr genau, worauf sie sich einlässt. Französisch spricht sie bislang kaum. "Aber ich lerne es gerade", sagt sie. "Außerdem wird im Verein eh Englisch gesprochen."

Mit dem Wechsel beginnt für sie vieles wieder bei null. Neue Sprache, neue Mitspielerinnen, neue Trainingsphilosophie, ein anderes Land. Vielleicht macht gerade das den Reiz aus. "Ich freue mich auch auf das Drumherum, auf eine andere Liga, andere Gegner wie Paris. Ich kann gegen Champions-League-Sieger spielen. Und die Fankultur in Frankreich ist einfach crazy."

Wer Lisa Borutta erlebt, spürt keine Nervosität. Eher Vorfreude. Die Aufregung, sagt sie selbst, sei aber "unterbewusst da". Sorgen mache sie sich nicht. "Als Sportler weiß man, dass man nicht alleine ist. Das macht es einfacher, dort integriert zu werden. Außerdem kann ich mich gut in neue Spielweisen integrieren."

Dass gleich sechs weitere Spielerinnen neu verpflichtet wurden, dürfte den Einstieg zusätzlich erleichtern. Gemeinsam soll eine Mannschaft entstehen, die sich in der französischen Liga etabliert. Lisa Boruttas Ziele klingen dabei ziemlich bodenständig: "Die Sprache lernen, mich gut integrieren, die Mannschaft neu formen und das Ende der Saison im Mittelfeld beenden."

Veränderungen gehören zu ihrem Leben schon immer dazu. Mehrfach hat sie sich auf neue Mannschaften, neue Städte und neue Rollen eingelassen. Vom TSV Altenwalde führte ihr Weg nach Buxtehude, später über Buchholz-Rosengarten und Göppingen nach Oldenburg. Jede Station brachte neue Erfahrungen. Die wird es auch in Frankreich geben.

Freunde und Familie unterstützten Lisa Borutta bei ihrem letzten Heimspiel beim VfL Oldenburg. Foto: privat

Bei aller Vorfreude auf Frankreich wird in diesen Tagen aber auch deutlich, wo ihre Wurzeln liegen. Zu ihrem letzten Heimspiel für den VfL Oldenburg machte sich eine große Gruppe aus Altenwalde auf den Weg, um sie ein letztes Mal im VfL-Trikot zu sehen. Freunde, Weggefährten und viele aus ihrem Heimatverein TSV Altenwalde saßen auf der Tribüne. Für Lisa Borutta war das mehr als eine nette Geste. "Dass so viele aus Altenwalde gekommen sind, hat mich riesig gefreut", sagt sie. 

Die Bilder, die sie bislang von Toulon kennt, stammen aus dem Internet. "Bisher war ich noch nie da", erzählt sie. "Ich weiß aber, dass die Halle direkt am Wasser liegt und alles sehr zentral ist." Bald wird genau das ihr Alltag sein. Der dürfte sich übrigens deutlich von dem unterscheiden, was Lisa Borutta aus Deutschland kennt. Die französische Liga gilt als professioneller organisiert. "Sie trainieren jeden Tag mehrmals", erzählt sie. Drei- bis viermal pro Woche stehen zusätzlich Krafteinheiten auf dem Programm, dazu individuelles Wurftraining und Mannschaftseinheiten. Es ist ein Rhythmus, der den gesamten Tagesablauf bestimmt. Und trotzdem: "Ich bin so happy. Das sollte alles so sein."

Der Wechsel nach Frankreich ist nicht nur ein Transfer. Er ist ein neuer Lebensabschnitt für eine junge Frau aus Altenwalde. Wenn sie Mitte Juli in Toulon aus dem Auto steigt, wird vieles fremd sein. Die Sprache. Die Menschen. Die neue Stadt am Mittelmeer. Aber sie hat sich bewusst dafür entschieden und freut sich darauf.

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