Was Zuschauer nicht sehen: So läuft ein Turniertag beim Dobrock in der Wingst
Ein Turniertag mit der Odisheimerin Alina Kristin Stolter und ihrer Stute "Finchen": Beim Dobrock-Turnier geht es morgens in der Wingst in die Dressur und mittags weiter zum Geländeritt nach Lamstedt. (mit Video)
Um 8.30 Uhr rollt der Pferdeanhänger auf den Parkplatz am Turniergelände in der Wingst. Die Klappe geht auf, ein paar Schritte später steht Florence June im Freien - die aber eigentlich nur "Finchen" genannt wird. Die Stute schaut sich interessiert um, während um sie herum schon die ersten Handgriffe sitzen. Sattel und Zaumzeug werden noch einmal geprüft, dann geht es los.
Für Alina Kristin Stolter war an diesem Sonnabend an Ausschlafen nicht zu denken. Um 6.30 Uhr ist die 30-Jährige aus Odisheim aufgestanden. Ihre erste Prüfung beim Dobrock-Turnier beginnt um 9.30 Uhr: Dressur der Klasse L* auf Kandare - das zweite Mal, dass sie diese Prüfung überhaupt reitet. Die feine Dressurjacke darf beim Turnieroutfit nicht fehlen. "Ich bin fit und positiv angespannt", sagt die Reiterin vom Hadler RC. Doch wie sie selbst drauf ist, ist an diesem Morgen nur die halbe Geschichte. "Wichtig ist: Was macht das Pferd?" Ob Finchen gut aufgelegt ist, merkt die Odisheimerin erst richtig, wenn sie im Sattel sitzt.

Auf dem Weg zum Abreiteplatz läuft ihre Mutter Rixta nebenher. Sie ist an diesem Tag Fahrerin, Trainerin, Helferin, Beobachterin und, wenn nötig, auch Stimme von außen. "Links sitzen, Schulter vor, linker Zügel zu stramm", ruft sie ihrer Tochter zu. Kleine Korrekturen, die bei der 30-Jährigen ankommen - und in diesem Moment entscheidend sein können. Eigentlich ist Alina als Siebte an der Reihe. Doch zwei Starterinnen vor ihr fehlen. Plötzlich wird aus dem geplanten Ablauf ein Wettlauf gegen die Zeit. Früher als gedacht geht es auf den Turnierplatz.
"Es waren erschwerte Bedingungen, weil mir wegen der Ausfälle Zeit gefehlt hat", sagt sie später. Ein Fehler unterläuft ihr, ansonsten kommen sie und Finchen gut durch die Prüfung. "Ich hatte einen Wackler, aber für das zweite Mal bin ich sehr zufrieden. Finchen hat alles gut gemacht und ich bin sehr zufrieden."
Viel Zeit, das Ergebnis wirken zu lassen, bleibt nicht. Es geht direkt zurück zum Anhänger. Finchen bekommt noch etwas zu fressen, dann muss sie wieder in den Anhänger. Die nächste Prüfung wartet schon. Um 12 Uhr beginnt der Geländeritt der Klasse E. Für die Vielseitigkeitsprüfung geht es in den Steingarten nach Lamstedt. Dazwischen liegen gut zwei Stunden Pause. "Wir fahren jetzt kurz nach Hause, dann kommt Finchen nochmal in die Box. Dann kann sie noch ein bisschen grasen und ich werde sie nochmal mit Wasser abspritzen", sagt die Odisheimerin.

Während Zuschauer später nur den Ritt verfolgen, dreht sich für Reiterinnen und Reiter in diesen zwei Stunden vieles um Organisation: Pferd versorgen, Ausrüstung wechseln, Strecke im Kopf haben und rechtzeitig wieder losfahren. Als Mutter und Tochter gegen Mittag in Lamstedt ankommen, wird es kurz hektisch. Alina Stolter läuft zur Ausgabe der Startleibchen, während Rixta Stolter sich um den Anhänger kümmert. Finchen kommt heraus, wird erneut gesattelt und gezäumt. Auch ihre Reiterin zieht sich um. Die elegante Dressurjacke bleibt diesmal im Anhänger. Stattdessen trägt die 30-Jährige einen Protektor. "Der ist verpflichtend", erklärt sie. Darüber kommt noch eine Airbagweste. Denn auf dem 1520 Meter langen Parcours mit seinen 15 Hindernissen geht es um mehr als nur die richtige Linie und die passende Geschwindigkeit.
Finchen hat mit dem Gelände noch eine besondere Geschichte. Wasser gehörte bislang nämlich nicht gerade zu ihren Lieblingshindernissen. Erst bei den Kreismeisterschaften eine Woche zuvor hatte die Stute das Wasserhindernis überhaupt zum ersten Mal überwunden. Vor dem Start darf ihre Reiterin mit ihr noch einmal einen Probelauf machen. Finchen geht durchs Wasser - kein Problem. Die Odisheimerin startet als Zwölfte. Viel erwartet sie vor dem Ritt nicht. "Ich würde gerne das Ziel sehen", sagt sie.

Im Geländeritt geht es nicht einfach darum, möglichst schnell zu sein. Entscheidend ist die Idealzeit. In Lamstedt liegt sie bei 203 Sekunden, also drei Minuten und 38 Sekunden. Wer zu schnell oder zu langsam ist, kassiert Zeitfehler. Die beiden kommen nach 3 Minuten und 32 Sekunden ins Ziel. Eigentlich nah dran. Doch ein verpasstes Hindernis kommt als Fehler hinzu. "Das war 100 Prozent mein Fehler", sagt die 30-Jährige später. Am Anfang habe sie Zeit verloren, weil Finchen nicht mutig genug gewesen sei, in den dunklen Wald zu gehen. Sie wollte die verlorenen Sekunden anschließend wieder aufholen und ging zu viel Risiko. "Heute ärgere ich mich noch." Aber so ist es eben: Nicht jede Prüfung läuft perfekt. Ein Zeitplan kann sich plötzlich verschieben, zwei Turnierorte müssen an einem Vormittag angefahren werden, ein Ritt kann einen Wackler haben. Und im Gelände kann eine Entscheidung in wenigen Sekunden die Platzierung verändern.
Es ist nach 13 Uhr, als Finchen wieder in den Anhänger steigt. Der Turniertag ist vorbei. Zumindest für die Stute und ihre Reiterin. Keine weitere Prüfung, kein langer Nachmittag auf dem Dobrock-Turnier. Jetzt ist erst einmal Pause. Alina Stolters Fazit fällt trotz des Fehlers versöhnlich aus: "Ich kann mitnehmen, dass Finchen Lust darauf hat."
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