"Krieg - Frieden - Versöhnung": Bewegende Ausstellung im Cuxhavener Rathaus eröffnet
Soldatenfriedhöfe, stille Gesten der Menschlichkeit, Bilder der Versöhnung: Mit eindringlichen Fotografien setzt die Ausstellung von Harald Schmitt im Cuxhavener Rathaus 80 Jahre nach Kriegsende ein starkes Zeichen für Frieden und Demokratie.
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzt die Ausstellung "Krieg - Frieden - Versöhnung" in der Bürgerhalle des Cuxhavener Rathauses ein eindringliches Zeichen für Erinnerung, Menschlichkeit und Verständigung.
Zahlreiche Gäste kamen am Freitagnachmittag (8. Mai 2026) zur Eröffnung der Ausstellung des mehrfach ausgezeichneten Fotoreporters Harald Schmitt. Die Ausstellung wurde vom Bündnis für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gemeinsam mit der Regionalen Arbeitsgruppe des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. organisiert.
Zwischen Krieg und Hoffnung
Schon beim Betreten der Bürgerhalle wurde deutlich, dass diese Ausstellung weit mehr sein will als eine reine Bilderschau. Die groß- und kleinformatigen Fotografien zeigen nicht nur die Schrecken vergangener Kriege, sondern auch Zeichen der Hoffnung und der Aussöhnung zwischen einstigen Feinden. Viele Besucherinnen und Besucher blieben lange vor den Bildern stehen, lasen aufmerksam die kurzen Begleittexte und kamen miteinander ins Gespräch.
Oberbürgermeister Uwe Santjer eröffnete die Ausstellung und erinnerte daran, dass Frieden und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind. Gerade in einer Zeit, in der neue Konflikte entstehen und Krieg wieder näher an Europa herangerückt sei, brauche es Orte des Erinnerns und der Verständigung.
Den Einführungsvortrag hielt Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR und langjähriger Vorsitzender von "Gegen Vergessen - Für Demokratie". Er spannte den Bogen von den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs bis zu aktuellen politischen Entwicklungen und sprach über die mühsame Arbeit der Versöhnung. Vertrauen zwischen Völkern wachse nur langsam, sagte Meckel, und müsse immer wieder neu gestärkt werden. Besonders eindringlich erinnerte er an die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft als Fundament des heutigen Europas.
Im Vorwort des zur Ausstellung erschienenen Buches beschreibt Meckel die Fotografien als ein "Meditationsbuch", das zum Innehalten und Nachdenken anregen solle. Erinnerung müsse dabei immer beide Seiten umfassen - das Gedenken an die eigenen Toten ebenso wie das Bewusstsein für die Opfer von Krieg, Gewalt und nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.

Fotografien gegen das Vergessen
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand jedoch der Fotograf selbst. Seit fast fünf Jahrzehnten dokumentiert Harald Schmitt Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche in aller Welt. Für seine Arbeit wurde er sechsmal mit dem renommierten "World Press Photo Award" ausgezeichnet.
In den vergangenen Jahren bereiste er mehr als 20 Länder, um Orte der Erinnerung und der Versöhnung festzuhalten. Dabei führte ihn seine Arbeit unter anderem nach Verdun, in die Normandie, nach Coventry, Nordirland und Monte Cassino.
Seine Fotografien zeigen Soldatenfriedhöfe, zerstörte Städte, Mahnmale und stille Gesten der Menschlichkeit. Die Ausstellung besteht aus bewusst zusammengestellten Bilderpaaren, deren Verbindung sich manchmal sofort erschließt und manchmal erst durch die kurzen Begleittexte verständlich wird.
Eine zentrale Gegenüberstellung zeigt ein Feld roter Mohnblumen zusammen mit Zeilen aus dem Antikriegslied "Es ist an der Zeit" von Hannes Wader. Daneben ist ein Foto mit zahllosen weißen Kreuzen zu sehen sowie die historische Aufnahme aus dem Jahr 1984, auf der sich Frankreichs Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun die Hände reichen. Das Bild gilt bis heute als eines der stärksten Symbole der deutsch-französischen Aussöhnung nach den Weltkriegen.
Viele seiner Motive findet Harald Schmitt nach intensiver Recherche, manches entdeckt er aber auch zufällig. So stieß er während einer Jagd im fränkischen Fichtelgebirge auf das Grab eines unbekannten französischen Soldaten, das seit 1814 von Bewohnern umliegender Ortschaften gepflegt wird. Andere Bilder entstehen aus einem einzigen stillen Moment heraus - etwa das im Schnee gezeichnete Herz eines Unbekannten auf dem Ohlsdorfer Friedhof vor den Gräbern deutscher Soldaten des Ersten Weltkriegs.
Schmitt fotografiert mit scharfem Blick und zugleich mit großer menschlicher Offenheit. Diese Haltung ist vielen seiner Bilder anzusehen. Sie zeigen nicht nur Zerstörung und Tod, sondern immer auch Würde, Erinnerung und Mitgefühl.
Warum junge Menschen diese Bilder sehen sollten
Auf die Frage, wen er sich besonders als Besucher seiner Ausstellung wünsche, antwortete Schmitt ohne zu zögern: "Diese Ausstellung müssen junge Leute sehen." Gerade Schülergruppen sollten sich mit den Themen Krieg, Frieden und Versöhnung auseinandersetzen. Seine Bilder wollen erinnern, aber auch Verantwortung für die Zukunft wecken. Die Ausstellung macht deutlich, dass Frieden nicht einfach entsteht. Es braucht Mut, Geduld und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Gerade deshalb traf die Botschaft der Bilder viele Besucher sichtbar.
Von Domke Feiner
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