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Am Set von „Der Teufel trägt Gummistiefel": Hauptdarsteller Oliver Mommsen in auffälligem Outfit wird von einer Kamerafrau gefilmt, während er sein Handy hält. Die Dreharbeiten in Cuxhaven bieten spannende Einblicke hinter die Kulissen. Foto: Potschka
Am Set von „Der Teufel trägt Gummistiefel": Hauptdarsteller Oliver Mommsen in auffälligem Outfit wird von einer Kamerafrau gefilmt, während er sein Handy hält. Die Dreharbeiten in Cuxhaven bieten spannende Einblicke hinter die Kulissen. Foto: Potschka
Ein Tag am Filmset

"Mord oder Watt?": Exklusiver Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten in Cuxhaven

von Jens Potschka | 06.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026 18:38 Uhr

Zwischen Watt und Deich entsteht mehr als nur ein Film. Ein Team aus Schauspielern, Regisseur und Crew lässt in Cuxhaven eine eigene Welt entstehen, die überrascht und neugierig auf das kommende Abenteuer der TV-Produktion "Mord oder Watt?" macht.

"Ruhe, bitte!" Der Ruf fliegt in Richtung Deich und plötzlich steht die Klaus-Groth-Straße still. Zwei Blocker sperren den Deichverteidigungsweg, ein Radler bremst, zwei Spaziergänger recken die Hälse. Vor dem Haus, das im Film "Haus Seebach" heißt, hebt Ann-Carolin Obitz die Klappe. "Ton läuft." "Marke." "Und bitte!" Dann geht eine Frau im braunen Mantel auf Oliver Mommsen zu und sagt einen Satz, den die Fernsehzuschauer im nächsten Jahr hören werden.

In Cuxhaven laufen die Dreharbeiten zu "Der Teufel trägt Gummistiefel" (Arbeitstitel), dem vierten Film der Reihe "Mord oder Watt?". Wieder führt André Erkau Regie, steht Fee Strothmann hinter der Kamera, wieder stammt das Drehbuch von Michael Gantenberg. Saxonia Media produziert den Film im Auftrag von ARD Degeto und Radio Bremen. Unsere Zeitung durfte exklusiv einen Drehtag begleiten.

Das Herz schlägt am Catering

Der Tag beginnt nicht am Set, sondern am Fährhafen. Dort hat NPorts der Crew ein Gelände überlassen, die sogenannte Base. Dort reiht sich Fahrzeug an Fahrzeug: ein Wagen für die Requisite, ein Kostümbus mit Wäscheständern, die Maske, ein Toilettenhaus und ein Wagen für den Hauptdarsteller, in dem Mommsen zwischendurch einmal verschnaufen kann. Mittendrin dampft die Küche. Ein auf Filmsets spezialisierter Caterer aus Berlin versorgt mit nur zwei Leuten das gesamte Team. "Man fängt beim Cateringbus an, das ist einfach das Herz", sagt Claudia Maxelon von "Kommunikation für Film & TV", die im Auftrag von Radio Bremen die Presse betreut. Kein Film ohne Team, kein Film ohne Catering. Pappbecher und Plastikgabeln haben hier ausgedient, die Branche nennt das "grünes Drehen": Fahrten sparen, E-Autos buchen, Müll vermeiden.

Klappe, die Pressefrau: Claudia Maxelon von "Kommunikation für Film & TV" mit der Filmklappe. Am Set schlägt sie normalerweise die zweite Kameraassistenz. Foto: Potschka

An diesem Morgen gibt es nur Hafermilch, die große Kaffeemaschine kommt erst am Montag. Auf dem Tisch liegt das wichtigste Papier des Tages, die Disposition. "Freitag, 2. Oktober, Drehtag 9", steht darauf. 32 Menschen zählt das Team vor Ort, dazu zwei Komparsen. Rechnet man Büro, Produzenten und Redaktion hinzu, sind es schnell 60 bis 70 Leute. Die Dispo verrät auch, wie viel Film an diesem Vormittag entsteht: drei Minuten und 35 Sekunden. So lange dauern die Szenen laut Drehbuch, eigens mit der Stoppuhr ermittelt. Dafür geht ein ganzer Vormittag drauf.

Warten auf die Wolke

Warum das so lange dauert, zeigt sich in der Klaus-Groth-Straße. Erst dreht das Team die Totale, drei Schauspieler im Bild. Dann wandert die Kamera hinter die Schulter des einen und nimmt das Gesicht des anderen nah auf. Danach wechselt sie die Seite, ohne die gedachte Achse zu überspringen. Jedes Mal spielen die Darsteller die Szene komplett durch, auch wer gerade nicht im Bild ist. So entstehen die vielen Wiederholungen, erklärt Maxelon. Mit mangelnder Professionalität haben sie nichts zu tun.

Ein Blick hinter die Kulissen: Am Set von "Der Teufel trägt Gummistiefel" in Cuxhaven herrscht eine entspannte und kreative Atmosphäre. Set-Aufnahmeleiter Michael von Wolfframsdorff tauscht sich in einer Pause mit einem Crew-Mitglied aus. Foto: Potschka

Hinzu kommt alles, was eine Wohnstraße zu bieten hat. In einem Nachbarhaus heult eine Bohrmaschine auf. Um zwölf läutet St. Petri. "Zwölf-Uhr-Gebimmel. Bleibt bitte auf Anfang", ruft Set-Aufnahmeleiter Michael von Wolfframsdorff. Auf Anfang bleiben heißt: Niemand verlässt seine Position, die Schauspieler bleiben in ihrer Rolle. Und dann ist da noch der Himmel. Nach dem Dauerregen vom Donnerstag bricht an diesem Freitag immer wieder die Sonne durch, 18 Grad, kaum Wind. Ein Segen für die Stimmung, eine Prüfung für das Licht.

Der "Wolkenschieber": Durch ein dunkles Kontrastglas beobachtet ein Crewmitglied den Himmel und meldet, wann das Licht wieder passt. Foto: Potschka

Ein Crewmitglied hält immer wieder ein dunkles Kontrastglas vors Auge und mustert die Wolken. Dieser "Wolkenschieber" gibt Zeichen, sobald das Licht wieder zur vorigen Einstellung passt. "Schleier bleibt", heißt es dann. Denn im fertigen Film darf zwischen zwei Blicken keine Sonne aufblitzen. Darüber wacht im Video Village, dem Monitorplatz am Set, Script-Supervisor Ipek Sertöz. Die Continuity achtet darauf, dass jede Kaffeetasse, jede Locke und jede Brille im Anschluss sitzen. Kameraassistentin Daniella Schadrin zieht am Rädchen die Schärfe nach, der Maskenbildner tupft zwischen den Takes den Glanz aus den Gesichtern. Hektik? Keine. Ein Blick, ein Wort, ein Zeichen genügen. Daran erkenne man ein professionelles Team, sagt Maxelon.

Dienst an der Plastikwaffe

Kein Glanz, keine verrutschte Locke: Zwischen zwei Einstellungen bringt der Maskenbildner Oliver Mommsen wieder in Seebach-Form. Foto: Potschka

Oliver Mommsen trägt eine kleine gelbe Jacke über einem Hawaiihemd. Spätestens dann sei er Tim Seebach, sagt er. "Ich selbst neige zum dezenten Schwarz, zum fröhlichen Grau und manchmal vielleicht zu einem mutigen Beige." Seine Figur ist ein eitler Fernsehstar, der als "Der Lux" landesweit berühmt ist und sich in seinem Heimatort Westerfleth in echte Ermittlungen einmischt. Ein Schauspieler spielt also einen Schauspieler, der einen Kommissar spielt. Und dieser Schauspieler war selbst fast zwei Jahrzehnte Bremer Tatort-Kommissar. "Ich durfte ja 17 Jahre Dienst an der Plastikwaffe absolvieren", sagt Mommsen. Jetzt nehme er die Klischees auf die Schippe, die er selbst so lange bedient hat. Anders hätte er sich nicht vorstellen können, so schnell wieder einen Kommissar zu spielen.

Westerfleth liegt wenige Meter vom Deich der Grimmershörnbucht entfernt: Filmcrew und Darsteller verwandeln die Klaus-Groth-Straße für einen Tag in den fiktiven Bremerhavener Stadtteil. Foto: Potschka

Im vierten Film kommt Seebach in Westerfleth an. Mit Kapitänin und Restaurantbesitzerin Hannah Lübker (Ulrike C. Tscharre) probt er ein Benefiz-Theaterstück. Doch dann ruft Hollywood: Das Casting für einen Kinofilm fällt ausgerechnet auf den Premierentag. Zugleich treiben Taschendiebe ihr Unwesen, und Seebachs bester Freund Erik (Niels Bormann) verschwindet spurlos. Klamauk allein ist das nicht. "Komödie fängt da an, wo es schmerzhaft wird", sagt Mommsen. Komik sei die Kür. Bei der ersten Probe lacht das ganze Team, nach dem zwanzigsten Take niemand mehr. Dann brauche es Vertrauen in die Regie, und André Erkau sei da "wie ein Dirigent".

Alles im Blick: Regisseur André Erkau verfolgt die Szene an der Kombo, seinem Kontrollmonitor am Set. Foto: Potschka

Erkau zitiert selbst Pippi Langstrumpf: "Wir bauen uns die Welt, wie sie uns gefällt." Westerfleth liegt offiziell in Bremerhaven, die Basis der Reihe aber ist Cuxhaven. Schon vor dem ersten Film suchte der Regisseur mit Location-Scout und Ausstatter im Umkreis von 100 Kilometern das Haus der Hauptfigur. Nah am Deich sollte es liegen, schnell am Strand und doch gefühlt nah an der Bremerhavener Innenstadt. Mommsen bringt es auf den Punkt: "Bei uns beginnt das Watt direkt hinter dem Klimahaus." Film dürfe zaubern. "Manche nennen es lügen oder flunkern. Flunkern ist, glaube ich, das Richtige." Routine fürchtet Erkau trotz vier Filmen im selben Team nicht. Am Donnerstag drehte die Crew das Finale, als Wind aufkam und es in Strömen regnete. Die Pläne waren dahin, die Szene musste einfacher erzählt werden. "Ich glaube, das hält so eine Gruppe lebendig, dass man stets auf Dinge reagieren muss."

Eine Mutter mit Geheimnissen

Dreharbeiten in Cuxhaven: Schauspielerin Lina Wendel und Crew schaffen eine faszinierende Filmszene für "Der Teufel trägt Gummistiefel", die Spannung und Vorfreude auf das TV-Abenteuer weckt. Foto: Potschka

Die Frau im braunen Mantel ist Lina Wendel. Viele kennen sie als "Die Füchsin" aus der gleichnamigen ARD‑Krimireihe. In "Mord oder Watt?" spielt sie zum ersten Mal mit: als Mutter von Kommissarin Wiebke Tönnessen, die überraschend auftaucht und so manches Geheimnis mitbringt. "Schön, Sie endlich mal persönlich kennenzulernen", umgarnt sie Seebach. "Meine Tochter hat mir schon so viel Gutes über Sie erzählt." Die Tochter verzieht das Gesicht. Antonia Bill spielt diese Wiebke seit dem ersten Film. Sie ist neben der Filmfigur Malte Niebecker (Joshua Seelenbinder) die einzige echte Ermittlerin unter lauter Leuten, die gern ermitteln würden.

Am Set von "Der Teufel trägt Gummistiefel" wartet Darstellerin Antonia Bill. In Cuxhaven wird konzentriert gearbeitet, während die Crew die nächste Szene vorbereitet." Foto: Potschka

"Ich muss immer die Ordnung halten und darf dem Affen nicht so viel Zucker geben", beschreibt Bill ihre Rolle. Zickig dürfe Wiebke aber nicht wirken. Eine Gratwanderung. Am meisten Spaß machen ihr die Duelle mit Seebach, bei dem Wiebke zur Miete wohnt, vor allem die "Küchengespräche", in denen beide Klartext reden. Bill kommt vom Theater, vom Deutschen Theater und vom Berliner Ensemble, und wuchs in einer Kabarettfamilie auf. Humor und Timing nennt sie "die Königinnendisziplin". Nach vier Filmen sei das Ensemble eng zusammengewachsen, "wie Geschwister, Vater, Mutter".

Sohle ab und schwarzes Klebeband darauf

Wie schnell am Set improvisiert werden muss, zeigt eine Szene, in der Wiebke joggt. Plötzlich löst sich von Bills rechtem Turnschuh die komplette Sohle. Ersatz hat niemand dabei, also holt die Schauspielerin ihre privaten Laufschuhe. Bevor die Kamera wieder läuft, klebt das Team das Markenlogo mit schwarzem Klebeband ab. Sonst müsste es in der Nachbearbeitung digital verschwinden, denn ungewollte Schleichwerbung hat im Film nichts verloren.

Pause für die beiden Komparsinnen aus Cuxhaven: Stefanie Dohrmann und Martina Schwartz sind beim Drehtag in der Klaus-Grooth-Straße mit dabei. Foto: Potschka

Auch zwei Cuxhavenerinnen gehören an diesem Tag zum Bild: Stefanie Dohrmann und Martina Schwarz aus Oxstedt laufen als Komparsinnen immer wieder durch die Szenerie, manches Mal in leicht verändertem Outfit. Hinter dem Deich schauen Passanten zu, manche aus der ersten Etage mit begehrtem Seeblick. Ein Foto vom Star sei völlig in Ordnung, sagt Maxelon, nur ganze Szenen "mit dem Handy aus der Hecke" nicht. Gerade in Cuxhaven sei das Team sehr willkommen, habe sie gehört.

Das Watt macht süchtig

Schauspieler Oliver Mommsen in Aktion: Die Dreharbeiten zu "Der Teufel trägt Gummistiefel" in Cuxhaven laufen auf Hochtouren und bieten spannende Einblicke hinter die Kulissen. Foto: Potschka

Das beruht auf Gegenseitigkeit. "Ich bin wattsüchtig", gesteht Mommsen. Zum Glück spielt der neue Film viel im Watt. Neuerdings läuft er frühmorgens barfuß über "die große Wiese" bis zur Kugelbake, Tautreten nach Kneipp. Zum Sonnenuntergang müsse man sich beeilen, nach Duhnen und Döse. Cuxhaven sei in seiner Beschaulichkeit "echt ein Geschenk". Und er schiebt nach: "Ich muss mich jetzt nicht einschleimen. Ich meine das echt ernst."

Der Mann für den Ton: Dieses Crewmitglied überwacht ständig die Qualität des Tones bei den Dreharbeiten zu "Der Teufel trägt Gummistiefel" in Cuxhaven. Foto: Potschka

Auch Antonia Bill schwärmt von den Sonnenuntergängen an der Elbmündung, die sie "bombastisch" findet. Für das Team ist der Tag noch lange nicht vorbei. Lina Wendel ist schon auf dem Heimweg, doch am Abend wird weitergedreht, wenn in der Dämmerung der Leuchtturm im Bild zu sehen sein soll. Die Dreharbeiten in Cuxhaven, Bremerhaven und Umgebung laufen noch bis zum 19. Oktober. Im Ersten ist Mord oder Watt? Der Teufel trägt Gummistiefel" voraussichtlich 2027 zu sehen. Drei Minuten und 35 Sekunden davon entstanden an einem sonnigen Freitag in der Klaus-Groth-Straße.

Auf den Spuren von "Mord oder Watt?": Das Filmteam verwandelt die Klaus-Groth-Straße in unmittelbarer Nähe des Deichverteidigungsweges in eine lebendige Kulisse für das neueste Abenteuer der beliebten TV‑Reihe. Foto: Potschka

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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