Setzen ein klares Zeichen: v.l. Fotograf Harald Schmitt, Gabriele Hoffmann, Leiterin des Fachbereichs Kultur, der ehemalige DDR-Außenminister Markus Meckel und Rüdiger Pawlowski, Sprecher RAG Cuxhaven des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“. Foto: Domke-Feiner
Setzen ein klares Zeichen: v.l. Fotograf Harald Schmitt, Gabriele Hoffmann, Leiterin des Fachbereichs Kultur, der ehemalige DDR-Außenminister Markus Meckel und Rüdiger Pawlowski, Sprecher RAG Cuxhaven des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“. Foto: Domke-Feiner
Gegen das Vergessen

"Krieg - Frieden - Versöhnung": Bewegende Ausstellung im Cuxhavener Rathaus eröffnet

10.05.2026

Soldatenfriedhöfe, stille Gesten der Menschlichkeit, Bilder der Versöhnung: Mit eindringlichen Fotografien setzt die Ausstellung von Harald Schmitt im Cuxhavener Rathaus 80 Jahre nach Kriegsende ein starkes Zeichen für Frieden und Demokratie.

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzt die Ausstellung "Krieg - Frieden - Versöhnung" in der Bürgerhalle des Cuxhavener Rathauses ein eindringliches Zeichen für Erinnerung, Menschlichkeit und Verständigung.

Zahlreiche Gäste kamen am Freitagnachmittag (8. Mai 2026) zur Eröffnung der Ausstellung des mehrfach ausgezeichneten Fotoreporters Harald Schmitt. Die Ausstellung wurde vom Bündnis für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gemeinsam mit der Regionalen Arbeitsgruppe des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. organisiert.

Zwischen Krieg und Hoffnung

Schon beim Betreten der Bürgerhalle wurde deutlich, dass diese Ausstellung weit mehr sein will als eine reine Bilderschau. Die groß- und kleinformatigen Fotografien zeigen nicht nur die Schrecken vergangener Kriege, sondern auch Zeichen der Hoffnung und der Aussöhnung zwischen einstigen Feinden. Viele Besucherinnen und Besucher blieben lange vor den Bildern stehen, lasen aufmerksam die kurzen Begleittexte und kamen miteinander ins Gespräch.

Oberbürgermeister Uwe Santjer eröffnete die Ausstellung und erinnerte daran, dass Frieden und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind. Gerade in einer Zeit, in der neue Konflikte entstehen und Krieg wieder näher an Europa herangerückt sei, brauche es Orte des Erinnerns und der Verständigung.

Den Einführungsvortrag hielt Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR und langjähriger Vorsitzender von "Gegen Vergessen - Für Demokratie". Er spannte den Bogen von den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs bis zu aktuellen politischen Entwicklungen und sprach über die mühsame Arbeit der Versöhnung. Vertrauen zwischen Völkern wachse nur langsam, sagte Meckel, und müsse immer wieder neu gestärkt werden. Besonders eindringlich erinnerte er an die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft als Fundament des heutigen Europas.

Im Vorwort des zur Ausstellung erschienenen Buches beschreibt Meckel die Fotografien als ein "Meditationsbuch", das zum Innehalten und Nachdenken anregen solle. Erinnerung müsse dabei immer beide Seiten umfassen - das Gedenken an die eigenen Toten ebenso wie das Bewusstsein für die Opfer von Krieg, Gewalt und nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.

Eröffnung der Ausstellung "Krieg - Frieden - Versöhnung" im Cuxhavener Rathaus: Der Fotograf teilt eindrucksvolle Geschichten von Erinnerung und Versöhnung. Foto: Domke-Feiner

Fotografien gegen das Vergessen

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand jedoch der Fotograf selbst. Seit fast fünf Jahrzehnten dokumentiert Harald Schmitt Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche in aller Welt. Für seine Arbeit wurde er sechsmal mit dem renommierten "World Press Photo Award" ausgezeichnet.

In den vergangenen Jahren bereiste er mehr als 20 Länder, um Orte der Erinnerung und der Versöhnung festzuhalten. Dabei führte ihn seine Arbeit unter anderem nach Verdun, in die Normandie, nach Coventry, Nordirland und Monte Cassino.

Seine Fotografien zeigen Soldatenfriedhöfe, zerstörte Städte, Mahnmale und stille Gesten der Menschlichkeit. Die Ausstellung besteht aus bewusst zusammengestellten Bilderpaaren, deren Verbindung sich manchmal sofort erschließt und manchmal erst durch die kurzen Begleittexte verständlich wird.

Eine zentrale Gegenüberstellung zeigt ein Feld roter Mohnblumen zusammen mit Zeilen aus dem Antikriegslied "Es ist an der Zeit" von Hannes Wader. Daneben ist ein Foto mit zahllosen weißen Kreuzen zu sehen sowie die historische Aufnahme aus dem Jahr 1984, auf der sich Frankreichs Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun die Hände reichen. Das Bild gilt bis heute als eines der stärksten Symbole der deutsch-französischen Aussöhnung nach den Weltkriegen.

Viele seiner Motive findet Harald Schmitt nach intensiver Recherche, manches entdeckt er aber auch zufällig. So stieß er während einer Jagd im fränkischen Fichtelgebirge auf das Grab eines unbekannten französischen Soldaten, das seit 1814 von Bewohnern umliegender Ortschaften gepflegt wird. Andere Bilder entstehen aus einem einzigen stillen Moment heraus - etwa das im Schnee gezeichnete Herz eines Unbekannten auf dem Ohlsdorfer Friedhof vor den Gräbern deutscher Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Schmitt fotografiert mit scharfem Blick und zugleich mit großer menschlicher Offenheit. Diese Haltung ist vielen seiner Bilder anzusehen. Sie zeigen nicht nur Zerstörung und Tod, sondern immer auch Würde, Erinnerung und Mitgefühl.

Warum junge Menschen diese Bilder sehen sollten

Auf die Frage, wen er sich besonders als Besucher seiner Ausstellung wünsche, antwortete Schmitt ohne zu zögern: "Diese Ausstellung müssen junge Leute sehen." Gerade Schülergruppen sollten sich mit den Themen Krieg, Frieden und Versöhnung auseinandersetzen. Seine Bilder wollen erinnern, aber auch Verantwortung für die Zukunft wecken. Die Ausstellung macht deutlich, dass Frieden nicht einfach entsteht. Es braucht Mut, Geduld und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Gerade deshalb traf die Botschaft der Bilder viele Besucher sichtbar.

Von Domke Feiner

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

Google News

Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.


CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Lesen Sie auch...
Bilderstrecke

20. Cuxhavener Marathon - die besten Bilder der kleinen und großen Läufer

von Märthe Werder

In Cuxhaven wurden die Laufschuhe angezogen. Beim 20. Cuxhavener Stadtsparkassen Marathon gingen sowohl kleine als auch große Läufer an den Start. Wir liefern die ersten Bilder.

In eigener Sache

Probleme in der Druckerei verursachen Verzögerung in der Zustellung von CN und NEZ

von Frank Lütt

Ausgerechnet an dem Tag (9. Mai 2026), an dem unser Medienhaus einen Tag der offenen Tür am neuen Standort in Cuxhaven veranstaltet, hat sich die Zustellung der Tageszeitungen verzögert. Ursache: ein erheblicher technischer Schaden in der Druckerei.

Im Gespräch

Europa-Union in Cuxhaven: Warum Europa gerade jetzt wichtig ist 

von Märthe Werder

Der Europatag (9. Mai 2026) hat sein 40. Jubiläum. Dietmar Rehfeldt, Vorsitzender der Europa-Union Cuxhaven, spricht über die Bedeutung des Europatags mit cnv-medien.de. Warum der Tag überhaupt gefeiert wird und wo Europa im Alltag auftaucht.